Satte 200 Ampere Lithium-Power von LIONTRON unter dem Beifahrersitz

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 8 Minuten

Meine Schwiegereltern sind schon seit einigen Jahren mit Ihrem 6 Meter Kastenwagen von Globecar in ganz Europa unterwegs uns stehen dabei auch mal gerne frei. Knackpunkt war hierbei aber bereits des Öfteren die Stromversorgung über die unter dem Beifahrersitz vom Fiat Ducato verbaute Aufbaubatterie. Es handelt sich hierbei um eine AGM-Batterie von Varta mit ihren bescheidenen 85 Ah und geladen wird diese über den in Wohnmobilen weitverbreiteten Elektroblock EBL 119 von Schaudt.

Die Batterie hatte in den vergangenen Monaten bereits ihr baldiges Ableben, unter anderem mit immer kürzeren Laufzeiten angekündigt. Vor der nächsten langen Reise in Richtung Portugal stand hier somit ein entsprechender Austausch an. Einen Batteriecomputer, über den man u. a. zuverlässig über die aktuelle Kapazität und der möglichen Restlaufzeit der Aufbaubatterie informiert wird, sucht man im Globecar leider vergebens. Die kleine Anzeige für die Batteriespannung am Bedienpanel gleicht einer Art Ratespiel. Hier sollte mit dem Einzug einer neuen Batterie, auch gleich mehr Komfort (wobei weniger schwer werden würde) im Bereich Batterieanzeigemanagement verbaut werden.

Im Wohnmobil ist ein Abortkühlschrank von Dometic (RM 5380) mit ohnehin nur 80 Liter Fassungsvermögen verbaut und das Gefrierfach, was seinen Namen eigentlich verdient, fasst lediglich 5 Liter und ist ein absoluter Witz. Weil bautechnisch kein anderer (größerer) Kühlschrank verbaut werden kann, unterstützt eine Kompressorkühlbox von Dometic das „Gefrierfach“, genauer gesagt hat es abgelöst. Die neue Batterie muss also allein dafür schon eine größere Kapazität haben und sollte einen Batteriecomputer (bevorzugt per Bluetooth/App) mitbringen und auch wieder zwingend unter den Beifahrersitz im Fiat Ducato passen. Unsere Wahl fiel dabei auf eine LIONTRON LiFePO4 12.8V 200Ah LX Smart BMS mit Bluetooth als Untersitz-Variante.

Warum eine Lithiumbatterie?

Natürlich kann man die Frage stellen, warum wir nicht wieder eine AGM, oder eine Blei-Gel-Batterie genommen haben. Für mehr Autarkie und das im Zusammenspiel mit der neuen Kompressorkühlbox, benötigen wir hier grundsätzlich schon einmal mehr Energie, als selbst zwei AGM Batterien zusammen leisten könnten. Aber auch wenn es so große AGM Batterien geben würde, hätten wir ein riesengroßes Problem mit dem Gewicht, weil diese Batteriearten sind einfach viel zu schwer und einen Batteriecomputer müssten wir am Ende hier auch noch nachrüsten.

Die verbaute Varta hat eine Kapazität von 85 Ah (Amperestunden) und wiegt stolze 26,4 Kilogramm. AGM und Blei-Gel -Batterien sollte man aber nur bis zu 50 % entladen, weil ansonsten die Zellen zu sehr schädigt werden. Man käme in unserm Fall also rein rechnerisch nur auf 42,5 Ah und auch wenn man sich daran halten würde, gibt Varta (wie auch andere Hersteller) eine maximale Lebensdauer von 400 Zyklen an. Ein Ladezyklus beinhaltet eine Entladung bis 50% DOD (engl. Depth of discharge) und einer anschließenden Vollladung der Batterie.

Lithiumbatterien wiegen deutlich weniger und man kann sie nahezu vollständig entladen, ohne dass die Zellen dabei Schaden nehmen. Die vom Hersteller angegebenen Ladezyklen bewegen sich dabei auch weit über 1000 Stück. Man bekommt als vereinfacht gesagt, deutlich mehr Energie, bei wiederum deutlich geringerem Gewicht und hat mit der hohen Anzahl von Ladezyklen eine deutlich längere Lebensdauer.

PS: Bei einem eventuellen Verkauf des Wohnmobils und einem Wechsel auf etwas Neues, könnten wir die Lithiumbatterie natürlich auch recht einfach ausbauen und in den neuen Camper mitnehmen. Diese sicherlich nicht günstige Investition ist also nicht zwingend an dieses Fahrzeug gebunden.

