Mit dem Wohnmobil nach Ameland

Die Lesedauer für diesen Artikel beträgt ca. 12 Minuten

In der ersten Woche der Osterferien 2022, waren Sonja und ich alleine unterwegs und haben der Insel Rügen einen Besuch abgestattet. Die Kids haben sich währenddessen in der Ferienfreizeit ihres Sportvereins ausgetobt. Zum Ende unserer Woche haben wir dann überlegt, mit den Kids die letzte Woche auf Sylt oder auf der niederländischen Insel Ameland zu verbringen. Die Wahl fiel auf Ameland und so haben spontan Fähre und Campingplatz gebucht.

Auf den kleinen Inseln in der Nordsee hat man leider nicht so die Flexibilität, die wir am Reisen mit einem Wohnmobil eigentlich so lieben. Wenn es einem gut gefällt dann bleiben und wenn nicht, dann einfach weiterziehen geht hier leider nicht. In den meisten Fällen muss man im Vorfeld eine Fähre buchen, sofern man nicht zeitlich sehr flexibel ist. Hinzu kommt, dass die Inseln einfach recht klein sind und das Platzangebot somit begrenzt ist. Reine Wohnmobilstellplätze sind totale Mangelware und somit kommt man um die Buchung einens Campingplatzes im Vorfeld in der Regel nicht herum.

Sonja hat zu Ameland, einer 27 Kilometer langen und 4 Kilometer breiten Insel eine sehr lange Bindung. Sie hat viele Sommer ihrer Kindheit hier verbracht und wollte schon immer so gerne mit uns einmal nach Ameland. So buchten wir uns für eine Woche auf dem Parc Koudenburg ein. Die Fähre über die Rederei Wagenborg war online auch schnell gebucht, nur beim Rückreisetag Ostermontag mussten wir Abstriche machen, denn hier war bereits alles ausgebucht, somit geht es bereits am Ostersonntag zurück aufs Festland.

Wir holten die Kids gegen Mittag ab und machten uns auf den Weg nach Holwerd in den Niederlanden. Die Kids wussten übrigens bis auf der Fähre nichts vom eigentlichen Reiseziel und waren natürlich sehr begeistert, denn Fähren und Inseln sind doch immer ein kleines Abenteuer.

Im Sommertarif (01.04 bis 30.09) kostet die 50 minütige Überfahrt mit einem 7-8 Meter langen (inkl. Fahrräder am Heck kommen wir auf knapp 8 Meter) Wohnmobil, vier Personen und Hund nach Ameland 280,00 Euro. Nicht gerade günstig, wenn man es mit der TT-Line von Travemünde nach Trelleborg inkl. Kabine für ebenfalls 280 Euro vergleicht. Da es aber keine andere Möglichkeit gibt, Ameland trocken zu erreichen, außer man kann ein Amphibienfahrzeug sein Eigen nennen, muss man den Preis halt zahlen. Übrigens Fähre, PKW, Bungalow und Fahrräder mieten, wäre noch teurer gewesen. Somit „lohnt“ es sich sein Haus und die Räder trotz der teuren Überfahrt einfach mitzubringen.

Man soll eine Stunde vor Abfahrt am Anlieger sein und das schafften wir so gerade noch. Die 15:00 Uhr Fähre stand noch am Kai und als wir zur Schranke fuhren und dort auf die von uns gebuchte 16:00 Fähre warten wollten, rief uns der nette Herr vom Schalter zu „Herr Broch sie können mitfahren“. Wow man kennt mich hier, ne das war unser bei der Reservierung angegebenes Kennzeichen was erkennt wurde, aber dennoch sind wir gerne mitgefahren und waren somit eine Stunde früher auf Ameland.

Die Überfahrt dauert nur 50 Minuten und die Fähre legt im Hafen von Nes an, was etwa in der Mitte von Ameland liegt. Und neben Buren, Ballum und Hollum einer der vier kleinen Orte auf Ameland ist. Auf die 3.755 Einwohner (Stand: 1. Januar 2022), kommen pro Jahr ca. 500.000 Touristen.

