Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste – Teil 2

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 14 Minuten

Vom Stellplatz in Lampaul-Plouarzel ging unsere Reise zum Roc’h Ruz, dem mit 385 Metern höchsten Berg (als Norddeutscher darf man dazu Berg sagen) der Bretagne. Leider war die Straße auf den letzten Kilometern gesperrt, denn hier hatte es gebrannt und der Berg war nicht erreichbar und es qualmte an einigen Stellen immer noch vor sich hin. Somit ging es nur kurz auf den nahegelegenen Roc’h Trévezel, welcher mit 384 Metern die zweithöchste Erhebung der Bretagne ist. Er gehört wie der nur ein Meter höhere Roc’h Ruz zum Höhenzug der Monts d’Arrée.

Von der höchsten Stelle in der Bretagne sind wir zu den Steinreihen von Carnac gefahren. Die einzelnen 0,5 bis 4,0 m hohen Megalithen stehen dort seit über 6000 Jahren und insgesamt sind es an die 3000 solcher Steine, die in absteigender Reihenfolge auf einer Länge von 4 Kilometern platziert sind. Einer Legende vom Heiligen Cornelius nach handelt es sich um versteinerte römische Legionäre. Sie spielten wahrscheinlich aber eher eine Rolle als Kultstätte und hatten eine religiöse Bedeutung, jedoch genaues weiß man leider wohl auch nicht.

Nach dem Abstecher zu den Steinreihen sind wir nach Pointe du Conguel fahren, dem Ende einer Landzunge am Golf von Morbihan. Hier war aber bei bestem Wetter und dabei noch an einem Sonntag, absolut kein freier Platz mehr zu bekommen. Die normalen Parkplätze haben alle eine Höhenbegrenzung auf 2,10 Metern und die Stell- und Campingplätze waren bereits bis auf den letzten Platz belegt.

Das Suchen, die vielen Kreisverkehre, 30er-Zonen und die verstopften Straßen, kosteten uns leider sehr viel Zeit und Nerven. Wir haben irgendwann in einem kleinen Parkstreifen gehalten und die Ladys konnten sich im Meer etwas abkühlen. Hier konnten wir aber leider nicht bleiben und sind dann zu später Stunde in der Nähe von Arradon gelandet und haben dort in einem Industriegebiet die Nacht verbracht. Nicht schön, aber was soll man machen.

Am nächsten Tag wollten wir es auf der Insel Noirmoutier versuchen, aber leider war es dort ebenfalls sehr voll. Die Fahrt ging an Salzgärten vorbei, welche über Jahrhunderte von Menschenhand geformt wurden. Hier bieten einem diverse Salzbauern nicht nur ihre Produkte an, sondern man kann auch beim Salzgewinnen zusehen. Natürlich haben wir hier kurz haltgemacht, uns eine Saline angeschaut und etwa Salz (Sel) gekauft. Deutliche größere Salzgärten findet man an der Küste etwas höher bei Guérande, aber diese waren auch schon sehr interessant.

Von den Salzgärten aus, ging es dann weiter zur Passage du Gois, welche aber bedauerlicherweise gerade unter dem Wasser lag und erst am Abend wieder befahrbar gewesen wäre. Die Passage du Gois ist eine 4,2 km lange Straße, welche die Insel Noirmoutier mit dem Festland verbindet, aber nur bei Ebbe befahrbar ist.

Wir wählten daher die Brücke, um nach Noirmoutier zu gelangen und dort ging unsere erfolglose Suche nach einem freien Stellplatz weiter. Den Camper parkten wir zwischenzeitlich erneut einfach mal am Straßenrand und gingen eine Runde an den Strand und kühlten uns im Atlantik ab. Wir versuchten es noch bei ein paar Campingplätzen, aber leider alles ohne Erfolg und so beschlossen wir die Gegend meiden und unser Glück im Landesinnere zu versuchen.

Fündig wurden wir dann über der Betreiber Camping-Car Park, welcher in Frankreich fast 400 Stellplätze betreibt. Über eine Webseite, oder noch besser über die passende App, kann man nicht nur nach Stellplätzen suchen, sondern vor allem deren Auslastung in Echtzeit einsehen. Es besteht auch die Möglichkeit, Plätze online zu reservieren und wir suchten uns einen Platz in La Flèche aus, welcher direkt an einem See liegt.