Technische Daten der LIONTRON Smart BMS 200Ah Untersitz

Nennkapazität200Ah / 2560Wh
Arbeitsspannungsbereich11,0 .. 14,6V
Nennspannung12,8V
Ladezyklen≥3000 bei 90% DoD
LadecharakteristikCCCV / IU
Ladeschlussspannung14,2 – 14,6V
Erhaltungsladung13,5 – 13,8V
Empfohlener max. Ladestrom100A
Max. Ladestrom150A
Dauer Entladestrom150A
Max. Entladestrom (≤20 Sek.)200A
BMS Batterie Management Systemintegriert
ÜberwachungBluetooth 4.0 mit Smartphone App
Anwendung / Verschaltung12V Installation, Parallelschaltung möglich
(Serienschaltung auf bspw. 24V nicht möglich)
SchutzartIP65
Temperaturbereich (Entladung)-20°C .. +60°C
Temperaturbereich (Ladung)0°C .. +45°C
Temperaturbereich (Lagerung)-40°C .. +60°C
PolanordnungPluspol links
Arctic Upgradeoptional, für die Verwendung bis -30°C
AnschlussM8, Schraube
Garantie7 Jahre Herstellergarantie
Gewicht23,9 kg
Abmessungen (L x B x H) in mm395 x 280 x 187

Vorteile der LIONTRON Lithiumbatterie

  • Als Erstes passt sie eins zu eins unter den Beifahrersitz vom Fiat Ducato. Wir müssen also nichts umbauen, was in dem Fall ohnehin nicht gehen würde, weil alternative Einbauplätze für die Batterie definitiv Mangelware sind.
  • Zweitens ist sie eins zu eins mit AGM oder Blei-Gel-Batterien austauschbar und das ohne Veränderung der Lade/Entlade Struktur im Wohnmobil. Wir können den Schaudt EBL 119 also einfach weiterbetreiben und stellen die Ladekennlinie über den Batteriewahlschalter lediglich von AGM (14,7 V) auf Blei/Gel (14,4 V) um. Den Rest regelt dann das Batterie-Management (BMS) der LIONTRON für uns.
  • Drittens reduzieren wir (rechnerisch) das Gewicht deutlich. Es beträgt zwar bei den von uns gewählten Version 23,9 Kilogramm, aber dafür bekommen wir jetzt 200 Ah, von denen wir 90 %, also 180 Ah entnehmen können, um die von LIONTRON garantieren mehr als 3000 Zyklen zu erreichen.

    Um 200 Amperestunden (Ah), genauer gesagt die nutzbaren 180 Ah zu bekommen, müssten wir 4,2 AGM Batterien verbauen und hätten am Ende bei knapp 100 kg immer noch den Nachteil von nur 400 gegenüber 3000 Ladezyklen. Lithium lohnt sich in vielerlei Hinsicht!

Der Aus- und Einbau

Im Globecar sitzt die Aufbaubatterie wie sicherlich bei den meisten kompakten Wohnmobilen unter dem Beifahrersitz vom Fiat Ducato. Um die vorhandene AGM Batterie gegen eine neue Lithiumbatterie zu tauschen, muss als Erstes der Sitz und danach die Drehkonsole ausgebaut werden. Ich spare mir bzw. euch an dieser Stelle eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung, denn davon gibt es bereits genügend im Netz. Daher hier nur eine Kurzfassung mit ein paar Bildern und der Hinweis, das Ganze ist kein Hexenwerk und weniger als 2 Stunden war die neue Batterie sicher unter dem Sitz verbaut. Spezielles Werkzeug wird hierfür übrigens auch nicht benötigt.

Wichtig: Bitte mach das System über den EBL aus Sicherheitsgründen komplett stromlos, schalte nicht die Zündung ein und achte beim Trennen der Batteriekabel auf die richtige Reihenfolge. Merke dir auch die Position vom Massekabel und vergiss weder dieses Kabel noch den gelben Stecker für den Gurtstraffer beim Einbau wieder zu verbinden. Arbeite einfach ruhig und ohne Zeitdruck im Nacken, dann klappt es wirklich einfach.

Sitz und Drehkonsole ausbauen

  1. Am Elektroblock (EBL) das System über den Batterie-Trennschalter stromlos machen.
  2. Die 6 Schrauben der Sitz-Schienen lösen.
  3. Sitz-Verkleidung durch das Lösen von ein paar kleinen Schrauben abnehmen.
  4. Das Massekabel lösen und sich die Position vom Kabelschuh merken (Foto machen).
  5. Kabel (gelber Stecker) vom Gurtstraffer trennen, welches durch die (hintere) Serviceklappe erreichbar ist. Sobald dieser Stecker gelöst wurde, darf man die Zündung nicht mehr einschalten, weil es sonst zu einer Fehlermeldung im Bordcomputer kommt, die nur durch eine Werkstatt behoben werden kann.
  6. Sitz anheben und auf einer Unterlage ablegen, welche vor Kratzern schützt.
  7. Die 6 Schrauben an der Oberseite der Drehkonsole lösen.
  8. Seitenverkleidung am Sitz-Sockel lösen.
  9. Zwei Muttern an der Unterseite der Drehkonsole lösen.
  10. Die Position vom anderen Ende des Massekabels (Punkt 4) beim Anheben der Drehkonsole merken.