Bis zum Campingplatz sind es nur ca. 10 Minuten Fahrtzeit. Die Rezeption hat sonntags geschlossen, aber der nette Betreiber hatte uns eine SMS mit einer Wegbeschreibung zu unserem Platz (B9) geschickt. Am Platz hat man einen eigenen Wasseranschluss und Strom sowie (jetzt zumindest) schnelles WLAN sind im Preis inklusive.

Wir packten als Erstes mal die Stühle aus, genossen die Sonnenstrahlen und gönnten uns ein kühles Heineken. Mit den Fahrrädern sind wir dann die paar Minuten bis zum Strand gefahren. Die letzten ca. 500 Meter muss man über die Dünen bis zum eigentlichen Strand zwar laufen, aber dieser entschädigt alles. Wieder am Camper wurde der Grill aufgebaut uns wir haben den ersten Abend auf Ameland in Ruhe ausklingen lassen.

Der nächste Tag war vom Wetter her wunderbar. Wir saßen bis Mittag einfach nur vor unserem Camper und genossen die Sonne, denn trotz 9° Außentemperatur war es in der direkten Sonne so warm, das man fast im T-Shirt sitzen konnte. Am Nachmittag machten wir uns auf zu einer kleinen Fahrradtour. In unmittelbarer Nähe des Campingplatzes liegt das kleine Örtchen Hollum.

Mit knapp 1300 Einwohnern ist Hollum sogar die größte Ortschaft von Ameland. Der kleine Ortskern ist geprägt von alten Kapitäns- und Seefahrerhäuschen, Cafes, Restaurants und Pubs. Von Hollum aus ist es nur ein Katzensprung bis zur Kaasboerderij. Hier gibt es wirklich fantastischen Käse und das in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Eine ganz klare Kaufempfehlung!

Wir deckten uns mit ein paar Sorten ein und fuhren danach mit dem Fahrrad am Deich entlang zum Leuchtturm Bornrif. Mit dem Fahrrad fahren kann man auf den friesischen Inseln natürlich perfekt und dabei auch immer wieder an den Strand gehen und einfach entspannt die Seele baumeln lassen.

Auf dem Weg fuhren wir auch am Kabouterdorpje vorbei, einer Ansammlung von kleinen Klabautern und vielen weiteren Figuren, was nicht nur für die vorbeifahrenden Kindern ein großer Spaß ist.

Ein Stück weiter und kurz vor dem Leuchtturm kommt man am kleinen Bunkermuseum vorbei. Mit einer Bildgeschichte, persönlichen Insulanergeschichten, Fundstücken und einem Gedenkraum für die Kriegsopfer, macht der Bunker auf die Kriegsgeschichte der Insel aufmerksam.

Der gusseiserne und 55 Meter hohe Leuchtturm mit dem inoffiziellen Namen Bornrif aus dem Jahre 1880, ist schon eine imposante Erscheinung auf der Insel. Die Lichtbündel scheinen noch immer mit ihren Lichtstrahlen über die Insel und waren auch von unserem Stellplatz aus deutlich sichtbar. Den Turm kann man auch besteigen und hat von dort oben natürlich eine tolle Aussicht über Ameland.

Am Abend waren wir dann noch in der mit Abstand besten Pizzeria Il Vulcano auf Ameland essen. Wer hier einen Platz bekommen möchte, sollte einen Tisch reservieren, oder wie wir einfach verdammt viel Glück haben und nur 30 Minuten bei dem ein oder anderen Bierchen warten dürfen.

Am nächsten Tag haben wir uns erneut auf die Räder geschwungen und sind von Hollum aus nach Ballum gefahren. Rund 350 Menschen wohnen (Stand 2017) in dem kleinen Örtchen, welches durch die Familie Nobel und den Likör Nobeltje geprägt ist.

