Mit dem Wohnmobil durchs Baltikum – Estland Teil 3

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 10 Minuten

Die zwei entspannten Tage direkt am Meer auf dem RMK-Platz auf der Insel Hiiumaa haben uns allen sehr gutgetan. Am Vormittag sind wir von hier aufgebrochen, um unsere Tour durch das Baltikum fortzusetzen. Nachdem wir uns wieder ganz vorsichtig und im Schneckentempo den kleinen Waldweg entlanggeschlängelt haben, ging es auf breiteren Wegen weiter zum nahegelegenen Leuchtturm Kõpu.

Der 36 Meter hohe Leuchtturm steht auf der mit 67 Metern höchsten Erhebung von Hiiumaa und das Leuchtfeuer strahlt dadurch auf 102,6 Metern über dem Meeresspiegel und ist eines der höchsten Leuchtfeuer in der Ostseeregion. Der Leuchtturm wurde nach ein paar Unterbrechungen im Jahre 1531 in Betrieb genommen und sein Licht kann bei guter Sicht bis zu 35 Seemeilen (64,8 km) Entfernung gesehen werden. Es leuchtet noch heute zuverlässig jede Nacht und er ist dadurch der weltweit drittälteste Leuchtturm, welcher heute noch in Betrieb ist und zugleich das Wahrzeichen von Hiiumaa.

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GPS-Koordinaten
58.915872, 22.199796
58°54.9523′N, 22°11.9878′E
58°54′57.1392″N, 22°11′59.2656″E

Auf der Insel Hiiumaa könnten wir noch einige Tage, oder auch Wochen verbringen. So schön sind allein die vielen kleinen Stellplätze und Strände an der Ostsee. Uns zieht es aber langsam weiter in den Süden, um hier auf ihre große Schwesterinsel Saaremaa überzusetzen. Auf dem Weg zum Anleger in Sõru, gibt es aber noch etwas zu entdecken.

Eine 100 Jahre alte Wollmanufaktur

In der Wollmanufaktur (Villavabrik) bei Vaemla wird noch heute vom Familienunternehmen Hiiu Vill mit den über 100 Jahre alten Maschinen arbeitet. Die ältesten der Maschinen sind bereits in den 1860er-Jahren in Polen gefertigt worden und wurden ursprünglich mit Dampf betriebenen. Aber auch die jetzigen Elektromotoren stammen noch aus der Sowjetzeit.

In der Wollfabrik kann man den vollständigen Verarbeitungsprozess der Wolle bestaunen. Als Erstes kommt der sogenannte “Wolf”, dessen Zähne die Wolle bauschig macht. Dann folgt der „Kamm“, welcher eine weiche Schicht herstellt und dann die Garnmaschine, welche die Wolle in Fäden aufteilt. Am Ende kommt noch die „Spinne“, welche einen Faden spinnt und dann die Zwirnmaschine, welche den Garn dick und gleichmäßig macht.

Sehr spannend das Ganze zu sehen und ein Besuch in der Wollfabrik auf Hiiumaa ist auf jeden Fall zu empfehlen. Im kleinen angrenzenden Shop kann man Kleidung und Wolle aus der Fabrik kaufen und auch wir sind über einen schönen und flauschigen Wollpullover von Hiiumaa reicher.

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GPS-Koordinaten
58.8315585, 22.8272688
58°49.8935′N, 22°49.6361′E
58°49′53.6106″N, 22°49′38.1677″E

Von der Fabrik aus sind wir auf die im Süden liegenden und immer schmaler werdende Landzunge Orjaku säär gefahren. Etwa drei Kilometer vor der Spitze befindet sich ein Parkplatz und von dort aus kann man gemütlich zum Ende der Landzunge spazieren.

Der direkt neben dem Parkplatz liegende RMR-Campingplatz ist für Wohnmobile zu schmal und so ziehen wir weiter in Richtung des Fähranlegers Sõru. Wenige Kilometer vorher machen wir noch an einem Badeplatz halt und erfrischen uns eine Runde in der Ostsee.

