Können Infrarotheizungen im Camper eine Alternative sein?

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Vor allem Dauer- und Wintercamper sind in den kalten Monaten auf eine Heizung angewiesen, wenn sie es im Wohnmobil oder Wohnwagen angenehm warm haben möchten und die Leitungen nicht einfrieren sollen. Gas und Diesel sind hier die meistverbreiteten Energieträger fürs Heizen, aber es gibt auch Alternativen und eine davon wäre eine Infrarotheizung. In diesem Beitrag geht es um die Vor- und Nachteile und würde mich über Eure Erfahrungen freuen.

Heizungsmöglichkeiten im Wohnmobil – wann eine Infrarotheizung Sinn ergibt 

Die meisten Camper haben serienmäßig eine dieser Heizungsarten eingebaut:

  1. Luftheizung: Luft wird im Heizelement erwärmt und mittels Gebläse im Camper verteilt.
  2. Wasserheizung: Ein Gemisch aus Glykol und Wasser wird erwärmt und in einen Kreislauf, z. B. in Heizkörper transportiert. Fahrzeuge mit Doppelböden haben auch oft eine indirekte Fußbodenheizung eingebaut.

Die Energieträger für beide Heizungsarten können sein: Gas, Benzin, Diesel oder Strom. Alle bis auf Strom wir einen Vorrat in Form von Flaschen oder Tanks. Das Heizen mit Gas geht außerdem mit zuästzlichen Sicherheitsauflagen und einigen länderspezifischen Vorgaben einher. Die Preise für fossile Energieträger wie Gas und Öl steigen stetig an und ein Ende ist nicht in Sicht. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich die Preiserhöhung zusätzlich verschlimmert.

Auch für unser stationäres Haus sehe ich mich schon seit geraumer Zeit nach einer alternativen Heizmöglichkeit um. Pellets kommen wegen des hohen Platzbedarfes bei uns nicht infrage und der Einbau einer Wärmepumpe wäre mit sehr großen und teuren Umbaumaßnahmen verbunden. Ich sage nur fehlende Fußbodenheizung und der Wasserspeicher benötigt ebenfalls viel Platz. Durch unsere Photovoltaikanlage bin ich auf Infrarotheizungen gestoßen und habe mich dabei gefragt, ob das nicht auch eine Alternative für den Camper seien könnte.

Sinn macht eine Infrarotheizung immer dann, wenn man…

  • Eine Stromquelle zur Verfügung hat (z. B. das Stromnetz auf einem Campingplatz oder eine große Photovoltaikanlage inkl. ausreichend Speicher).
  • Eine Zusatzheizung benötigt, die z. B. nur im Schlafbereich oder der Heckgarage eingesetzt werden soll.
  • Im Wohnmobil die Luftqualität verbessern und ein gutes Raumklima schaffen möchte. Die Infrarotheizung verhindert nämlich, dass die Luft im Raum austrocknet.

Kurz erklärt wie eine Infrarotheizung heizt

Von der Infrarotheizung geht langwellige Infrarot-C-Strahlung aus. Diese erwärmt nicht die Luft, sondern alle Gegenstände und baulichen Bestandteile im Camper – ähnlich wie Sonnenstrahlen.

Wie Infrarotstrahlung entsteht (©heatness.de)

Möbel, Wände, usw. nehmen die Infrarot-C-Strahlen auf und geben sie wieder in den Raum ab. So entsteht eine wohlige Wärme, welche ein wenig an die Wärme eines Lagerfeuers erinnert.

Eine Infrarotheizung kann mit ca. 130 W ca. 4 m² heizen – das sollte vor dem Kauf der Infrarotheizung beachtet werden. Entweder man wählt mehrere kleinere Paneele oder ein Infrarotpaneel mit entsprechender Leistungsstufe. Die Dämmung eures Campers ist natürlich auch bei der Verwendung von Infrarotheizungen ein wichtiges Merkmal, um grundsätzlich Energie einsparen zu können.