Wechsel der Batterie

  1. Als Erstes wird das Minuskabel (Masse) an der Batterie abgeklemmt. Zur Sicherheit kann man es mit etwas Klebeband sichern, damit es nicht aus Versehen das Pluskabel berühren kann.
  2. Nachdem man auch das Pluskabel abgeklemmt hat, kann die Batterie aus der Konsole entnommen werden.
  3. Jetzt kann die neue LIONTRON Lithium eingesetzt werden.
  4. Beim Anschließen der Batterie in umgekehrter Reihenfolge vorgehen. Erst das Plus und dann das Minuskabel.
  5. Einen eventuellen Hohlraum kann man einfach mit Styropor, XPS, oder ähnlichem Material auffüllen.

Sitz und Drehkonsole einbauen

Hier muss lediglich in umgekehrter Reihenfolge gearbeitet werden. Dabei nicht vergessen, die beiden Kabel (Masse und Stecker für den Gurtstraffer) wieder richtig zu verbinden und erst danach die Stromversorgung am EBL einzuschalten und/oder die Zündung zu betätigen. Das war es auch schon gewesen und wir können das System über den Batterie-Trennschalter einschalten. Wenn möglich, sollte man die neue Batterie für mindestens 24 Stunden über Landstrom aufladen, bevor man die neue Autarkie abseits einer Außensteckdose genießt.

Batteriecomputer per Bluetooth

Neben der eigentlichen neuen Batterie mit mehr Kapazität und Lithiumtechnologie war uns auch eine zuverlässige Batteriestandsanzeige wichtig. Das von Globecar verbaute Panel, mit seinen vier winzige Lämpchen, zeigt einem im besten Fall die aktuell anliegende Batteriespannung an, mehr aber auch nicht.

Hier sollte also auch ein entsprechender Batteriecomputer nachgerüstet werden, welchen LIONTRON praktischerweise bereits in Form einer App mitbringt und die Verbindung wird über Bluetooth 4.0 aufbaut. Damit hat man alle wichtigen Batteriedaten stets auf Smartphone oder Tablet im Blick und sie zeigt unter anderem folgende Daten in Echtzeit an:

  • Batterie Ladezustand in % und Ah
  • Batteriespannung
  • Lade- / Entladestrom
  • Verbleibende Kapazität
  • Anzahl der Lade-/Entladezyklen
  • Zustand der einzelnen Zellen

Es kann zwar nur ein Smartphone oder Tablet (gleichzeitig) verbunden sein, aber sobald die Verbindung getrennt wurde, ist der Verbindungsaufbau für das andere Gerät innerhalb der Reichweite von locker über 10 Meter möglich. Für den eigentlichen Verbindungsaufbau muss auch kein Knopf (Pairing-Modus) oder Ähnliches an der Batterie gedrückt werden, was bauartbedingt ohnehin sehr schwierig werden würde. Weil über die App aber nur Informationen ausgelesen und man somit nichts an der Konfiguration usw. verändern kann, stellt das auch kein Sicherheitsrisiko dar.

Ansonsten macht die App einen soliden Eindruck. Aufgeräumtes und verständliches Design und man hat alle relevanten Informationen auf einen Blick. Wer übrigens mehrere LIONTRON Batterien verbaut hat, kann diese eindeutig an der Seriennummer unterscheiden, welche auf dem Gehäuse abzulesen ist. Auf eine in der Regel ohnehin sehr ungenaue Berechnung der Restlaufzeit, wie man es von Powerstations her kennt, hat LIONTRON bewusst verzichtet.

Eine Ladehistorie sucht man in der App ebenfalls vergebens und das ist aus meiner Sicht auch kein Problem, weil ich eine solche Information ohnehin nur bei Solarreglern (Thema Energiegewinnung) und nicht bei Batterien „benötige“. Alles in allem ist die App ein sehr umfangreiches und leicht zu bedienendes Tool.

Mein Fazit

Über die Vorteile einer Lithiumbatterie gegenüber AGM und Blei-Gel habe ich ja bereits zu Anfang berichtet. Auch wenn die Anschaffung Anfangs ein größeres Loch im Portemonnaie hinterlässt, so ist es aus meiner Sicht ganz klar eine Investition in die Zukunft. Die Lithiumbatterie steigert auch den Wert des eigentlichen Wohnmobils bei einem Verkauf und am Ende könnte man diese natürlich auch wieder ausbauen und mit ins neue Fahrzeug nehmen,

Der Wechsel der AGM gegen die der LIONTRON Lithiumbatterie für den Untersitz, war selbst mit dem dazu notwendigen Ausbau der Drehkonsole und des Beifahrersitzes ohne Probleme möglich. Am Ende konnten wir das eigentliche Gewicht der Batterie zwar nur um 3 Kilogramm reduzieren, dafür aber die maximal verfügbare Batteriekapazität mehr als vervierfachen. So können meine Schwiegereltern trotz neuer Dometic Kühlbox im Frostmodus jetzt mehrerer Tage autark stehen.

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