Nobeltje ist ein Likör auf Basis von Rum der seit über 100 Jahren auf der Ameland produziert wird. Seine Anfänge nahm der Likör im Jahre 1902, als Willem Barend Nobel heimlich begonnen hatte, eine Mixtur aus diversen alkoholischen Getränken anzusetzen. Wie man sich schon denken kann, wurde daraus ein Verkaufsschlager und die Rezeptur des Likörs auf Rum-Basis, ist wie im Jahre 1902 ein streng gehütetes Familiengeheimnis.

Im Ort gibt es neben der Brennerei mit angeschlossenem Geschäft, auch ein nobles Hotel mit Restaurant, mit dem passenden Namen „Nobel“. Noch etwas exklusiver nächtigen kann man in der umgebauten Kirche, die jetzt den Namen Nobel Suites trägt und zwei luxuriöse Suiten für jeweils sechs Personen beinhaltet. Wers mag.

Von Ballum aus ging es weiter nach Nes, wo auch die Fähre ihren Anlieger hat. Auf dem Weg liegt auch die Amelander Bierbrouwerij und wird seit 2008 sehr leckeres Bier gebraut. Ein paar Flaschen nehmen wir auch mit in die Heimat.

Auf der Strecke nach Nees kommt man auch am Denkmal der Dijkwachter (Deichwächter) vorbei. „Obwohl der Sturm die Wellen manchmal erschreckend hoch treibt, steht der Deichwächter mit wachem Auge bereit“ ist auf dem Schild zu lesen.

Im schönen aber etwas überlaufenden Nes angekommen gönnten wir uns ein leckeres Eis, bevor es weiter in nächste Örtchen Buren ging.

In Buren steht auch ein kleines Denkmal und zwar die von Ritskemooi oder auch Rixt van het Oerd genannt. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte und zwar, soll einst eine alte, bedürftige Fischerwitwe Rixt mit ihrem Sohn Sjoerd gelebt haben. Sie hielten sich mit der Milch ihrer Kuh und dem, was sie an Strandgut so gefunden haben über Wasser, mieden jedoch die Dorfgemeinschaft. Als der Sohn erwachsen war, und Seemann wurde und verließ er Ameland. Eine Zeit lang konnte sich Rix noch alleine durchschlagen, dann aber war immer weniger Strandgut zu finden, weil die Seefahrt halt auch sicherer geworden war.

Irgendwann war sie so verzweifelt, dass sie in einer dunklen und sehr stürmischen Nacht eine Laterne zwischen die Hörner ihrer Kuh gebunden hat, dieser auf die höchste Düne trieb, um so den Schiffen einen sicheren Hafen vorzugaukeln. Ihr hinterlistiger Trick gelang und ein Schiff lief tatsächlich auf eine Sandbank auf, kenterte und zerbrach in der Brandung. Sie sammelte alle Wertsachen und fand dabei einen der Seemänner welcher einen Ring trug. Sie nahm den Ring an sich und blickte aus Neugier dem Seemann ins Gesicht und erkannte ihren Sohn Sjoerd. Seitdem soll sie noch immer über die Oerder Dünen geistern, wo man ihr „Sjoe-oe-oe-oerd“ hören kann, wenn der Sturmwind über Ameland jagt. Diese Geschichte ist historisch nicht belegt, aber ein fester Bestandteil des Ameländer Kulturgutes

Von der Statur aus traten wir unseren Rückweg an und legen noch im Park „De Vleijen“ bei Nes einen Zwischenstopp ein. Hier können die Kids wunderbar spielen, etwa indem Sie sich mit einem Floß üben den See ziehen, oder es einer Seilbahn versuchen das andere Ufer zu erreichen.

Hinter den Dünen entlang, ging es dann zurück nach Hollum, wo wir beim Vishandel Metz noch ein paar Portionen des so leckern Kibbeling verputzten. Am nächsten Tag war einfach mal gammeln angesagt. Gegen Nachmittag sind wir noch mal kurz zur Getreide und SenfmühleDe Verwachting“ in Hollum gefahren. In dieser rund 100 Jahre alten Mühle wird noch Getreide gemahlen und Senf hergestellt. Der Müller und die Senfmacher erklären einem gerne alle Einzelheiten und natürlich kann man dort auch diverse Sorten Senf Mehl, Salz und einiges andere an Leckereien kaufen.

