Skandinavien Winterreise 2022 – Teil 8

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 8 Minuten

In Gällivare hatte es in der Nacht über -30° Grad und am nächsten Morgen ließ sich die Abdeckhaube für die Frontscheibe auch nicht mehr falten. Sie war wie auch einige Klappen der Außenfächer festgefroren. Also erst haben wir sie in die Heckgarage zum Auftauen verstaut. Unser Sprinter startete heute mit einem seltsamen Geräusch unter eher nur unter Protest. Bei solchen Temperaturen ist das für uns immer wieder etwas aufregend und am Ende sehr erleichternd, wenn er dann anspringt und wir nicht festsitzen und auf Hilfe angewiesen sind.

Allerdings sage ich mir aber auch jedes Mal, was soll denn schon schiefgehen und die Menschen hier oben fahren doch dieselben Automarken wie wir, es wird also alles gutgehen. Nachdem der Motor etwas warmgelaufen war, ging es von nach Gällivare dann über die E45 durch eine wunderschöne Winterlandschaft in Richtung Polarkreis.

Die Stationen unserer Reise

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Die Sonne in schwedisch Lappland

Nach langer Zeit sahen wir mal wieder die Sonne, wenn auch nur für einen recht kurzen Zeitraum, aber sie tauchte die Landschaft in wunderschöne Farben. Dieses in Bildern einzufangen ist wirklich schwer und das Objektiv ist bei -24° recht schnell beschlagen bzw. in der Luft lag ein ganz feiner Pulverschnee.

Überquerung vom Polarkreis

Wir überquerten hinter der Stadt Jokkmokk das zweite Mal in unsrem Urlaub Polarkreis und waren weit und breit der einzige Camper am Arctic Circle, wo es im Sommer von anderen Campern in der Regel nur so wimmelt.

Bei Kåbdalis verließ uns gegen 14:30 die Sonne bereits wieder und die hier oben herrschende Dunkelheit setzte ein.

Auf den Campingplatz in Arvidsjaur

Ziel des Tages war der Campingplatz „Camp Gielas“ in Arvidsjaur. Den Platz kann man recht bequem online buchen, man sollte nur wissen, dass es nach der Buchungsbestätigung per E-Mail noch etwa 15 Minuten dauert, bis man eine weitere E-Mail und SMS mit einem vierstelligen Code für die Schranke bekommt. In der Nachricht steht auch die Nummer der zugewiesenen Parzelle.

Der Platz bietet alle Annehmlichkeiten und man sogar im Winter sein Grauwasser ablassen und über einen Schlauch aus der Küche beim Servicecenter den Frischwassertank wieder auffüllen. Am nächsten Morgen haben wir entleert, frisches Wasser aufgefüllt und sind dann weiter in Richtung Süden gefahren.

Zwischendurch mussten wir immer mal wieder anhalten und die schöne Landschaft auf uns wirken lassen, etwa bei der Überquerung vom Fluss Skellefteälven auf der 365. Über dem Fluss zog der Nebel auf und das Ganze war schon wunderschön anzusehen.

Am See Söråselsjön ist es auch im Winter schön

Wir sind von Arvidsjaur aus bis nach Åsele an einen Platz am See Söråselsjön gefahren. Den Platz kannten wir bereits aus unserem Sommerurlaub in Schweden 2020 und es ist immer wieder spannend, die schönen Plätze aus dem Sommer, auch im Winter zu sehen.

Zwischenstopp in Norrsundet

Vom Platz am Söråselsjön sind am Vormittag aufgebrochen und fuhren über vereiste Straßen vorbei an Sollefteå in Richtung Sundsvall, wo es sich auf der E4 deutlich besser fahren ließ. Im Ort Norrsundet kurz vor der Stadt Gävle bezogen wir am Jachthafen unser Nachtquartier. Hier es ist mit -1° Grad recht „warm“ und unser Camper taut langsam außen wieder etwas auf. Der schwedische Wetterdienst warnte auf seiner Webseite (smi.se) für Südschweden in den nächsten Tagen vor einem Schneesturm und bis zu 30 cm Neuschnee innerhalb von 24 Stunden. Wir sind gespannt, wie gut wir am nächsten Tag fahren können.

Am nächsten Morgen sah es in Norrsundet mit dem Wetter noch super aus, aber die Wetterkarte hatte sich auch nicht verändert. Die Kaltfront kommt von Westen und zieht im Laufe des Tages dann über Südschweden. Es hilft ja nichts, wir müssen nach Trelleborg zur Fähre, also Navi in die Hand und den Hafen als Ziel eingeben und los gehts.

Im Schneesturm hinter Stockholm

Bis Stockholm konnte man auf der E4 gut fahren, aber kurz danach fing es nicht nur an zu schneien, sondern es herrschte Seitenwind mit teilweise starken Böen. Das macht mit einer rollenden Schrankwand nicht so viel Spaß, aber so heftig wie vor einer Woche am Nordkapp, war es noch lange nicht. Die Reisegeschwindigkeit reduzierte sich halt auf etwa 80 km/h, aber wir haben ja noch bis morgen Abend Zeit, die Fähre in Trelleborg zu erreichen.

