Was bedeutet das Verbot von Verbrennern ab 2035 für Wohnmobile?

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 4 Minuten

Das EU-Parlament hat für ein Verkaufsverbot bzw. ein Verbot von Neuzulassungen für PKW und Kleintransportern mit Verbrennungsmotoren ab dem Jahre 2035 gestimmt. Aber erst mal keine Panik, denn das sind ja noch 13 Jahre und in der Zeit wird (hoffentlich) noch einiges an technischer Entwicklung und weiteren notwendigen Änderungen passieren. Dass die EU den CO₂ Ausstoß für Personenkraftwagen und leichte Nutzfahrzeuge drastisch reduzieren möchte, ist ja grundsätzlich ein ehrenwertes Ziel. Für den PKW sehe ich nicht einmal das große Problem, auf Übergangstechnologien wie den Elektroantrieb umzusteigen, aber anders sieht es (Stand heute) bei Reisemobilen aus.

In Deutschland haben wir mit unserer ermüdenden Bürokratie und dem Föderalismus schon große (hausgemachte) Stolpersteine auf dem Weg zu einer emissionsfreien Personenbeförderung. Die Genehmigungsverfahren für Windräder, Ladeparks uns vieles mehr, dauern eine Ewigkeit und jedes Bundesland kocht mit seinen Befindlichkeiten am Ende auch wieder ein eigenes Süppchen. So kommen wir unserem Ziel Klimaneutralität auf jeden Fall nicht schnell genug näher. Ich möchte an dieser Stelle keine politische Debatte aufmachen und mit dem Finger auf die Parteien zeigen, denn das bringt uns jetzt leider auch nicht wirklich weiter.

Die Personenkraftwagen (PKW) zeitnah auf einen alternativen Antrieb (in Deutschland) umzustellen, sehe ich ja sogar als machbar. Natürlich müssen hier noch sehr viele Ladepunkte aufgebaut, oder die Verwendung von grünem Wasserstoff auch für kleiner Fahrzeuge ermöglicht werden, aber es ist zu schaffen. Ebenfalls muss es Möglichkeiten geben, auch im ländlichen Raum auf das Fahrzeug verzichten zu können und den öffentlichen Nahverkehr realistisch und ohne unzumutbare Einschränkungen zu nutzen. Das aktuelle 9-Euro-Ticket zeigt uns gerade in aller Deutlichkeit, dass hier noch sehr viel zu tun ist.

Was bedeutet das Verbot für Wohnmobile?

Man könnte sagen „nichts genaues weiß man nicht„, denn auf Seite 13 der entsprechenden Verordnung (Link) steht u.a. Folgendes geschrieben:

In Artikel 15 Absatz 1 wird eine Überprüfung der Verordnung (EU) 2019/631 für 2026 vorgesehen; die Absätze 2 bis 5, die eine Reihe von Aspekten enthalten, die für die derzeitige Überprüfung zu berücksichtigen waren, werden gestrichen. Ein neuer Absatz 9 wird hinzugefügt, um eine Rechtsgrundlage für die Änderung der Formel zur Berechnung der Zielvorgaben für die spezifischen Emissionen in Anhang I Teil B vorzusehen, wenn dies erforderlich ist, um das spezifische Verfahren für leichte Nutzfahrzeuge mit Typgenehmigung im Mehrstufenverfahren zu berücksichtigen. Das betrifft beispielsweise das anzuwendende Verfahren, wenn ein Fahrzeug von mehr als einem Hersteller hergestellt wird und die Verantwortung für die CO₂-Emissionen des vervollständigten Fahrzeugs dem Hersteller des Basisfahrzeugs zugewiesen wird. Um diesem Hersteller Planungssicherheit zu bieten, wird für die Bestimmung der CO₂-Emissionen und der Masse von leichten Nutzfahrzeugen, die solche Mehrstufenfahrzeuge sind, ein spezifisches Verfahren angewendet. Der Kommission wird die Befugnis übertragen, das Verfahren für Mehrstufenfahrzeuge festzulegen, und sie muss im Fall einer Überarbeitung dieses Verfahrens möglicherweise auch die Berechnungsformel für die Zielvorgaben der spezifischen Emissionen anpassen.

