Der Ton in den sozialen Medien wird immer rauer

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 2 Minuten

Natürlich verlasse auch ich regelmäßig mein kleines, behütetes Blogdomiziel und schaue mich in den sozialen Medien um. Es interessiert mich zum Beispiel, über welchen Themen etwa in diversen (Facebook) Gruppen, unter YouTube Videos und in Foren gerade so zum Stichwort Camping diskutiert wird. Seit einigen Monaten beunruhigt mich jedoch das unmögliche Verhalten von einer immer weiter ansteigenden Anzahl der dortigen Mitglieder zunehmend. Diskutieren kann man das dort leider nämlich wirklich nicht mehr nennen.

Je größer die Mitgliederanzahl einer Gruppe ist, je mehr Kommentare werden in der Regel abgegeben. Die Anzahl der notwendigen Admins bzw. Moderatoren, welche Kommentare prüfen, Mitglieder in die Schranken weisen und evtl. sogar sperren müssen, steht aber oftmals nicht im Verhältnis zur Mitgliederanzahl. Aus einem „einfachen“ Beitrag kann sich rasant eine hitzige Unterhaltung entwickeln, bei der nicht nur teilweise das eigentliche Thema verlassen wird, sondern jegliche „Regeln“ im Umgang mit anderen Menschen missachtet werden. Was ist nur los und wie konnte es nur so weit kommen?

Natürlich gab es schon vor Jahren unfreundliche, oder beleidigende Kommentare im Netz. Das trifft speziell auf die sozialen Medien zu, wobei das Wort „sozial“ hier irgendwie immer weniger passt und es könnte öfter auch in den „asozialen“ Medien heißen. Besonders in den letzten 12 Monaten nehme ich persönlich wahr, dass die Tonart immer rauer wird und die Hemmschwelle gleichzeitig sinkt, etwa sich hinter einem Pseudonym zu verstecken.

Während früher noch „Spasti63“, „Meckerkopf23“ oder ähnliche Pseudonyme den rauen Ton angaben, wird heute munter mit dem Klarnamen und dem echten Profil gestänkert und beleidigt, was das Zeug hält. Wenn in FB-Gruppen, wie etwa Camper für Camper jemand z.B. sein Fahrzeug zum Verkauf anbietet, dann geht hier die Post ab.

Auch haben es Anfänger mit Ihren Fragen nicht immer leicht, besonders wenn Sie die wirklich miserable Suchfunktion von Facebook oder manchen Foren nicht verwendet haben. Eine einfache Frage kann sich hier plötzlich zu einer Art von Grundsatzdiskussion (auch zu einem ganz anderen Thema) entwickeln und dabei fallen teilweise jegliche Benimmregeln. Solchen Menschen möchte ich auf keinem Stell oder Campingplatz, oder sonst wo in der realen Welt begegnen.

Auf den Reisen in den letzten Monaten ist mir zwar auch ein etwas reservierter Umgang miteinander aufgefallen, aber der ist nicht so deutlich und vor allem unfreundlich wie im Netz. Was stimmt denn da teilweise mit denen nicht? Warum muss denn aus einer Mücke direkt eine ganze Elefantenherde gemacht werden? Kann man denn nicht wenigstens ein bisschen Anstand und Würde auch im Netz behalten?

Da lobe ich mir jedes Mal EUCH! Meine lieben Leser. Auch wenn wir nicht bei jedem Thema einer Meinung sind und auch nicht sein müssen, etwa bei der Treckentrenntoilette, so herrscht hier immer ein freundlicher Ton. In den letzten fast sieben Jahren seit Bestehen dieses Blogs und bei über 3,5 Millionen Aufrufen, musste ich nicht einen einzigen Besucher für seinen Kommentar zurechtweisen, oder diesen gar löschen. Dafür ein großes Dankeschön von mir an EUCH.

5 Kommentare
  1. Bernd
    Bernd sagte:

    Ich bin in drei Foren unterwegs und erlebe vor allem Männer die wohl statt am Stammtisch mit Bier jetzt in Womoforen ihre Weisheit zum besten geben und Klassenkeile sind ganz beliebt wenn mal wieder ein Opfer virtuell um die Ecke kommt – gemeinsam fühlt man sich stärker.