Vorteile beim Heizen mit Infrarot 

  • Die Heizung kann schnell und einfach installiert werden.
  • Das Paneel benötigt nur wenig Platz, da diese relativ schmal sind und sich auch gut an der Wand oder Decke anbringen lassen.
  • Es wird Strom statt Gas oder Diesel benötigt – kein Austausch und mitführen von Flaschen und kein umweltschädlicher Diesel mehr. Bei einer Ergänzung wir der Bedarf zumindest reduziert.
  • Flexibles Heizen: Egal wo man sich gerade aufhält, die Infrarotheizung kann dort zum Einsatz kommen, wo es gerade warm werden soll. So kann sie beispielsweise auch im Vorzelt zum Einsatz kommen und am Abend im Schlafbereich des Wohnmobils aufgestellt werden. Genügend Strom natürlich vorausgesetzt.
  • Schnelles und leises Heizen: Das Paneel erwärmt sich bereits nach wenigen Minuten und sofort wird Strahlungswärme in den Raum abgegeben und das völlig geräuschlos.
  • Kein Kondenswasser oder Schimmel: Durch die Infrarot-C-Strahlen bleiben die Wände des Campers trocken und warm und es besteht dabei auch keine Verbrennungsgefahr.

Nachteile der Infrarotheizung 

Wo Vorteile sind, sind auch immer Nachteile. Natürlich eignet sich die Infrarotheizung nicht für jedes Camping-Vorhaben. Vor allem für jene, die der Natur so nah wie möglich sein wollen und nur fernab von Camping- und Stellplätzen bzw. einer Stromquelle übernachten möchten, ist die Infrarotheizung nicht unbedingt das Richtige. Hier die Nachteile zusammengefasst: 

  • Die Möglichkeit einer ausreichenden Stromversorgung muss gegeben sein. Mit einfachen Versorgerbatterien würde man nicht lange heizen können.
  • Bei falscher Platzierung kann Heizungswärme verloren gehen: Deshalb darauf achten, dass das Paneel die Außenwände, aber nicht Fenster anstrahlt.
  • Da die meisten Camper keine große Photovoltaikanlage und Speichermöglichkeiten besitzen und auf den externen Stromanschluss angewiesen sind, müssen evtl. die Stromkosten berücksichtigt werden.

Aus Wind, Sonne und Wasser kann erneuerbare Energie hergestellt werden und auf lange Sicht wird diese auch günstiger sein als die fossilen Brennstoffe. Das wird natürlich noch einige Zeit dauern, weil der Strombedarf auch durch die Elektromobilität enorm ansteigt und dann Angebot und Nachfrage den Preis vorgeben.

Mein kurzes Fazit 

Mehrere kleine Infrarotpaneele könnten eine wohlige Wärme im ganzen Camper erzeugen und so das herkömmliche Heizsystem sogar teilweise ersetzen. Per Thermostat kann natürlich die gewünschte Raumtemperatur vorher genau definiert werden und die Infrarotheizung erledigt den Rest. Habt Ihr bereits Erfahrungen mit Infrarotheizungen und dieses evtl. sogar im Camper?

4 Kommentare
  1. Dirk Stork
    Dirk Stork sagte:

    Hallo, wir sind schon seit Jahren Camper und fahren mit unserem Wohnmobil nach Spanien wo meistens die Sonne scheint. Mit 460 WP und 2 Litzumbatterien sind wir autark ausgestattet und brauchen kein Stromnetz. Auch im Winter können wir so manche kalte Nacht überstehen. Falls es doch einmal zu kalt wird, schalten wir die Dieselstandheizung ein. Diese verbraucht nur sehr wenig Diesel.
    Wir sind sehr zufrieden mit dieser Lösung und freuen uns über weitere schöne Tage in unserem Carthago Wohnmobil. LG Dirk

  2. Bodo Schulz
    Bodo Schulz sagte:

    Hallo Marc,
    Du schreibst „Eine Infrarotheizung kann mit ca. 130 W ca. 4 m² heizen – das sollte vor dem Kauf der Infrarotheizung beachtet werden.“. So weit ich bei der Recherche zu dem Thema es verstanden habe, werden wohl eher 1.300 Watt benötigt um ein Wohnmobil wirklich heizen zu können.
    Gruß
    Bodo

  3. Bodo Schulz
    Bodo Schulz sagte:

    Hallo Marc.
    Das kleinste Modul benötigt 300 Watt. Und der von Dir genannte Hersteller schreibt dazu, ein Modul genügt nicht für eine Wärmeverteilung. Im Wohnmobil wirst Du also mindestens 3 Stück brauchen. Also fast 1000 Watt. Und damit endet der Einsatz ohne externen 230 Volt Anschluss … Es sei denn, man hat mehrere hundert Ah Lithium an Bord

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