EU-Kommission (Stand 14.07.2021)

Genau eine solche Bauweise trifft auf die Hersteller von Wohnmobilen zu. Sie erwerben ein Basisfahrzeug von einem der Hersteller wie Fiat, Mercedes usw. und bauen eine Kabine darauf und durch die sogenannte Hochzeit, wird dann vereinfacht gesprochen aus dem leichten Nutzfahrzeug ein Reisemobil. Interessant wird es also bezüglich der Fahrzeugklassen M2 und M3 auf die aktuell noch näher eingegangen wurde.

M1: Für die Personenbeförderung ausgelegte und gebaute Kraftfahrzeuge mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz.

M2: Für die Personenbeförderung ausgelegte und gebaute Kraftfahrzeuge mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz und einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 5 Tonnen.

M3: Für die Personenbeförderung ausgelegte und gebaute Kraftfahrzeuge mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz und einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 5 Tonnen.

Aktuell fallen ein Großteil der Wohnmobile in die Klasse M1, also bis zu 3,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse. Das liegt aber weniger an technischen Möglichkeiten der Hersteller, sondern an den Einschränkungen vom Staat bzw. der EU. durch Gesetze und das alleine schon beim Führerschein der Klasse-B. Wer nach 1999 seinen PKW-Führerschein gemacht hat, der besitzt einen in dieser Klasse und darf Fahrzeuge nur bis zu einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3,5 Tonnen fahren. Das ist bei den heutigen Reisemobilen mit Verbrenner ja bereits ein riesiges Problem, weil man vielfach überladen unterwegs ist.

Es läuft aber gerade eine Überarbeitung der EU-Führerscheinrichtlinie, welche eine Ausweitung auf 4,25 Tonnen erlauben soll, wenn das Mehrgewicht durch alternative Antriebe, etwa schwere Batterien von Elektrofahrzeugen verursacht wird. EU Bürger konnten bis zum 21.05.2021 Wünsche äußern und ich hoffe mal, dass die Änderung auch Reisemobile (ohne alternative Antriebe) berücksichtigen wird. Im vierten Quartal könnte es laut EU-Kommission (Link) zu einer Entscheidung kommen.

Alternative Antriebe werden im Ausland zum Problem

Selbst wenn man aus 4,25 Tonnen dann sogar 7,5 Tonen machen würde und wir mit großen Wasserstofftanks oder vielen Akkus „weitere“ Strecken fahren könnten und auch dürfen, wird es im Ausland zum Problem. Selbst in Europa können wir (Deutsche) den anderen Mitgliedsstaaten nicht vorschreiben, wie viele Lade- und Tankmöglichkeiten für alternative Antriebe sie bauen müssen. Außerhalb der EU ist damit erst Recht Feierabend und somit sehe ich für uns Reisende das größte Problem im Ausland. Reisemobile sind einfach deutlich höher und schwerer, als PKWs und somit nicht einmal annähend, als effizient zu bezeichnen. Während Diesel-PKWs bei moderater Fahrweise auf unter 5 Liter pro 100 Kilometer kommen können, sieht es bei einer rollenden Schrankwand nicht so gut aus. Hier sind dann her 15 Liter der Durchschnitt, denn vor allem das Anfahren im Stau oder an der Ampel schluckt bei dem hohen Gewicht sehr viel Sprit.

Dass wir etwas gegen den Klimawandel unternehmen müssen, steht außer Frage und ich bin der Letzte, der hier nicht mitzieht. Es bleibt also spannend, wie sich die EU-Kommission bezüglich der EU-Führerscheinrichtlinie und den Fahrzeugklassen M2 und M3 verhält. Ebenfalls spannend wird sein, was die Fahrzeughersteller an neuen Technologien in den nächsten Jahren entwickeln werden, damit auch nach 2035 noch Reisemobile zugelassen werden dürfen, welche realistisch für den Urlaub verwendet werden können.

