Es bewegt sich etwas bei vollelektrischen Kastenwagen

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Die Elektromobilität ist im vollen Gange, und im Pkw-Segment steigen die Zulassungszahlen stetig. Etwa 14 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge hatten 2021 einen rein elektrischen Antrieb. Damit stieg der Anteil der E-Autos auf deutschen Straßen fast um das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr. Auch wir sind seit Kurzem Besitzer eines E-Autos aus dem Hause Mercedes. Jetzt sind wir aber auch in einer sehr komfortablen Situation, weil Sonja fährt die tägliche Strecke von ca. 500 Meter zu ihrer Arztpraxis mit dem Fahrrad und ich arbeite als digitaler Nomade von Zuhause oder von wo auch immer ich möchte. Auf dem Haus ist eine 20 KW Photovoltaik-Anlage mit zusätzlichem 10 KW Speicher im Einsatz und vor dem Haus befindet sich eine eigene Wallbox. Somit „tanken“ wir in der Regel unseren eigenen Strom bzw. beziehen den stark vergünstigt, aus der „Cloud“ unseres Anbieters SENEC. Auch unterwegs geht das zu den vergünstigten Konditionen und mit 110 KW am Schnelllader dann auch noch, wie der Name schon sagt schnell, mit dem Nachladen der Batterien.

70, wenn nicht sogar 80 % unserer Fahrten sind Kurzstrecke, damit meine ich alles bis insgesamt 200 Kilometer. Das ist also selbst mit der kleinsten Batterie gut zu schaffen und auch unsere bewegliche Schrankwand mit dem Namen Mercedes EQV stellt das vor keine große Herausforderung. Jetzt wollen wir aber mit dem EQV auch nicht in Urlaub fahren, denn dafür haben wir ja unseren wundervollen Dopfer 422A Family in der Einfahrt stehen. Wie sieht es denn mit vollelektrischen Wohnmobilen und besonders mit Kastenwagen aktuell aus?

Klassische Wohnmobile befinden sich beim Thema Elektroantrieb noch in der Findungsphase, auch wenn Hymer und Konsorten bereits an Hybrid-Lösungen arbeiten. Wer einen Kastenwagen ausbauen möchte, könnte auf den E-Ducato setzen. Dieser soll mit 79 kWh Akku-Kapazität bis zu 370 Kilometer schaffen, was ich bereits sehr bezweifle und preislich wird man sich mit der „großen“ Batterien dann etwa bei 90.000 Euro bewegen. Deutlich günstiger startet hier mit 48.790 Euro die Firma ELARIS mit ihrem Transporter CARO. Dieser soll bis zu 450 Kilometer Reichweite ermöglichen und sich mit bis zu 150 KW unterwegs laden lassen.

Wobei „günstig“ sich natürlich nur auf vergleichbare vollelektrische Transporter plus Ausbau bezieht. Bereits voll ausgebaute Kastenwagen mit Möbeln, Bett, Dusche, Klo, Küche und was das Camperherz noch so begeht, bekommt man ja seit Längerem für unter 40.000 €. Nur halt auf einem Basisfahrzeug mit Dieselantrieb. Ich glaube aber, dass am Ende zumindest bei Campern nicht der Preis das Hindernis ist, sondern die Reichweite und die länderübergreifende Versorgung mit Ladestationen. Alleine in Deutschland fehlenden uns hunderte von Stellplätzen für unseren vielen neuen Wohnmobile und bis die alle verfügbar und dann noch alle (inkl. der vorhandenen) mit Schnellladesäulen anstatt reinen 16 Ampere CEE Steckern ausgestattet sind, werden wohl noch viele Jahre vergehen.

Im Ausland sieht das teilweise noch viel schlimmer aus. In manchen abgelegenen Gebieten ist die nächste Tankstelle so weit entfernt, dass Reservekanister zur Grundausrüstung gehören. Das es aktuell kaum möglich ist, mit einem vollelektrischen Fahrzeug längere Strecken und das primär außerhalb Europas zu bestreiten, zeigt eindrucksvoll (Prädikat sehenswert!!!) die Serie „Long Way Up“ Star Wars-Star Ewan McGregor und Charley Boorman. Die beiden versuchen verzweifelt auf zwei vollelektrischen Motorrädern die Pan America von Feuerland nach Mittelamerika zu fahren. Spaß ist was anderes!