Dort angekommen, haben wir am Automaten die Mitgliedskarte (einmalig 5 Euro) erworben und direkt 15 Euro auf diese eingezahlt. Die Schranke öffnet man dann über die Karte und bei der Ausfahrt, wir der angefallene Betrag, vom vorher eingezahlten Guthaben abgezogen. Sehr entspannt, wie auch die Nacht auf dem eigentlichen Platz am See. Über das System habe ich separat berichtet und kann es für den Urlaub in Frankreich auf jeden Fall empfehlen.

Am nächsten Morgen sind wir nach dem Einkaufen ein kurzes Stück weiter auf einen Platz in Mansigné gefahren, welcher ebenfalls direkt an einem See liegt. Hierfür konnten wir die Reservierungsfunktion von Camping-Car Park direkt mal nutzen. Am See liegt auch ein Campingplatz und der Strand war recht somit recht gut besucht, aber vom Camper waren es nur wenige Meter bis zum Wasser und so konnten wir uns immer wieder nach dem Abkühlen etwas zurückziehen.

Wir nutzten hier auch die Gelegenheit, unser aufblasbares 4er-Kajak auszuprobieren und ein paar Runden auf dem See zu drehen. Hat alles wunderbar geklappt und der Aufbau ist auch in unter 10 Minuten erledigt. Lediglich der Abbau und die notwendige Trocknung dauert ein wenig länger, aber wir haben ja Zeit.

Die Klänge der Animation schallten jedoch bis spät in die Nacht bis zu unserem Camper und somit war nach einer weiteren Nacht hier für uns Schluss. Wir wollten bzw. mussten ein paar Kleidungsstücke waschen, was in Frankreich auch unterwegs mit passenden Waschautomaten (Laverie) für 4 bis 5 Euro einfach zu erledigen ist. Diese stehen oftmals praktischerweise in der direkten Nähe von großen Supermärkten und so konnten wir die Waschzeit von 30 Minuten, mit dem Auffüllen unserer Vorräte perfekt verbinden. Alles in einem Abschwasch sozusagen.

Wir wählten als Tagesziel einen Platz am See Lac de Saint-Cyr im Departement Vienne, aber dort angekommen war es durch die Hitze für uns nicht auszuhalten. Ganze 39° Grad zeigte das Thermometer und die Luft war zum Schneiden dick und es wehte kein einziges Lüftchen und es gab auch außer unserer Markise weit und breit kein schattiges Plätzchen. Es fühlte sich daher wie ein Pinien-Dauer-Aufguss an.

Bei solch hohen Temperaturen war das Landesinnere leider eine ganz doofe Idee und wir wussten sofort, warum wir uns die Atlantikküste für diese Jahreszeit ausgesucht hatten. Der Aufbau unseres Campers verfügt über keine Klimaanlage, weil wir bis jetzt im Hochsommer nicht in den heißen Süden gefahren sind. Unsere drei Ventilatoren (Testbericht) und das Fiamma Turbo Vent Heki drehten zwar zu Höchstleistungen auf, aber die Luft kälter machen, können sie auch nicht. Sollten wir in der Zukunft im Sommer erneut in den Süden reisen, muss vorher mindestens eine 12V Klimaanlage nachgerüstet werden.

Also hat der Familienrat getagt und kam zu dem Entschluss, dass wir uns jetzt lieber erneut ein paar, oder auch mehr Stunden ins Auto setzen und wieder in den Norden an die Küste fahren, als uns hier weiter zu quälen. An eine angenehme Nachruhe war bei den Temperaturen einfach nicht zu denken. Auf der Fahrt sahen wir immer wieder kleine Waldbrände und unsere ursprüngliche geplante Reise zur Dune du Pilat, war wegen der dortigen Waldbrände ohnehin gestrichen, also auf in den Norden der Bretagne.

In unserer ersten Woche standen wir auf einem Platz in Lampaul-Plouarzel direkt am Meer. Dort gibt es auch einen etwas schwerer zu befahrenden Bereich, auf den sich nicht jeder Camper mit seinem Gefährt begeben kann, ohne aufzusetzen oder steckenzubleiben. Auch ist dieser so schräg, dass man mit Auffahrkeilen nicht wirklich etwas ausgleichen kann. Alles gute Voraussetzungen, dass dort für uns ein freies Plätzchen verfügbar ist. Etwas mehr Bodenfreiheit, Allrad und Hubstützen, müssen sich ja am Ende auch mal auszahlen.

So war es auch und als wir am späten Abend dort ankamen, war in erster Reihe noch Platz und wir konnten noch den herrlichen Sonnenuntergang über dem Meer und den roten Mond über dem Stellplatz bei einem Glas Wein genießen.