15 Kommentare
  1. Tobias Kamp
    Tobias Kamp sagte:

    Es bleibt, wie du schon sagt, spannend. Ich kann mir nicht vorstellen, das dies in dieser Zeitspanne zu realisieren ist. Ich lasse mich aber gerne eine besseren belehren.

  2. Thorsten Ritter
    Thorsten Ritter sagte:

    Das Verbot soll ja in ganz Europa gelten. Es ist sehr ambitioniert das auch im Bereich Nutzfahrzeuge umzusetzen und kann nur funktionieren, wenn alle Länder beim Ausbau der Infrastruktur mitmachen.

  3. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Mann kann „natürlich“ ein Verbot erlassen, dass ab 2035 keine Verbrenner in der EU mehr zugelassen werden. Ob das den Verkauf von, was auch immer, einer Technologie dann beschleunigt, bleibt abzuwarten. Dann würde es ab 2035 ja auch wiederum noch X Jahre dauern, bis keine Verbrenner mehr auf den Straßen unterwegs sind. Die Fahrzeuge aus dem Jahre 2000 hätten dann auch bereits ein H-Kennzeichen.

    Ich hoffe eher, dass noch weiter an klimaneutral betankten Verbrennungsmotoren geforscht werden wird. Evtl. lassen sich bestehende Motoren dann sogar umbauen. Das wäre deutlich besser für die Umwelt.

  4. Hermann Vatterott
    Hermann Vatterott sagte:

    Hallo Marc. Wieder ein toller Bericht, der sehr interessant ist. mach weiter so. Danke.
    Gruß Hermann

  5. Andreas Henke
    Andreas Henke sagte:

    Hallo Marc,

    Ich lebe und handle – nicht nur als Mitglied bei Greenpeace – schon längst weitestgehend ökologisch, verzichte aber dennoch nicht auf das Campen. Für mich sind diese Entscheidungen von Politikern unausgewogen und zu reflexartig. Ich könnte denen einige Fragen im Zusammenhang mit diesem eBoom stellen und würde Gerede statt Antworten erhalten. Oder hat hier jemals jemand öffentlich gesagt oder sagen dürfen, dass von der Erzeugung der Elektroenergie allein bis zur Steckdose des Verbrauchers 20% physikalisch bedingte Verluste entstehen?

    Es erinnert an die Energiesparlampe. Sie musste her um jeden Preis und dass die schon vorhandene Entwicklung der LED nicht abgewartet wurde, war eine gezielte Hilfe für die Wirtschaft. Als es dann soweit war, wurde die Energiesparlampe offiziell bedenklich dargestellt und plötzlich zum giftigen Sondermüll erklärt.
    Ich bin schon gespannt, was wir in 5 oder 10 Jahren lesen werden ….

  6. Ebert
    Ebert sagte:

    Wann ist das Erdöl verbraucht?
    Brauchen wir nicht automatisch andere Antriebe als Benzin oder Diesel. Gas gibt’s auch nicht unendlich. Mit was fahren wir dann?

  7. Heckmann, Wilhelm
    Heckmann, Wilhelm sagte:

    Gut geschrieben, was die Wohnmobile betrifft, aber wir sind nicht alleine mit den Womos. Da gibt es noch die Camper mit PKW und Wohnwagen, ein E Auto kommt wohl dafür noch lange nicht in Frage. Bleiben mit der Leistung die sie jetzt haben bei Zeiten am Rand stehen. Strom alle weil zu wenig Ladestation es gibt. Bis 2035 da muss sich noch sehr viel bewegen in der Technik und vorallen in den Genehmigungsverfahren.

  8. Gregor
    Gregor sagte:

    Danke für diesen Artikel. In wie weit betrifft es die Schweiz, die ja nicht zur EU gehört oder UK? Dann kauft man sein Fahrzeug eben dort und importiert es ;-) Papier ist ja geduldig, ich halte 13 Jahre für zu kurz, bei dieser ganzen Bürokratie in unserem Land, ist das nur zum lachen. Das ist mal wieder so ein Schnellschuss aus der Hüfte, ohne Sinn und Verstand. Typisch Politiker eben.