    Wie am Stammtisch geht es darum – Recht zu haben – leider und seine Weltsicht zur allein gültigen zu erheben.

    Aber wen wundert es – ist es nicht ein ganz massiver Trend in allen Medien der da läuft dank der „wokeness“?

    Das Essen, die Sprache, wie man lebt – es gibt klare Regeln was gut ist und was schlecht und wer sich nicht dran hält der ist soll sich ja schämen.

    Das Vielfalt gut ist und das man Dinge tolerieren kann – auch wenn man nicht diesen Lebenstil oder diese Meinung hat das ist aus der Mode.

    Schubladen sind ganz groß in Mode – und wer vermeintlich in einer anderen ist den meidet man am besten – dabei ist der Mensch dahinter meistens ein ganz Netter bei all seinen Macken – die man vermeintlich sieht.

    Bei vielen Wohnmobilisten hab ich den Eindruck es geht nicht ums campen sondern zu Hause war kein Platz für die Modelleisenbahn also wird am Wohnmobil gebastelt ,-)

    Beste Gruesse Bernd

  2. Michael
    Michael sagte:

    Hi, ja, teilweise kann ich dir/euch nur Recht geben. Aber es hängt immer an den Admins. Wir haben z.B. eine Gruppe von knapp 1.200 Mitgliedern und wir haben ganze 2 Admins, wobei ich die Hauptarbeit mache. Ich selektiere schon bei der Anmeldung durch intensives Begutachten des FB Accounts. Und wenn ein post gegen unsere Regeln verstößt, wird er sofort gelöscht, meist schon, bevor sich ein Mitglied beschwert. Bei Wiederholung wird das Mitglied aus der Gruppe entfernt und blockiert. Klingt hart, ist es auch. Aber wir haben dadurch eigentlich keine Entgleisungen in der Gruppe.

  3. Tobias Kamp
    Tobias Kamp sagte:

    Ich habe unteranderem aus diesem Grund schon gar kein FB mehr und bin nur noch vereinzelt in Foren unterwegs.
    Es ist unglaublich was man da erlebt und ließt. Auf normale Fragen, wir mit größtmöglicher Dummheit geantwortet.

    Wenn ich ein Problem geschildert habe – kommen keine Lösungsansätze oder von mir aus auch ein „keine Ahnung“, nein es wird gefragt ob man das den wirklich braucht, man würde das für unnötig erachten – war das meine Frage, nein :-D – na ja – es gibt aber auch andere Wege an Informationen zukommen.

    Ich denke wir hätten hier alle genügend Beispiele, wie es NICHT laufen sollte.

    @Michel: ich kann mir kaum vorstellen, wie ihr das meistern könnt – zu zweit. Das ist schon eine Mammut-Aufgabe.

  4. pascal
    pascal sagte:

    Hallo Marc,
    genau das gleiche denke ich auch jedesmal wenn ich mir bei Facebook manche Gruppenposts ansehe. Ich habe das Gefühl, dass es bei Instagram noch etwas gesitteter zugeht. Es zählt nur noch die eigene Meinung und die, und auch nur die, ist die einzigst richtige.

    VG Pascal

  5. Bernd
    Bernd sagte:

    Ich hab mich von IG lange verabschiedet – die ständigen gegrinsten Selfies meiner Bekannten gingen mir schlicht auf den Sack und waren mir die Zeit nicht wert.

    Bei meinen Fotos – ich fotografiere Models – mußte ich die Nippels abdecken das war wichtig – Haßposts dagegen gehen wohl problemlos durch.

    Was vernünftiges war da selten drin – außer guck mal da bin ich gerade ätsch – du nicht – das ess ich gerade.
    FB hatte ich noch nie das Geschäftsmodell mach dich online nackig ist nichts für mich.

    Leider muß ich geschäftlich immer noch WhatsApp nutzen aber viele sind bereits bei Signal mal sehen wie social media in 10 Jahren aussieht.

    Noch hab ich Hoffnung wenn auch wenig.

    Beste Gruesse Bernd

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