Mobiles Internet im Camper wird immer günstiger

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Autarkie ist uns auf Reisen nicht nur bezüglich Wasser, Strom und Toilette sehr wichtig, auch beim Zugriff auf das Internet wollen wir unterwegs möglichst wenig Abstriche machen. Dass man etwa auf eine SAT-Anlage verzichten und per Internet diverse Inhalte konsumieren kann, habe ich in einem Erfahrungsbericht bereits beschrieben. Auf dem Markt tut sich regelmäßig etwas und im Gegensatz zu den Energiepreisen, kennen die Preise für Mobilfunktarife nur eine Richtung, nämlich nach unten. Wie viel Datenvolumen benötigt man auf Reisen und was kostet der Spaß?


Wie schnell muss die Internetverbindung sein?

Um auf Reisen mit Smartphone, Tablet und Co im Netz, etwa hier auf Camping Family zu surfen, Fotos zu versenden und was einem sonst so einfällt, reichen etwa 2 Mbit/s an Geschwindigkeit aus.

Was den reinen Zugriff auf Live-TV in HD etwa über die Apps der öffentlich-rechtlichen, oder privaten Sender angeht, so würden hier auch 1 Mbit/s bereits ausreichen. Die Apps sind darauf spezialisiert, dass maximale aus der vorhandenen Mobilfunkverbindung herauszuholen und puffern Inhalte (Cache), um ein bestmögliches und ruckelfreies Bild zu ermöglichen.


Wie viel Datenvolumen wird benötigt

Was das Streaming von angeht, so liegt der Verbrauch bei Netflix, Amazon Prime Video, ARD Mediathek oder YouTube in den unteren und ausreichenden Qualitätsstufen, zwischen 300 und 500 MB pro Stunde.

Das stellt also keine große Herausforderung dar und deutlich Datenhungriger sind die Smartphones selbst. Teilt man sich das Datenvolumen über einen mobilen WLAN-Router*, können hier bereits unbewusst deutlich mehr Daten über die „Leitung“ gehen. Besteht nämlich eine WLAN-Verbindung, laufen in der Regel automatische Sicherungen (Upload) der über den Tag gemachten Fotos und Videos und es werden Updates der installierten Apps geladen. Das kommt dann alles zu den eher bescheidenen 500 MB pro Stunde fürs Streaming hinzu.

Wie viel Datenvolumen Du benötigst, weißt Du am besten. Nehmen wir mal nur so zum Vergleich die 52 Wochenenden pro Jahr und gehen von 6 Stunden pro Wochenende aus, also Tagesschau plus Film oder Show im Nachgang und dieses jeden Freitag und Samstagabend, dann sind das 312 Stunden im Jahr. Das wären dann 156 Gigabyte fürs Streaming, aber das dann jedes Wochenende mit jeweils 6 Stunden. Passt eher nicht, oder doch?

Was euren Konsum am TV angeht, so müsst ihr einfach mal grob überlegen und rechnen. Hinzu kommt dann der Bedarf eurer kleinen mobilen Geräte mit Android oder iOS. Das ließe sich aber über Bordmittel oder mit einer der vielen auch kostenlosen Apps, mit den Begriffen „Data Monitor“ oder „Traffic Monitor“ herausfinden. Die Apps lässt man am besten eine Woche im Hintergrund laufen und schaut dann nach dem ermittelten Verbrauch.


Welcher Mobilfunkanbieter (Provider) ist der richtige?

In Deutschland gibt es die drei Mobilfunknetzanbieter Telekom (T-Mobile), Vodafone und Telefonica (O₂). Dann tummeln sich noch ganz viele Zwischenprovider wie Mobilcom-Debitel, Congstar, 1&1 usw. auf dem Markt herum.

Diese nutzen die Infrastruktur der drei Anbieter und bieten dem Kunden im jeweiligen Netz (oftmals nicht so gut ersichtlich), dann wiederum eigene Tarife mit diversen Unterschieden und leider auch einigen Stolpersteinen an. Was den Empfang, also die Netzqualität angeht, so liegen alle drei Anbieter recht nah beieinander, was auch im jährlichen Test der Fachzeitschrift Connect deutlich wird. Die Anbieter haben auch aufgegeben, jeder für sich, möglichst alle Gebiete Deutschlands zu versorgen. Durch ein sogenanntes „Network Sharing“ nutzen nun etwa Telekom und Vodafone Teile ihres Netzes gemeinsam, um die letzten immer noch bestehenden Funklöcher zu schließen.