Den Platz hatten wir direkt für 3 Tage (mehr geht auf einen Schlag nicht) bezahlt und wollten es hier nach der ganzen Gurkerrei gut gehen lassen. Am nächsten Morgen um 07:00 Uhr wurden wir durch Motorengeräusche geweckt. Genauer durch das Geräusch von durchdrehenden Reifen. Ein Nachbar stand auf dem besagten Streifen und wollte diesen in aller Frühe verlassen. Bei sehr sandigem Boden, Frontantrieb und wie ich später sehen konnte abgefahrenen Sommerreifen, gar nicht so leicht. Er ist auf dem ca. 30 cm hohen Versatz steckengeblieben und hat sich mit seinen Vorderrädern immer tiefer in den Sand eingegraben. Ohne Hilfe kommt der hier nur schwer wieder raus.

Unsere Sandbleche hatte ich nicht dabei, aber die beiden Gripmatten (Testbericht) sind seit Jahren fester Bestandteil unserer Ausstattung. Also etwas anziehen, kurz die Zähne putzen und die beiden Matten, und Aluminiumschaufel (Testbericht) aus der Heckgarage holen und dem netten Herrn unter die Arme bzw. Räder greifen. Nach wenigen Minuten war alles erledigt und der Camper hatte wieder festen Boden unter seinen Rädern. Er konnte weiterfahren und ich noch ein wenig weiterschlafen.

Hier am Meer waren es zwar auch noch 35° Grad, aber eine durchgehende Brise vom Meer aus, ließ es sich deutlich besser ertragen. Wir schnappten und zwischendurch unser Kajak und fuhren ein wenig an der Küste entlang. Hier kann man es sich wirklich gut gehen lassen. Abends kommt hier ein Wagen auf den Platz, bei dem man Pizza bestellen kann und zwei Restaurants sind auch in Sichtweite. Bis zur nächsten Bäckerei und dem kleinen Supermarkt, sind auch nur 1 bis 1,5 Kilometer und somit ist frisches Baguette am Morgen auch gesichert.

Wir verlängerten unseren Aufenthalt noch um eine weitere Nacht und das war auch gut so, sonst hätten wir etwas verpasst. Am Sonntag fand hier nämlich die sehr lustige Veranstaltung Rad’O Roulants in direkter Nähe vom Stellplatz statt. Hierbei handelt es sich um einen Wettbewerb, von selbstgebauten und nicht motorisierten Objekten, welche hauptsächlich aus Abfallmaterialien gefertigt werden.

Ein Rad’O muss sowohl an Land als auch auf See nur mit der Kraft oder dem Einfallsreichtum seiner Besatzung gesteuert und bewegt werden: Wind, Muskeln, Paddel, Füße, Hände usw. sind hierbei erlaubt. Nachdem sie auf der Straße in einem Rennen gegeneinander angetreten sind, geht es aufs Wasser. Dabei gilt es, den Hafen von Lampaul Plouarzel zu überqueren und dabei eine passende Show zu bieten. Wir schnappten uns unser Kajak, ein bisschen Verpflegung und schauten uns dieses Spektakel von nächster Nähe aus an.

Auch wenn das ein oder andere auf der Strecke gekentert ist, so haben es am Ende alle Teilnehmer mehr oder weniger geschafft, das andere Ufer zu erreichen. Nicht nur die „Boote“ waren aufwendig dekoriert, sondern die Teilnehmer auch passend verkleidet. Wirklich toll gemacht und es hat uns sehr gut gefallen. Am Abend wurde das Spektakel in der direkt an den Stellplatz grenzenden Halle noch bis in die Nacht gebürtig gefeiert. Dennoch haben wir gut geschlafen.

So langsam müssen wir in Richtung Paris aufbrechen und sind daher von Lampaul-Plouarzel in Richtung Trévou-Tréguignec gefahren. Dort haben wir uns am Morgen einen der noch wenigen freien Plätze auf dem Stellplatz über Camping-Car Park reserviert. Auf dem Weg machen wir einen Abstecher in den Parc naturel régional d’Armorique im Département Finistère. Genauer im Ort Huelgoat und den dortigen Wald (Forêt de Huelgoat).

Zahlreiche keltische Legenden und Mythen ranken sich um diesen Wald und um das Chaos rocheux, einer chaotischen Anordnung von großen Felsen. Wir starten unsere Tour am ältesten Gebäude von Huelgoat aus dem Jahre 1339, der Mühle Moulin du Chaos, welche durch den Fluss Rivière d’Argent angetrieben wurde.

