Mit dem Wohnmobil nach Passau auf die Veste Oberhaus

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Nach meinem Besuch in Burghausen ging es weiter nach Passau, in die Stadt der drei Flüsse auf den Wohnmobilstellplatz an der Ilz. Vom zentral gelegenen Platz ging es zu Fuß über den Wehrgang hinauf zur Veste Oberhaus aus dem Jahre 1219. Sie wurde vom ersten Passauer Fürstbischof Ulrich II. um eine bereits auf dem Berg stehende Georgskapelle errichtet. Die Veste sollte zum Ausdruck der militärischen Stärke und als Darstellung für die 1217 erlangte Reichsfürstenwürde sein. Vom Wehrgang aus hat man bereits eine schöne Aussicht auf die Stadt Passau.

Die Veste Oberhaus

Aufgrund der fortschreitenden Belagerungstechnik wurde die Festung über die Jahrhunderte ständig ausgebaut und erweitert. Mit 65.000 m² umbauter Fläche ist die Veste Oberhaus heute eine der größten erhaltenen Burganlagen Europas. Fast 600 Jahre lang demonstrierte die Veste Macht und Stärke und bot den Fürstbischöfen Schutz, auch vor den eigenen Untergebenen, denn das Verhältnis zwischen Machthaber und dem Volk, war selten ein gutes.

Dreiflüsseblick

Vom Aussichtspunkt Batterie Linde hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Vor allem aber hat man von der ehemalige Geschützplattform am östlichen Ende der Veste einen einzigartigen Blick auf aus das Naturschauspiel, wenn die drei unterschiedlich gefärbten Flüsse Donau, Inn und Ilz zusammenfließen.

Die Georgskapelle

Im Herzen der Burg befindet sich auch die Georgskapelle, deren umfangreicher Freskenzyklus mit Darstellungen der Legende des Hl. Georg einzigartig ist. Die Fresko- oder Frischmalerei ist eine Art der Wandmalerei, bei der die zuvor in Wasser eingesumpften Pigmente auf den frischen Kalkputz aufgetragen werden. Bei der Carbonatisierung vom Kalke werden die Pigmente dann stabil in den Putz eingebunden. Das konnte man aber in der Regel nur auf dem Rücken liegend machen und damals waren die Gebäude weder gut beheizt, noch gut beleuchtet. Also die Arbeit war kein wirkliches Vergnügen und auch wegen des trocknenden Kalkputzes nur kleinen Abschnitten zu machen, daher auch sicherlich der Begriff „Tagesabschnitt“.

Das Oberhausmuseum

Die Veste war Machtsymbol und Lebensraum zugleich. In der Ausstellung „Faszination Mittelalter“ erhält man Einblicke in die Entstehung einer Burg deren Erbauer und Bewohner. Vom Luxus des fürstbischöflichen Hofs und dem Alltag der einfachen Knechte und Mägde erzählen diverse Fundstücke. In einer Art dunklen Kältekammer, wird einem recht schnell klar, so romantisch war das Leben auf einer Burg leider gar nicht. Fenster aus Glas und somit Tageslicht Fehlanzeige. Zentralheizung war wie ein bequemes und warmes Schuhwerk bedauerlicherweise damals auch nicht vorhanden. Von wegen Burgenromantik, das war damals ein hartes Leben, wenn man nicht gerade Fürst, Bischof oder König gewesen ist.

Im historischen Kellergewölbe ist die Ausstellung zur Geschichte von Zunft und Handwerk untergebracht. Die im Mittelalter entstehenden Zünfte und Bruderschaften der Handwerker waren ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und erfüllten auch wichtige soziale Aufgaben. Das Erlernen eines Handwerks und die Mitgliedschaft in einer Zunft waren sehr begehrt, aber sie unterlagen auch strengen Regeln. In Passau waren mehrere Zünfte ansässig, etwa die der Salzfertiger, Wachszieher und Lebzelter.

Im Oberhausmuseum habe ich dann noch an einem Workshop für mittelalterliche Handwerkstechniken teilgenommen und versucht, aus Kupfer eine Art von Löffel zu kreieren. Dazu wird unter lautem Gehämmer ein Stück Kupferblech mit dem Hammer auf einem Holzblock in die gewünschte Form getrieben, geschnitten, gefeilt und anschließend verziert. Danach durfte ich noch die Initialen der Camping Family in Schiefer ritzen und der Rand wurde dann mit echtem Blattgold versehen. Ich hätte damals auch Kupferschmied oder Blattgoldverzierer werden können…….NICHT.

Der Aussichtsturm

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ist der Aussichtsturm auf der Veste auch wieder geöffnet. Im Observationsturm aus dem 18. Jahrhundert erzählt eine multimediale Ausstellung die facettenreiche Geschichte des deutsch-österreichischen Grenzraums rund um die Flüsse Inn, Salzach und Donau. Auf einem großen interaktiven Landkartentisch kann man sich etwa über das territoriale Herrschaftsgefüge, in dem unterschiedliche Herrscher jahrhundertelang um Macht und Einfluss rangen, informieren. Im neun Meter hohen Zeitturm werden 3D-digitalisierte Ausstellungsobjekte präsentiert. Oben angekommen, genießt man die wohl beste Aussicht auf Passau und das Umland.

Am Abend bin ich dann noch in das auf dem Gelände der Burg liegende Restaurant „Das Oberhaus“ gegangen. Leider war es noch etwas zu kühl, um draußen zu sitzen, denn der Blick von der Terrasse auf Passau ist schon sehr toll. In Bayern kann man wirklich sehr gut essen und so auch im Oberhaus und die ½ gebratene Ente mit Blaukraut, Preiselbeerapfel und Reibeknödel war ein Traum.

Vom Oberhaus sind es zu Fuß angenehme 10 Minuten bis zum Stellplatz an der Ilz. Dieser ist nachts übrigens deutlich leiser als am Tage und so habe ich sehr gut geschlafen, nach so einem aufregenden Tag. Passau, ich komme wieder, denn von der historischen Altstadt habe ich leider aus Zeitgründen nicht mehr viel sehen können.

Transparenz: Ich wurde durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern zum Besuch der Region eingeladen. Meine Meinung wird hierdurch aber nicht beeinflusst. Ich berichte hier über meine persönlichen Erlebnisse und Eindrücke und nehme grundsätzlich nur Einladungen an, wenn mich eine Region interessiert und die Berichte euch einen Mehrwert bieten.

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