Mit dem Wohnmobil in den Schwarzwald – Teil 2

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 12 Minuten

Nachdem wir in der Nähe von Breisach am Rhein unsere Tanks wieder aufgefrischt hatten, ging es noch kurz zum örtlichen Supermarkt. Für die nächsten Tage wieder gut versorgt, sind wir ins nahegelegene Liliental gefahren und mussten leider festellen, dass es immer noch Funklöcher in Deutschland gibt. Wir hatten uns nämlich im Vorfeld noch nicht die passende Offlinekarte für unsere Lieblings-Wander-App Bergfex heruntergeladen. Also ging es erst einmal „wie früher“ anhand von Schildern und Wegweisern auf eine kleine Wanderung auf den Totenkopf am Kaiserstuhl. Erstes Ziel unsere Tour war der um 1900 erbaute Aussichtsturm auf dem Neulindenberg (557 m) und von dort aus über den Totenkopf wieder zurück nach Liliental zum Camper.

Etwa 2 Stunden waren wir unterwegs und nach so einem anstrengenden Tag im Freizeitpark, war das genau das richtige als Ausgleich. Unser Nachtlager wollten wir an der Stollenbacher Hütte auf 1092 Metern am Ende des Zastlertals aufschlagen. Ein perfekter Ausgangspunkt für die anstehende Wanderung auf den mit 1493 Meter höchsten Gipfel im Schwarzwald, den Feldberg.

Somit fuhren wir durch Freiburg im Breisgau nach Oberried, um uns dann am Ende des Zastlertals über eine enge Serpentinenstraße mit 17 % Steigung nach oben zu quälen. Dass eine solche Steigung für unseren V6 Sprinter mit seinen 190 PS kein Problem darstellen wird, war ich mir aufgrund der gesammelten Erfahrung hinauf zum Stegastein oberhalb vom Aurlandsfjord in Norwegen im letzten Winterurlaub klar.

Zumindest war das so unser Plan und nach den Ersten etwa 100 Metern dachte ich mir noch, ich könnte ja auch mal den zuschaltbaren Allradantrieb vom Sprinter aktivieren und mir die Getriebeuntersetzung noch als Joker behalten. Die Rechnung hatte ich leider nur ohne den aktuellen Tankinhalt gemacht. In dem Moment, wo ich auf unser Armaturenbrett schaute, erschien das Wort „Tankreserve„. Bei dem Verbrauch auf einer solchen Steigung und der Ungewissheit, was noch auf der Stecke auf uns lauert, wollten wir das Risiko nicht eingehen. Also bei der nächsten Ausweichbucht ein „kleines“ Wendemanöver und wieder hinab ins Tal zur nächsten Tankstelle. Im Gegensatz zu Norwegen sind Tankstellen in Deutschland ja nun wirklich nicht weit entfernt.

Mit genug Diesel im Tank und aktiviertem Allradantrieb konnte die Fahrt nach oben erneut beginnen. Einige Male musste ich wegen Gegenverkehr anhalten und war beim Anfahren auf der Steigung über genug PS unter der Haube schon ganz froh. Einen der Stopps haben wir aber freiwillig gewählt, denn im Tal lagen die dicken Wolken und wir befanden uns jetzt darüber. So stiegen wir an einer Haltebucht aus, machten diese Fotos und sangen auf den nächsten Metern nach oben den Klassiker „Über den Wolken“ von Reinhard Mey.

Oben im bereits zweiten Funkloch unserer Reise angekommen und damit meine ich nicht langsames Internet, also dieses Edge (E), sondern wirklich kein Netz. Nichts, aus, Feierabend, weder mit Vodafone, noch mit T-Mobile war hier auch nur ein einziger Balken zu sehen, was erst sehr ungewohnt, aber dann sehr entschleunigend wirkte.

Hier oben an der Stollenbacher Hütte kann man mit seinem Wohnmobil kostenlos übernachten. Eine freiwillige Spende in die Parkplatzkasse ist dabei natürlich selbstverständlich. Wer kann, der sollte hier jedoch etwas essen gehen, denn die regionale Küche ist ein Träumchen. Wir waren zwar knapp dran, denn in etwa 45 Minuten sollte die Hütte bereits schließen, aber der sehr sympathische Betreiber Frank Fünfgeld meinte nur, „Kommt rein und setzt euch, ich mache euch gerne noch etwas zu essen„. Super uriges Lokal und von der Tageskarte hatte Sonja die hausgemachten Spätzle in Käsesoße, ich den Hirschgulasch mit Spätzle und Rotkohl und die Kids hatten jeweils die ebenfalls hausgemachten Spätzle mit Rahmsoße. Fazit aller vier Reisenden „SUPER LECKER„.