Fähre von Hiiumaa nach Saaremaa

Die kleine Fähre von Sõru (Hiiumaa) nach Triigi (Saaremaa) fährt in der kurzen Hauptsaison (siehe Fahrplan) 5 Mal täglich. Die Verfügbarkeit an freien Plätzen für Passagiere, Fahrräder und Fahrzeuge kann man online bei der Reederei prüfen und die Tickets auch direkt buchen. Wir haben jedoch gerade nicht nur Ferienzeit, sondern auch Wochenende und so waren alle Plätze bereits für einige Tage ausgebucht. Man kann aber immer ein Restkontingent für vier Fahrzeuge Vorort am Ticketautomaten ergattern.

Das Kontingent wird genau eine Stunde vor Abfahrt freigeschaltet und ist nur am Automaten im Hafenterminal in Sõru verfügbar. Wir wollten es spontan für die Fähre um 18:30 versuchen, waren aber erst um 18:37 am Automaten und es war wohl jemand schneller als wir und das Kontingent für den Tag war bereits weg.

Am Hafen kann man normalerweise auch übernachten, aber an diesem Wochenende fand dort ein großes Wohnmobil-Treffen statt und so suchten wir uns in unmittelbarer Umgebung ein deutlich ruhigeres Plätzchen für die Nacht. Hier verbrachten wir nur etwa 10 Minuten Fahrzeit entfernt den Abend auf einem Platz (wie immer) direkt am Meer. Am nächsten Morgen sind wir bereits um kurz vor sieben losgefahren. Um 07:10 wurde die Tür vom Terminal aufgeschlossen und auf die Minute genau wurden um 07:15 die Tickets freigeschaltet und wir konnten zuschlagen. Die Stunde Wartezeit nutzen wir für ein gemütliches Frühstück und konnten um 08:15 nach Saaremaa übersetzen.

Frischwasser in Estland tanken

Vom Anleger in Triigi sind wir zum kleinen Yachthafen nach ‎⁨Soela⁩ gefahren, um dort unsere Wasservorräte aufzufüllen. Das Leitungswasser in Estland kann man (wenn nicht anders ausgezeichnet) im Prinzip bedenkenlos trinken. Ich kann jedoch nur immer wieder dazu raten, entsprechende Vorfilter und den eigenen Schlauch beim Befüllen des Wassertanks zu verwenden. Selbst wenn man das Wasser aus dem Tank nicht zum Trinken, sondern nur zum Kochen, Duschen oder die Toilettenspülung nutzen möchte. Das empfiehlt sich auch in allen anderen Reiseländern, inkl. Deutschland.

Wir haben an mehrere Orten in Estland an dafür ausgezeichneten Stellen Trinkwasser getankt. An den folgenden Bilder kann man relativ gut erkennen, was im Tank, den Leitungen, im Warmwasserboiler usw. gelandet wäre, wenn wir keine Filter verwendet hätten. Die beiden am Ende des Schlauchs sitzenden Alb-Filter (Testbericht) sorgten sogar auch dafür, dass unser Wasser keinen unangenehmen Eigengeschmack mehr hatte, was ohne die Filter leider oftmals der Fall und es somit selbst als Tee oder Kaffee fast ungenießbar war.

Mustjala Mustard

Mit vollem Wassertank ging es von Soela aus weiter in Richtung Westküste. Hier hat sich kurz hinter Panga ein deutsches Paar 2007 ein kleines Anwesen gekauft und produziert dort seit 2009 unter der Marke „Mustjala Mustard“ sehr leckere hausgemachte Senfsorten, Chutneys und weitere Leckereien mit Zutaten von der Insel.

Die vielen verschiedenen Senfsorten kann man natürlich alle probieren, was die Auswahl nicht erleichtert. Alle verdammt lecker! Mein persönlichen Favoriten sind Blaubeere, Preiselbeere, Knoblauch und Honig. Man bekommt hier auch noch einiges zur Insel Saaremaa erzählt, was man auf jeden Fall alles hier besuchen sollte und auch was man getrost auslassen kann. Mit einigen neuen Senfsorten im Gepäck, ging unsere Reise weiter zu den nahegelegenen Steilküste Panga.