In Gränna sind wir kurz abgefahren und wir wollten uns eigentlich mit Zuckerstangen und weiteren Leckereien versorgen, aber es ist der 6. Januar und „Heilige drei Könige“ ist in Schweden ein Feiertag und somit hatten alle Geschäfte geschlossen. Wir fuhren daher ins nahegelegene Huskvarna, einem Ortsteil (tätort) der Stadt Jönköping in Småland auf einen Stellplatz direkt am Ufers des Vättern. Hier war es bereits mit bis zu 3° Grad deutlich wärmer und die Eisklumpen an und unter unserem Camper lösten sich.

Das Husqvarna Museum

Hier sitzt auch das Unternehmen Husqvarna, welches man unter anderem durch seine Motorsägen und Rasenmähroboter und einer der Tochterfirmen mit dem Namen Gardena her kennt. Nur wenige Minuten vom Stellplatz entfernt, befindet sich das Husqvarna-Museum, in welchem man 400 Jahre Industriegeschichte auf 2.400 Quadratmetern erleben kann. Die Geschichte des Unternehmens beginnt bereits im Jahre 1689 und in den folgenden Jahrhunderten, hatte Husqvarna mit unzähligen Produkten und Geschäftsbereichen zu tun.

Im Museum gibt es praktisch von allem etwas zu sehen, was die Firma in den letzten Jahrhunderten alles hergestellt hat und das ist eine Menge. Darunter befinden sich Waffen, Herde & Öfen, diverse Haushaltsgeräte, Nähmaschinen, Fahrräder, Mopeds, Motorräder, Motorsägen, Trimmer, Traktoren, Mähroboter und vieles mehr.

Nach dem Besuch im Museum fuhren wir die paar Kilometer zurück bis nach Gränna in einen der vielen Zuckerstangen-Läden namens Polkaprinsen. Zuckerstangen (Polkagris) sind eine Süßigkeit, welche typisch für Småland sind. Im hinteren Bereich des Laden befindet sich die Küche, in welcher die Süßigkeiten von Hand hergestellt werden und man durch eine Glasscheibe dem Bäcker bei seiner Arbeit zuschauen kann. Ein paar Tüten wechselten den Besitzer und wir machten uns von Gränna auf zu unserer letzte Station Trelleborg.

Mit fast 8° Grad plus war es hier auf der E4 uns schon fast zu warm, wenn man an die Temperaturen der letzten beiden Wochen zurückdenkt. Anstatt Schnee, viel Regen vom Himmel und langsam aber sicher wurde uns (leider) klar, auch dieser Urlaub endet jetzt. Wir fuhren bis nach Trelleborg, parkten den Camper in der Nähe des Hafens beim ICA Maxi, um noch ein Sachen einzukaufen und machten uns danach ein Abendessen.

Mit der Fähre in die Heimat

Wir hatten noch einiges an Zeit, bis die Fähre Akka der Rederei TT-Line, mit uns an Bord von Trelleborg nach Travemünde aufbrechen sollte. Diese nutzten wir u.a. für eine intensive Innenreinigung und packten unsere Sachen zusammen, welche wir mit in unsere 4-Bett-Kabine nehmen wollten. Es war ein wunderschöner Urlaub und trotz insgesamt 4400 gefahrenen Kilometern in nur 17 Tagen durch Finnland, Norwegen und Schweden haben wir sehr viel außerhalb des Campers erlebt.

Es gibt auch einen Artikel mit einer Zusammenfassung zu unserer Reise in die fantastische Winterlandschaft Skandinaviens. Er wird neben Eckdaten auch einige Tipps für eine solche Tour enthalten, welche aus diversen Rückfragen von Lesern in den vergangenen zwei Wochen über die unterschiedlichsten Kanäle entstanden sind.

Hier geht es zur Zusammenfassung unserer Reise
2 Kommentare
  1. wolfgang
    wolfgang sagte:

    Servus Marc,
    habe soeben Eure Skandinavienreise gelesen. Sind ab Anfang Februar 2023 ab München mit unserem 4×4 auf fast der gleichen Strecke unterwegs und freuen uns schon.
    Vielen Dank für die vielen Tipps
    Wolfgang

  2. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Servus Wolfgang,

    ich würde glatt mitkommen, Bock hätte ich auf jeden Fall :-)
    Schau auch mal in die Zusammenfassung der Reise (wenn nicht bereits geschehen) evtl. sind noch ein paar Informationen für euch dabei. Wenn sich noch Fragen ergeben sollten, dann immer her damit. Ich wünsche euch auf jeden Fall eine tolle Zeit. Es lohnt sich! Viele Grüße Marc

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