Nach einem Plausch mit Betreiber Frank gab es für uns beide noch einen Blutwurz zum Abschluss und danach ging es ab in den Camper. Hier oben hört man nichts, außer die Kuhglocken und bei gutem Wetter kann man auch wunderbar die Sterne beobachten. Im Winter gibt es hier übrigens zwei Skilifte und wer ohne Camper unterwegs ist, kann hier oben auch in einem der Gästezimmer übernachten.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zum Feldberg. Als Erstes ging es auf den Berg Toter Mann auf 1321 Metern und von dort weiter über den Immisberg (1373 m) zum Feldberg auf 1493 Metern.

Der Feldberg zählt übrigens mit rund 1.700 Sonnenstunden im Jahr zu den sonnenreichsten Gebieten Mitteleuropas und das, obwohl es an 2 von 3 Tagen im Jahr Niederschläge gibt. Dass viel Sonne nicht zwangsläufig auch hohe Temperaturen bedeutet, zeigt die Jahresmitteltemperatur von nur +3,3 °C, welcher auch der von Norwegen entspricht.

Schnee kann hier noch bis August liegen und dies obwohl nur 30 Kilometer entfernt mit dem Kaiserstuhl eine der wärmsten Regionen Deutschlands liegt. Eine Windfeste Frisur, oder 3 Wetter Taft sollte man bei einem Besuch auf den Feldberg auch mitbringen, denn das ganze Jahr hindurch können hier schwere Orkane vorkommen. Wir mussten auch auf den letzten 500 Metern vor dem Gipfel noch die Daunen bzw. Regenjacken aus dem Rucksack holen und auch die Frisur ein paar mal richten.

In den Bergen (selbst auf „nur“ rund 1500 Metern) kann das Wetter immer schnell umschlagen und das sollte man niemals unterschätzen. Wind, Regen und Sonnenschein gaben sich im Minutentakt hier oben die Klinke in die Hand. In der Zwischenzeit hatte ich mir natürlich die Offlinekarten für den Schwarzwald in der App Bergfex heruntergeladen und so konnten wir für den Rückweg einen etwas anderen Weg wählen. Insgesamt 15 Kilometer und etliche Höhenmeter waren es am Ende und vor allem das gute Gefühl wieder einen Berg „geschafft“ zu haben.

Wieder am Camper angekommen, machten wir uns auf zu einem Stellplatz am Titisee. Genauer den Platz Stellplatz vor dem Campingplatz Bankenhof. Für den nächsten Tag war nahezu 100 % Regen angesagt und so war es am Ende auch. Daher verbrachten wir hier zwei Nächte und einen reinen Gammeltag. Auf dem Campingplatz Wäsche waschen, Fotos sichten, Basteln, Schreiben und einfach relaxen und am Ende des Tages gemeinsam eine leckere Gemüsesuppe kochen, hat auch etwas Schönes.

Auf dem Stellplatz kann die gesamte Infrastruktur des Campingplatzes nutzen, nur einen Stromanschluss sucht man hier vergebens. Für uns hat es mit 300 Ah Lithium natürlich gereicht, aber wer auf Landstrom angewiesen ist, der wird wohl auf den Campingplatz fahren und dort etwa höhere Preise zahlen müssen.

Am nächsten Morgen fuhren wir bei herrlichem Sonnenschein weiter zur Ravennaschlucht, einem schmalen und steilen Seitental des Höllentals, durch welches sich der wilde Bach Ravenna über viele Kaskaden und Wasserfälle seinen Weg bahnt. Die beiden größten sind der große Ravenna-Fall mit 16 und der kleine Ravenna-Fall mit 6 Metern Fallhöhe.

Am Eingang zur Ravennaschlucht steht eine um 1885 erbaute Brücke mit einem Bogenradius von 240 m. in 37 m Höhe über dem Ravennatal. Die Eisenfachwerkskonstruktion mit je 35 m Spannweite lagerte auf drei gemauerten Sandsteinpfeilern. Das Steigungsverhältnis betrug 1:20 auf 222 m Brückenlänge. Für die Überfahrt der Züge galt eine Beschränkung von 15 km/h. wobei die Achslasten auf 14 Tonnen begrenzt waren.