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GPS-Koordinaten
58.5637714, 22.3945457
58°33.8263′N, 22°23.6727′E
58°33′49.5770″N, 22°23′40.3645″E

Die Steilküste Panga Pank

Eine der ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten auf Saaremaa ist die 21 Meter hohen Steilküste Panga aus Kalkstein im Nordwesten der Insel. An der höchsten Stelle befindet sich auch eine ehemalige Kultstätte, wo in längst vergangenen Zeiten den Göttern Opfer dargeboten wurden.

Um die Steilküste am besten zu besichtigen, muss man sich an einem Seil über den Abhang nach unten hangeln und ein paar hundert Meter weiter, geht über eine „Art von Treppe“ ebenso abenteuerlich wieder nach oben.

Die Klippen selbst sind jetzt nicht wirklich spektakulär, aber der Weg dahin dann doch irgendwie schon und je nachdem wie die Sonne steht, kann man ein paar schöne Fotos machen.

Oberhalb der Steilküste befindet sich ein Militärpfad. Es gab zwar keinerlei aktive Kampfhandlungen auf der Steilküste von Panga und die zu besuchenden Anlagen wurden nur zu Verteidigungszwecken gebaut, weil es sich um ein Sperrgebiet (die Außengrenze der Sowjetunion) handelte. An einer Stelle stand damals ein riesiger Scheinwerfer, welcher die Seegrenze in der Ostsee beleuchtete. Am fast zwei Kilometer langen Pfad kann man sich an entsprechenden Tafeln über die Überbleibsel der verschiedenen militärischen Anlagen informieren.

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GPS-Koordinaten
58.569871, 22.290142
58°34.1923′N, 22°17.4085′E
58°34′11.5356″N, 22°17′24.5112″E

Der Leuchtturm Kiipsaare

Nicht weit von der Steilküste entfernt, an der äußersten Spitze der Halbinsel Harilaid auf der Insel Saaremaa, befindet sich der 1933 und 25 Meter hohe aus Stahlbeton gebaute Leuchtturm Kiipsaare. Ursprünglich wurde der Turm natürlich etwa 100 Meter vom Strand entfernt auf dem Festland erbaut, weil sich die Küstenlinie jedoch durch Erosionen verändert hat, steht er heute mehr als 50 Meter vom Ufer aus entfernt im Meer.

Ein wohl etwas unzureichendes Fundament im Sand hat dann auch noch dazu geführt, dass sich der Leuchtturm in den Neunzigerjahren bereits anfing zu neigen. Die Leuchttechnik wurde aus Sicherheitsgründen bereits 1992 entfernt und er galt lange Zeit auch als umsturzgefährdet. Jetzt ist er eine touristische Attraktion in Vilsandi, dem ältesten Nationalparks Estlands. Etwa 5 Kilometer vom Turm entfernt befindet sich ein Parkplatz, von wo aus die entspannte Tour zum Leuchtturm aus startet und wer möchte, kann hier auch (gegen Gebühr) Mountainbikes ausleihen.

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GPS-Koordinaten
58.494974, 21.842538
58°29.6984′N, 21°50.5523′E
58°29′41.9064″N, 21°50′33.1368″E

Wieder ein Traumplatz am Meer

Zurück am Camper sind wir dann weiter in den Süden von Saaremaa gefahren und haben uns einen Platz für die Nacht gesucht. Es ist auf Hiiumaa und auf Saaremaa nicht wirklich schwer, ein ruhiges Plätzchen zu finden, von wo aus man den Sonnenuntergang mit Meerblick genießen und den Tag ausklingen lassen kann.

Am nächsten Tag sollte es für uns dann von Saaremaa über die Insel Muhu wieder auf das estländische Festland und von dort aus langsam weiter in Richtung Lettland gehen.

Die Stationen unserer Reise

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