  9. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Andreas, ja der Vergleich mit den ollen Energiesparlampen passt sehr gut. Hauruckaktionen gehen häufig leider genauso oft in die Hose, wie das abwarten und zögern der letzten Jahrzehnte. Politiker will ich auf jeden Fall auch nicht sein, denn man kann es kaum richtig machen. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen. VG Marc

  10. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Wilhelm, natürlich betrifft das auch noch die PKWs mit Wohnwagen, wobei die größere Chancen haben und deutlich weniger Kilometer in einem Urlaub (als Gespann) fahren. Die müssen es meistens „nur“ irgendwie bis zum Campingplatz schaffen. Dort angekommen, steht der Wohnwagen in der Regel den ganzen Urlaub an einem Fleck. Aber Ladestationen fehlen insgesamt noch sehr viele.

  11. Tobias Kamp
    Tobias Kamp sagte:

    Das mit den Ladesäulen stimmt nur begrenzt, bzw. kann ich in keiner Weise bestätigen. Ich selbst fahre eine E-Fahrzeug und habe noch nie Probleme damit gehabt. Fahre ohne Probleme z.B. bis nach Obertauern (1.000km von mir entfernt) zum Skifahren. An fast jeder Raststätte und vor allem an Autohöfen gibt es inzwischen Ladeparks (z.B. von Tesla, Ionity oder EnBW) und die Zahl wächst. Problem ist eher der Strom – wenn es mehr Fahrzeuge werden… aber das wurde hier ja bereits erwähnt.

  12. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Tobias, wir haben auch ein E-Fahrzeug und Zuhause (ländlich) eine eigene Wallbox und PV Anlage. Perfekte Ausgangssituation. Weite Strecken sind mit Schnellladern an den Autobahnen auch kein Problem. Anders sieht es leider in Städten aus und ja es kommen (sollen) noch deutlich mehr Fahrzeuge hinzukommen. Das ist dann wie mit den Stellplätzen….. huch wo kommen denn die ganzen Wohnmobile her

  13. Tobias Kamp
    Tobias Kamp sagte:

    Mir fehlt „nur“ noch die PV Anlage :-) – in Städten bin ich bisher auch noch nicht wirklich an Grenzen gestoßen – hatte hier vielleicht auch Glück, bzw. liegt es auch an den Städten und Regionen – hier kann es bestimmt unterschiede geben. Kennst Du „A Better Routeplanner“ diesen Routenplaner für E-Autos kann ich nur jedem empfehlen. Die Berechnungen dort ging bei mir bisher immer zu 95-98% auf.

    http://abetterrouteplanner.com

  14. Roland
    Roland sagte:

    Diese Verbote gehen für mich kpl. am Thema vorbei. Was denken sich die Menschen wie Leben lebenswert gestaltet werden kann. Alles was produziert wird wird der Erde entnommen und das ist gut so. Warum sollen Gas, Kohle und Öl nicht verwendet werden,Wollen wir zukünftig auch Handys, Fahrräder, ja sogar den Hausbau verbieten. Im neuen Gebäude wird wertvoller Stahl, Stein und Zement und auch viel Rigips verarbeitet. Sind alles fossile Rohstoffe.Wollen wir auf Holz umsteigen steht dem gegenüber der Ausbau der Windkraft, dafür müssen Wälder abgeholzt werden. Es sind viel zu viele Organisationen die unter dem Deckmantel des Klimas ihr eigene Süppchen kochen. Und das haben Parteien für sich ausgenutzt.Gebt uns unser Leben zurück und hört auf mit diesen Verboten und Regulierungen von politisch aktiven Menschen denen es an nichts fehlt.

  15. Peer-to-Peer-Fundraising-Statistiken
    Peer-to-Peer-Fundraising-Statistiken sagte:

    Guter Bericht, ich bin ein regelmäßiger Besucher eines dieser Blogs, halte den guten Betrieb aufrecht, und es wird für eine lange Zeit ein regelmäßiger Besucher sein.

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