Das kannte man bereits aus den Anfangszeiten von O₂, als das Netz der Telekom mitgenutzt werden konnte. Unfassbar, dass in einer der weltweit größten Volkswirtschaften, mit einer eigentlich überschaubaren Fläche, immer noch Funklöcher gibt. Ihr werdet also leider immer noch Regionen vorfinden, wo der eine Anbieter ein besseres bzw. schnelleres Netz anbietet, als der andere. Ein Anbieter A ist deutlich besser als Anbieter B, gibt es aus meiner Sicht aber nicht mehr.

Tipp: Wer gegen das Netz von O₂ noch bestehende Vorurteile hat, könnte diese kostenlos aus der Welt räumen. Man kann, mit einer Freikarte für 30 Tage das O₂-Mobilfunknetz in Deutschland unverbindlich testen. Der kostenlose Testtarif ist 5G-fähig, hat ein unlimitiertes Datenvolumen mit einer Geschwindigkeit bis zu 500 Mbit/s sowie eine Flatrate für Telefonie und SMS. Praktisch ist zudem auch, das Angebot ist unverbindlich und endet 30 Tage nach Freischaltung automatisch.

Übrigens sind die Optionen Vodafone Pass und StreamOn der Telekom vom Europäischen Gerichtshof verboten worden, weil sie gegen die Netzneutralität verstoßen. Neue Verträge dürfen die Option nicht mehr beinhalten und bestehende müssen bis Ende März 2023 angepasst werden. Mal abwarten, was die Provider sich für neue Tarife ausdenken. Solange es am Ende für uns günstiger wird, oder wir mehr Leistung fürs selbe Geld bekommen, soll mir das natürlich recht sein.


Datenvolumen oder Datengeschwindigkeit begrenzen?

Eine Flat für Gespräche und SMS ist schon seit Jahren Standard. Was das Datenvolumen angeht, so haben sich über die Jahre immer größer werdende Datenpakete etabliert. Jetzt könnte man sich freuen und denken super, wenn ich heute für 9,99 € im Monat 5 GB Datenvolumen bekomme, ist das doch besser als früher. Da hat man für 5 GB im Monat 15 Euro oder mehr bezahlen müssen. Leider stimmt das nicht ganz, denn das im Monat benötigte Datenvolumen, ist allein schon durch die besseren Kameras in den Smartphones extrem gewachsen.

Immer mehr Megapixel sorgen auch für immer mehr Daten der eigentlichen Fotos und Videos. Auch wenn ihr am Ende des Tages nicht mehr Fotos und Videos erstellt und mit Euren liebsten etwa über Instagram oder andere Plattformen geteilt habt, als vor ein paar Jahren, so benötigt ihr heute dafür jetzt mehr Datenvolumen.

Es gibt aber eine interessante Änderung bei den Tarifen, denn anstatt an einem starren Kontingent im Monat festzuhalten, gibt es jetzt immer mehr Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen. Dafür wird hier teilweise die maximale Geschwindigkeit künstlich gedrosselt. Wie oben beschrieben braucht man in den meisten Fällen gar nicht die mitunter angepriesenen 500 Mbit/s im 5G Netz, sondern es reichen auch 2 Mbit/s und selbst mit ausreichend Puffer dann 5 Mbit/s eigentlich aus. Dafür muss man sich dann keine Gedanken mehr um die Datenmenge machen. Ist ein Netz verfügbar, können mobile Daten fließen und die Menge ist dabei egal.


Tarife mit Datenpaketen oder reine Datentarife

Hier hat man die größte Auswahl, denn alle Provider bieten solche Tarife an. Eine Möglichkeit war bis Ende 2021 der Discounter Aldi mit seinem Jahrespaket L. Hier bekommt man für einmalig 149,00 € ganze 100 GB inkl. EU-Roaming für eine Nutzungszeit von 365 Tagen.