Es wird also leider noch einige Zeit dauern, bis Camper mit alternativen Antriebsarten zuverlässig durch die Welt bewegt werden können.

6 Kommentare
  1. Rüdiger Hinrichs
    Rüdiger Hinrichs sagte:

    Hallo liebe Mit-Camper groß und klein…
    Das Ganze mit der E-Mobilität ist eine völlige Sackgassentechnik, wenn es um Reichweite, Lade-Infrastruktur und Nachhaltigkeit geht ! – Einzig im innerstädtischen und (wirklichen) Nahverkehr sind ökologische Vorteile hinsichtlich Luftreinhaltung erkennbar… (fehlen nur noch neue Autoreifen ohne feinstaubemittierenden Abrieb !!!)
    Da warte ich doch lieber darauf, daß die Fahrzeughersteller endlich begreifen, daß die Wasserstoff-Antriebstechnologie der z.Zt einzige Weg ist, Mobilität und Ökologie in Einklang zu bringen.
    Wasserstoff-Tankstellen gibt es mittlerweile etliche in Deutschland… und auch im europäischen Ausland lassen sich die Tankstellen mit relativ geringem Aufwand nachrüsten.
    Bei den derzeit hergestellten E-Mobilen ist der jeweilige Akku das schwächste Glied in der Antriebskette… sowohl ökologisch wie auch ökonomisch ! – Warum wird nirgends darüber breichtet, was zb der Ersatz eines solchen Fahrzeug-Akkus kostet? Und so ein Akku ist durchaus nach ca 2 – 5 Jahren „fertig“ und muß ersetzt werden. 5stellige Beträge sind dafür die Regel… Bei schwereren Fahrzeugen (SUVs, Kleintransporter, Reisemobile) müssen die Akkus noch zusätzlich soviel Leistung bringen, daß dafür engmaschiges Nachladen nötig wird… was Zeit und auch Geld kostet.
    Hat irgendjemand den normalen Bürger einmal gefragt, ob er sich denn solche Umstände mit dem Kauf eines E-Fahrzeugs vorher überlegt hat? – Ich denke mal „Nein“.
    Die derzeitige E-Mobilität ist eine zeitlich begrenzte „Zwischen-Technologie“, die nach etwas mehr als 10 Jahren vermutlich schon auf den Schrottplatz der Mobilitätsgeschichte wandert.
    Zuletzt noch eine Frage an Alle:
    Was passiert denn mit all den neueren, recht sauberen Verbrenner-Fahrzeugen, wenn diese beim Kauf eines E-Fahrzeugs mit hohen Subventionen (= Steuergelder !!!) aus dem deutschen Straßenverkehr gezogen werden…? – NEIN ! – Die allermeisten werden nicht etwa auf den Schrottplätzen „plattgemacht“… die werden nach Afrika verkauft, wo die „ach so umweltschädlichen“ Vehikel lustig noch weitere 10 – 20 Jahre ihre Abgase in die Atmosphäre pusten dürfen…
    UND DAS SOLL DIE WELT VOR DEM UNTERGANG RETTEN ???

  2. Bodo Schulz
    Bodo Schulz sagte:

    Hallo Herr Hinrichs,
    also beim Wasserstoff werden wir uns dann weiterhin mit Staaten befassen müssen, die wir seit vielen Jahren sehr schätzen, weil diese uns Öl liefern. Kleinere Probleme mit Menschen- und Frauenrechte blenden wir einfach mal aus.,
    https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2021/03/20210311-altmaier-unterzeichnet-gemeinsame-absichtserkl%C3%A4rung-zur-deutsch-saudischen-wasserstoffzusammenarbeit.html
    Und beim Thema Elektro werden wir wohl die nächsten 30 Jahre den Strom als grünen Kernkraftwerken westlich von Deutschland beziehen. Insofern sind beide Varianten nicht wirklich eine Veränderung…