Die Wanderung durch die Ravennaschlucht ist insgesamt sehr angenehm zu laufen und jetzt im Herbst besonders schön. Lediglich festes Schuhwerk sollte man hier mitbringen.

Auf der Wanderung durch die Schlucht, kommt man auch an der Großjockenmühle aus dem Jahr 1883 vorbei. Sie war einst eine Hofmühle des Großjockenhof Breitnau oberhalb der Ravennaschlucht. Die Mühle hatte eine Drahtseiltransmission zum Hof und bemerkenswert ist auch die Wasserzufuhr durch das Dach.

Am Ende der Schlucht wählen wir nicht den gleichen Rückweg, sondern wanderten über den Piketfelsen, von wo man einen schönen Blick nach Breitnau hat. Passend zur vollen Stunde erreichten wir die große Kuckucksuhr am Anfang des Tals. Im Restaurant „Zur Steige“ gönnten wir uns noch eine Schwarzwälder Kirschtorte, bevor unsere Reise zum 1283 Meter hohen Berg Schauinsland weiterging.

Vom dortigen Parkplatz ist es nicht mehr weit bis zum Gipfel, von welchem aus man eine hervorragende Aussicht bis zu den Vogesen in Frankreich, der Hornisgrinde und sogar bis in die Alpen hat. Der Aussichtsturm ist bis auf Weiteres leider geschlossen, aber auch von „unten“ hat man bei gutem Wetter einen wunderschönen Blick.

Nach einem kleinen Rundgang um den Gipfel ging es auf den ruhigen Wanderparkplatz Ratschert auf dem 1018 Meter hohen Todtnauberg. Hier verbrachten wir mit ein paar anderen Campern eine angenehm ruhige Nacht. Für den nächsten Tag haben wir uns noch eine passende Route mit knapp 12 Kilometern in der App Bergfex zusammengestellt.

Wir starten am nächsten Vormittag in Richtung Stübenwasen (1389 m) und kommen unter anderem am überdimensionierten Hochstuhl, dem Vogelhäuschen und der Wasserfallquelle vorbei. Weiter geht es dann hinauf zu der mit 44 Metern wohl größten Baumliege der Welt, von welcher sich der großartige Panoramablick ins Tal genießen lässt. Von dort aus gehts am Bergsee vorbei nur noch Bergab bis zum Todtnauer Wasserfall.

Der sagenhafte Todtnauer Wasserfall hat viele Namen und manche kennen ihn als Todtnauberger Wasserfall, andere als Hangloch-Wasserfall, manche sagen auch nur Todtnau Wasserfall. Mit einer Fallhöhe von insgesamt 97 Metern gehört er zu Deutschlands höchsten Wasserfällen.

Eine besondere Schönheit gewinnt der Todtnauer Wasserfall aber vor allem durch seine fünf Fallstufen, an denen sich das Wasser immer wieder bricht. Man fühlt sich hier ein wenig wie in Bruchtal dem Reich der Elben aus Herr der Ringe.

Nach einer kleinen Pause am Fuße des Wasserfalls mussten wir leider den gesamten Weg wieder hinaufsteigen und von dort aus dann noch weiter bis zum Wanderparkplatz wandern. Das war etwas ungewohnt, weil wir meistens am Fuße eines Berges starten und nach dem Abstieg wieder am Camper sind. Diesmal ging es nach oben, wieder runter und dann auch wieder nach oben.

Wenige Minuten nach dem wir gut erschöpft den Camper erreichten, fing es (noch leicht) an zu regnen. Zum Abendessen gab es Seelachs aus Norwegen und eine Gemüsepfanne vom Grill. Kurz nachdem der Grill abgebaut und unsere Bäuche gefüllt waren, begann es deutlich stärker an zu regnen und auch zu stürmen. Perfektes Timing, könnte man sagen. Auf dem Platz waren wir übrigens jetzt vollkommen alleine. Wir schmiedeten noch Pläne für die nächsten Tage und vielen zufrieden ins warme Bett.

Weiter geht es im nächsten Teil der Reise
2 Kommentare
  1. Antje Kreidler
    Antje Kreidler sagte:

    Im Liliental mit Einkehr im Cafe waren wir auch erst Anfang Oktober. Aber mit dem Rad und dann auch über den Totenkopf nach Niederrottweil. Tolle Gegend.
    Viele Grüße von einer ehemaligen Oldenburgerin aus dem Nordschwarzwald/Freudenstadt nach Oldenburg

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