Direkt hinter der Mühle befindet sich das Felsenmeer Chaos rocheux, welches sich vom See über die Schlucht hinweg entlang des Bachs Rivière d’Argent durch den Wald von Huelgoat zieht. Die Felsen sind aus flüssigem Gestein entstanden, welches bis an die Erdkruste wanderte und einige davon rollten dann die Hänge hinab und stapelten sich zu den heutigen Formationen. Man kann auch in die Grotte du Diable hinabsteigen, dort bewacht angeblich der Teufel einen sagenhaften Schatz. Festes Schuhwerk und eine Taschenlampe sind zu empfehlen.

Weiter geht es dann zur Grotte d’Artus, welche dem bretonischen König Artus als Schlafplatz gedient haben soll. Im Lager Camp d’Artus, einem eingezäunten Hügel, soll der berühmte Schatz von Zauberer Merlin liegen. Unsere Wanderung endete dann am 137 Tonnen schweren Felsen Roche tremblante. Dieser besitzt zwei unscheinbar aussehende Dellen an der unteren Seite und durch kräftiges drücken an diesen Dellen, soll es möglich sein, dass der riesige Granitblock erzittert und wackelt. Geschafft haben wir das aber nicht, sind so ist das halt mit Legenden und Mythen.

Die Fahrt ging dann für uns weiter nach Trévou-Tréguignec und auf dem Weg, sahen wir wieder einen dieser Pizza-Automaten. In 3 Minuten soll aus so einem Automaten eine „frische“ Pizza herauskommen. Das mussten wir einfach mal ausprobieren und so bestellten wir uns eine. Pizza auswählen, evtl. verfeinern, mit Karte bezahlen, 3 Minuten warten, fertig. Was sollen wir sagen, sie hat geschmeckt und das sogar wirklich gut.

Gestärkt von der Pizza, fuhren wir weiter an die Steinküste von Plougrescant. Hier sieht es mit den zerklüfteten Granitfelsen ein kleines bisschen wie an der Küste Norwegens aus und wir haben des Rauschen der Wellen und die schöne Aussicht genossen.

Ein besonderes Highlight ist sicherlich La Maison du Gouffre, das Haus zwischen den Felsen. Das Haus wurde mit dem Rücken geschützt zum Meer gebaut und die beiden dicken Felsen schützen es seitlich.

Von der Küste fuhren wir dann auf den Stellplatz nach Trévou-Tréguignec, welcher in direkter Nähe zum Strand liegt und Dank Reservierung war auf dem ansonsten ausgebuchten Platz, für uns noch eine Parzelle frei. Wir gingen dann noch eine Runde am Meer spazieren und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang.

Hier seht ihr eine grobe Übersicht der Stationen des ersten Teils unserer Reise. Bildquelle Google Maps

Weiter geht es (bald) im nächsten Teil der Reise…..
5 Kommentare
  1. Roland D
    Roland D sagte:

    schöner Reisebericht und Bilder !
    Wäre cool wenn Ihr einen Routenplan/Karte mal zeigen würdet wo ihr überall gewesen seid, ggf mit den Stellplatz links etc. :)

  2. Heike
    Heike sagte:

    Ja, toller Bericht und auch ich wäre froh für eine Kartenansicht, um die Orte und Strecken nachvollziehen zu können. Danke

  3. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Heike, im letzten Teil werde ich eine Karte mit einbauen, auf der einige unserer Stationen nachzuvollziehen sind. Viele Grüße Marc

  4. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Roland, eine Karte mit den Stationen füge ich im letzten Artikel ein. Stellplätze verlinke ich recht selten, weil die sich immer wieder ändern. Welche schließen, andere hinzukommen usw. hier empfehle ich die gängigen Apps zu verwenden, um nach Stellplätzen zu suchen. Viele Grüße Marc

  5. Joachim
    Joachim sagte:

    Hallo Marc,
    wunderschöne Bilder – Erinnerungen werden geweckt. Ich war auf dem Campinplatz de Beg Ar Vilin
    https://g.page/camping-de-beg-ar-vilin?share
    nur 5 KM vom Maison d. G. entfernt und hab bei der Radtour dorthin geflucht, weil es nur rauf und runter ging – gefühlt aber nur rauf :-)

    Und dass es dir gelungen ist das MdG OHNE ein davor geparktes Auto abzulichten … Chapeau!
    Madame soll in der Beziehung etwas eigen sein, wenn man Bilder ihres Anwesens macht.

    VG
    Joachim

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