Vom Meer können wir nicht genug bekommen und so haben wir noch einen Spaziergang unternommen und danach den Tag mit einem leckeren Ochsenburger aus der Heimat ausklingen lassen.

Die kommenden Tage haben sind wir sehr entspannt angegangen. Ausschlafen, in Ruhe frühstücken, in der Sonne sitzen und immer wieder einen Spaziergang am Meer, oder eine kleiner Tour mit dem Fahrrad. Auch wenn uns (speziell mir) zumindest ein bisschen die Abwechslung und das Reisen ansich fehlte, so konnten wir hier entspannt runterkommen und frische Energie tanken.

Am Freitag bekamen wir noch eine E-Mail von der Reederei, dass unsere Fähre am Sonntag wegen Niedrigwasser gestrichen wurde. Ein direkter Anruf sicherte uns aber noch einen der letzten Plätze für die Fähre um 15:00, anstatt um 17:00. Das kann auf einer Insel halt passieren und für uns ist alles nochmal gut gegangen.

Am Samstag zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite und in der direkten Sonne sitzend, war sogar wirklich T-Shirt tragen angesagt. Am Vormittag gab es aber erst noch ein kleines Highlight, nämlich die Vorführung des Pferderettungsbootes und gefühlt war ganz Ameland nach Hollum gekommen, um sich das Spektakel anzugucken.

Zehn kräftige Pferde ziehen das Rettungsboot „Abraham Fock“ von Hollum aus über den Strand durch die Brandung ins Meer. Es ist ein Erlebnis aus früheren Zeiten. Wenn heute ein Schiff in Seenot gerät, läuft natürlich ein modernes Rettungsboot direkt aus dem Hafen der Insel aus. Im Jahre 1824 wurden auf Ameland zum ersten Mal Pferde eingesetzt, um das Rettungsboot flott zu machen. Sollte man also damals in Seenot geraten sein, hat es sicherlich einige Zeit gedauert, bis die Seerettung unterwegs war.

Sonntag sind wir dann nochmal an den Strand zum Drachensteigen und um 15:00 Uhr ging es dann mit der Fähre wieder aufs Festland. In Papenburg haben wir am Hotel Hilling halt gemacht. Hier gibt es einen ruhigen Stellplatz und im Hotel kann man sehr lecker essen. So haben wir unseren letzten Abend schön ausklingen lassen.

4 Kommentare
  1. Peter Brückmann
    Peter Brückmann sagte:

    Hallo Marc,
    vielen Dank für Euren schönen Bericht. Auch wir sind begeisterte Nordseefans, meist Nord- und Ostfriesland sowie Insel Föhr. Auf Föhr gibt es überall Hundestrände und einen schönen Wohnmobilstellplatz in Utersum.
    Kannst Du etwas sagen zum Thema Hund am Strand auf Ameland?
    Viele Grüße
    Peter

  2. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Peter, grundsätzlich super entspannt. Ur zwischen dem 15. Juni bis 15. September kommt es an manchen Stränden (ist ausgezeichnet) tagsüber zu Einschränkungen. Außerhalb der Saison frei oder an der Leine. VG Marc

  3. Hermann Vatterott
    Hermann Vatterott sagte:

    Hallo Marc, ein toller Beitrag über Ameland. Ich kenne die Insel auch sehr gut, da ich mehrere Kinderfreizeiten von der Kath. Kirche in Buren geleitet habe. Ich war auch letztes Jahr dort, hatten uns mit der ganzen Familie einen großen Bungalow gemietet. Mit dem Womo waren wir noch nie dort, haben es aber auch mal vor. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute und noch viel Spaß mit Euerm Womo.
    Gruß Hermann.

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