Nachfrage nach Freizeitfahrzeugen war auch 2021 sehr hoch

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Eigentlich müsste der Artikel den Namen „Neuzulassungen von Freizeitfahrzeugen im Dezember 2021“ tragen und an die Artikel der letzten Monate anknüpfen. Natürlich findet Ihr auch hierin die üblichen Zahlen zum Vergleich, aber ich möchte auch etwas mehr auf die Hintergründe eingehen, denn die Nachfrage ist eigentlich ungebrochen hoch und dieses besonders bei Reisemobilen.

Die Gesamtzahl von unglaublichen 107.203 neu zugelassenen Freizeitfahrzeugen im Jahre 2020, zu denen Reisemobile und Wohnwagen zählen, wurde dieses Jahr wie zu erwarten nicht übertroffen. Am Ende waren es 2021 aber immer noch unglaubliche 106.138, was gerade einmal ein Minus von 0,99 % ausmacht. Jetzt muss man sich aber einmal die Hintergründe zu den Zahlen genauer anschauen, um zu verstehen, dass die Nachfrage bei Reisemobilen ungebrochen ist. Ich versuche mich an dieser Stelle also mal als Analyst und schaue etwas in die Glaskugel.

Alle Branchen stecken bezüglich stockender Lieferketten und gestiegener Rohstoffpreise vor großen Problemen. Man könnte auch sagen, die Campingbrache steckt ganz besonders tief im Schlamassel. Es sind am Ende kleine rollende Häuschen, in denen viele der wiederum sehr knappen und verteuerten Rohstoffe stecken. Lange (teilweise ungewisse) Lieferzeiten und natürlich auch gestiegene Preise von teilweise über 10 %, führen, wie auch Berichte von überfüllten Camping- und Stellplätzen sicherlich schon zu einer geringeren Nachfrage. Trotz dieser Situation gab es auch 2021 wieder eine Steigerung an Neuzulassungen von Reisemobilen.

Fangen wir aber mal mit den Wohnwagen an, diese hatten letztes Jahr einen Zugewinn von 8,2 % gegenüber dem Jahre 2019. In 2021 ist die Nachfrage dann aber stetig zurückgegangen und am Jahresende steht mit „nur“ 24.718 Neuzulassungen ein Minus von 15,2 % gegenüber dem Rekordjahr 2020. Hierbei müsste man berücksichtigen, dass auch die Pkw Branche dieselben Probleme hat und es daher auch an passenden Zugfahrzeugen mangeln könnte. Warum sollte man sich einen Wohnwagen vor dem Zugfahrzeug zulegen und kann ihn somit evtl. nicht einmal beim Händler vom Hof ziehen? Es kann also sein, dass die Nachfrage in den nächsten Monaten oder Jahren wieder ansteigt. Ganz abschreiben würde ich die an der Anhängerkupplung hängenden Häuschen also noch nicht.

Bei den Reisemobilen sieht es etwas anders bzw. noch komplexer aus. Hier wird neben dem Aufbau, welcher ein vielen Teilen ja einem Wohnwagen ähnelt, das eigentliche Fahrzeug zwingend benötigt. Fiat kam mit seinem Platzhirschen Ducato einfach der gestiegenen Nachfrage nicht nach. Durch den massiven Chipmangel musste Fiat die bestellten Chassis-Lieferungen auf 70 Prozent absenken. Von Werksschließungen während der Pandemiehochzeit in Italien mal ganz abgesehen. Bei Peugeot und Citroën sah es auch nicht wirklich besser aus, lediglich Mercedes konnte ein paar Chassis mehr ausliefern, weswegen etwa die zur Trigano Gruppe gehörende Marke Euro Mobil (siehe Markenübersicht) sein Model Profila nun auf Mercedes Sprinter, anstatt auf Fiat Ducato ausliefert.

Reisemobile hatten 2020 mit 78.055 neu zugelassenen Einheiten einen Wachstum von unfassbaren 44,8 % gegenüber 2019. Wer jetzt dachte, das ist 2021 nicht mehr zu toppen, der irrte und das trotz aller Probleme, die es bei Auslieferungen gab und leider immer noch gibt. 81.420 neu zugelassene Reisemobile im Jahr 2021 sind ein neuer Rekord, was am Ende immer noch eine Steigerung von 4,3 % ausmacht und es könnten evtl. noch viel mehr sein.

Es fängt schon bei den Problemen mit den Chassis an. Die Hersteller haben Ihre Produktion darauf abgestimmt, dass der eigentliche Aufbau nun mal auf ein vorhandenes Chassis aufgebaut wird. Fehlen die Chassis, stockt hier schon einer der ersten Produktionsschritte. Beim Aufbau mit seinen unheimlich vielen unterschiedlichen Komponenten, die wiederum von diversen Zulieferern kommen, sieht es natürlich auch nicht viel besser aus. Was hilft einem der fast fertige Camper, wenn er noch keine Dachluke hat, um nur eines von vielen Beispielen zu nennen. Nun stehen immer noch (in 2020) bereits bestellte Fahrzeuge halb oder nur teilweise fertig beim Hersteller und haben den Weg noch nicht bis zum Händler gefunden. Dieser nimmt dann ja oftmals auch noch Nachrüstungen für den Kunden vor und erst dann kommt es zur eigentlichen Auslieferung an den Kunden.

Das Ganze ist wie bei einem Dominospiel, indem ein Stein umfällt. Natürlich hat die Coronapandemie zu einer extremen Nachfrage geführt und sich wie ein Brandbeschleuniger ausgewirkt. Man darf aber nicht vergessen, dass es auch von 2018 auf 2019 bereits eine Steigerung von 15,2 % bei Reisemobilen und ein Plus von 13,1 % bei Wohnmobilen gegeben hat. Wenn also die benötigten Komponenten lieferbar wären und Händler ihre Lieferversprechen in akzeptablen Zeiträumen einhalten könnten, dann würde es sicherlich anders aussehen. Es wird sich also noch zeigen, ob die Nachfrage im Frühjahr trotz sicherlich weiter ansteigender Preise anzieht, oder ob der absolute Höhepunkt bereits erreicht wurde. Jetzt wünsche ich aber erst einmal allen Campern und die, die es noch werden wollen, dass Sie ihr bestelltes Fahrzeug schnellstmöglich ausgeliefert bekommen und diese schöne Reiseform genießen können

Neuzulassungen von Reisemobilen

Zeitraum2018201920202021Veränderung
MonatDezember1.4621.6764.9853.618-27,4%
KalenderjahrJanuar-Dezember46.85953.99278.05581.420+4,3%
3 MonateOktober2.4862.6104.9095.014+2,1%
November1.8752.0934.5234.248-6,1%
Dezember1.4621.6764.9853.618-27,4%
Gesamt5.8236.37914.41712.880-10,7%

Neuzulassungen von Wohnwagen

Zeitraum2018201920202021Veränderung
MonatDezember6347531.368623-54,5%
KalenderjahrJanuar-Dezember23.6932618827.78024.095-15,2%
3 MonateOktober1.2601.3941.6801.366-18,7%
November9101.0251.4501.024-29,4%
Dezember6347531.368623-54,5%
Gesamt2.8043.1724.4983.013-33,0%

Quelle: CIVD

1 Kommentar
  1. Karl Udo Stock
    Karl Udo Stock sagte:

    Hallo,

    meine Frage ist ob auch jeder genau das gekauft hat was er wollte und braucht? Immer wieder verkaufen Eigner von neuen Wohnmobilen weil Sie sich „vertan“ haben oder nicht ganz speziell beraten worden sind.
    Das hätte nicht sein müssen:

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