Es gäbe hier als Alternative O₂ my Prepaid Internet-to-Go mit 30 Gigabyte, für einmalig 49,99 €. Über diesen reinen Datentarif hatte ich bereits im Blog berichtet. Das Gigabyte kostet einen dann hierbei 1,67 € und ist ebenfalls 365 Tage gültig.


Tarife mit unbegrenztem Datenvolumen

Ein Vergleich wird hierbei natürlich schwierig, weil man hier Gefahr läuft Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Von Mobilcom-Debitel gibt es den Tarif „O₂ Free Unlimited Smart“ immer wieder bei den bekannten Vergleichsportalen für unter 15,00 € pro Monat.

Hierfür bekommt man neben Telefon und SMS Flat ein unbegrenztes Datenvolumen im Inland, welches in der Geschwindigkeit auf völlig ausreichende 10 Mbit/s gedrosselt ist. In der EU stehen pro Monat 20 Gigabyte zur Verfügung.

Achtung Äpfel mit Birnenvergleich: Wenn wir die Kosten nun mal auf 12 Monate hochrechnen, sind das 199,92 €. Im Vergleich zu dem Prepaid Angebot von O₂, kostet bei 30 GB im Jahr, dann ein einzelnes Gigabyte 6,66 €. Bei doppelter Datenmenge wären es noch 3,33 € pro GB und bei dreifacher 2,22 €, bei vierfacher 1,66 € und erst ab der fünffachen Menge (150 GB) ist man mit 1,33 € je Gigabyte günstiger unterwegs. Je mehr Daten ihr also verbraucht, je günstiger wird es aufs Gigabyte heruntergerechnet mit einem solchen Tarif.

Solltet Ihr also mit 30-120 GB im Jahr auskommen, ist der Prepaid Tarif sicherlich (aktuell) eine super Sache. Erst ab 150 GB wäre der Unlimited Tarif aus Jahr gesehen günstiger, was die reinen Daten angeht. Solltet ihr den Unlimited Tarif aber auch zum Telefonieren, also als eure Hauptkarte verwenden wollen, hinkt der Vergleich natürlich vollkommen, weil es sich bei der Prepaid Version um einen reinen Datentarif ohne Telefonie und SMS handelt.


Wie sieht es denn im Ausland aus?

Innerhalb der EU ist das alles ziemlich entspannt. Zwar solltet ihr euch bei anderen Tarifen immer die Bedingungen genau durchlesen und nach einer sogenannten „Fair Use Klausel“ schauen, aber großen Kostenfallen sind hier nicht mehr zu erwarten.

Bei O₂ könntet Ihr die im Voraus bezahlen 30 GB auch ohne Einschränkungen im Ausland verbrauchen. Bei dem O₂ Free Unlimited Smart, wären es „nur“ 20 Gigabyte im Monat. Kann für den einen vollkommen ausreichen, für den anderen ist es zu wenig. Das muss jeder für dich errechnen.

Weil Deutschland beim Telefonieren nicht gerade zu den günstigen Ländern in Europa zählt, kann es sich auch lohnen, eine Datenkarte im jeweiligen Land zu erwerben. In Frankreich bekommt man etwa am Automaten eine SIM-Karte vom Anbieter Free. Für 19,99 € und einmalig 10 € für die SIM-Karte, bekommt man 100 Gigabyte an Datenvolumen für einen Monat. Oder in Portugal beim Anbieter NOS für 30,00 € unbegrenztes Datenvolumen. Auch für andere Länger gibt es von den lokalen Providern sehr interessante Angebote für Reisende.


Mein Fazit

Die Mobilfunkkosten sind in den letzten Jahren deutlich gesunken und aus meiner Sicht, sind die Tarife mit einem unbegrenzten Datenvolumen am praktikabelsten.

Wie viele Daten ihr aber auf euren Reisen verbraucht, müsst ihr eventuell erst einmal ermitteln. Das ist aber etwa mit einer passenden App kein großer Aufwand und mit den Informationen, könnt ihr dann einen für euch passenden Tarif auswählen.


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