    Die „aufgebrauchten „Batterien aus den E-PKW wandern aber nicht auf den Schrott, sondern werden professionell für eine zweites Leben in E-Speicheranlagen der Erzeuger immer stärker zum Einsatz kommen,

    Wenn ich mit dem Wohnmobil unterwegs bin, sind meine Tagestouren eher bei 500 Kilometer. Und wenn ich angekommen bin, sollte noch genügend Saft in der Batterie sein, um meine Standheizung und weitere Verbraucher zu betreiben. Die heute angebotene Akku-Generation ist in etwa so ein Betrug am Verbraucher wie die Energiesparlampen. Die heutigen LED Lampen sind deutlich effizienter. Insofern werde ich frühestens in die E-Welt mit dem Wohnmobil eintauchen, wenn die nächste Generation (welche es schon gibt) der Akkus auch für den normalen Endverbraucher zur Verfügung steht.

    Und ja, eigentlich bin ich auch ein Fan vom Wasserstoffantrieb. ABER: nur wenn der Wasserstoff zu 100 % aus Wind, Wasser oder Sonne und REGIONAL hergestellt wird. KEINE ABHÄNGIGKEIT von Staaten der EU!

  3. Rüdiger Hinrichs
    Rüdiger Hinrichs sagte:

    Hallo Herr Schulz,
    Sie schrieben:
    „Wenn ich mit dem Wohnmobil unterwegs bin, sind meine Tagestouren eher bei 500 Kilometer. Und wenn ich angekommen bin, sollte noch genügend Saft in der Batterie sein, um meine Standheizung und weitere Verbraucher zu betreiben.“

    Die derzeit auf dem Markt erhältlichen Transporter bzw Reisemobile mit e-Antrieb haben keineswegs reale 500km Reichweite pro Akkuladung! – Geschweige denn, daß Sie am Ende der Fahrt noch genügend Restladung zum normalen wohnmobilen Aufenthalt samt Heizung, Licht, ggf TV, Kaffeemaschine, Wasserpumpe usw „übrig“ haben… Und wie lange wollen Sie dann an der Stromleine hängen?
    Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie wenig entspannt und zeitraubend so ein Reisemobil-Trip von zb Frankfurt/M. nach Kroatien… oder nach Portugal, Südspanien, oder auch ans Nordkapp sein würde…
    Any ideas?

  4. Bodo Schulz
    Bodo Schulz sagte:

    Hallo Herr Hinrichs,

    meine Kernaussagen sind eher in Richtung der Fragwürdigkeit gerichtet, woher kommen Strom und Wasserstoff. Beide Antriebsarten sind mit der heutigen Verfügbarkeit und Technik Meilenweit entfernt von der Praktikabilität und Effizienz des Diesel-Antriebs. Und 500 km benötige ich schon allein um von Berlin ins schöne Bayern oder an schöne Ziele der Nordsee zu gelangen. Portugal und Südspanien stehen eher selten auf meiner „Speisekarte“…

  5. Michael
    Michael sagte:

    E-WoMo… ziemlich unüberlegt und nicht echt durchsetzbar, meiner Meinung nach. Zum einen die Infrastruktur, das längere laden, wenn man nicht immer mit 80% schleichen will. Dann ist da ja noch das leidliche Thema „Gewicht“, was die weisen Köppe in der Politik nicht ändern wollen und die Industrie auch nicht einheitlich mach. Es ist doch jetzt nahezu unmöglich die 3,5er einzuhalten! wie soll es dann mit den riesigen Akkus werden???
    -Wir fahren nen Volvo XC90. Auf Grund der Akkus ist die elektrische Reichweite…. nett, um es nett zu sagen. Das Auto so macht irre Spaß!! Aber auch da sind die Akkus das Problem.
    Laut Papiere drei Tonnen brutto!!! Kann man, glaub ich irgendwo auf der Volvo Seite lesen.
    (…)
    Gruß Michael

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