Reisebericht Skandinavien im Winter Teil 3

Wir hatten am Abend bereits den Parkplatz am Tomteland bezogen, aber den Kids noch nichts davon erzählt. Die dachten am nächsten Morgen wir würden zu einer Wanderung aufbrechen und haben dann aber große Augen gemacht, als wir stattdessen in die (passend zur Jahreszeit) Santaworld ins Tomteland gegangen sind.

Beim Tomteland handelt es sich um eine Art Märchenland, mit Elfen, Trollen, Wichteln, Hexen und weiteren lustigen Bewohnern. Alles ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und natürlich darf auch der Weihnachtsmann (Jultomte) in der Santaworld nicht fehlen. Es gibt ähnlich wie in der Astrid Lindgren Welt viele Aufführungen, bei denen viel (auf Schwedisch) gesungen und getanzt wird.

Der Eintrittspreis von etwa 120,00 Euro für eine vierköpfige Familie, ist für skandinavische Verhältnisse fast noch günstig. Wir haben dort ein paar sehr schöne Stunden verbracht und können den Besuch für Familien auf jeden Fall empfehlen. Wir hatten noch ein paar Tage Zeit und uns spontan entschieden, der schwedischen Hauptstadt Stockholm einen Besuch abzustatten. Daher Motor an und abgeht es vom Tomteland in Richtung Ostküste.

Auf dem Weg waren wir in Mora beim Stadium Outlet noch ein wenig shoppen. Hier bekommt man Winterkleidung zu guten Konditionen und wir wollten mal richtig dicke und warme Schneeboots haben. Unsere Wanderstiefel haben zwar einen guten Job gemacht, aber da ist noch Luft nach oben. Auch wenn sich unser Urlaub langsam dem Ende neigt und wir immer weiter Richtung Süden fahren, steht jetzt schon für uns fest, dass wir Skandinavien noch mal im Winter besuchen wollen und dafür sollte ein wärmeres Schuhwerk her.

Kurz vor Stockholm haben wir im Granåsens Naturreservat dann einen ruhigen Platz aufgesucht und dort die Nacht verbracht. Direkt am Platz liegt übrigens eine der besten Langlaufstrecken (auch dank Kunstschnee) in der Nähe von Stockholm. Am nächsten Tag brachen wir nach einem kleinen Spaziergang in Richtung Stockholm auf.

Auf insgesamt 14 Inseln erstreckt sich die schwedische Hauptstadt Stockholm, in der knapp eine Million Menschen leben. Die einzelnen Inseln sind durch mehr als 50 Brücken und Fähren miteinander verbunden. Stockholm kann man ausgezeichnet zu Fuß erkunden, oder man nutzt einen der vielen Elektroroller, die heute in vielen Städten vorzufinden sind.

Wir parkten unseren Camper nahe dem Rathaus am Wasser und auch hier kann man ganz einfach die App „EasyPark“ verwenden. Auf dem Platz direkt am Wasser darf man für maximal 24 Stunden stehen und so war auch unser Nachtplatz direkt gefunden. Wir machten uns dann zu Fuß auf zum Stockholmer Rathaus. Das Rathaus mit seinem roten Ziegel-Turm ist eines der berühmtesten Wahrzeichen der Stadt und hier findet auch das jährliche Nobelpreis-Bankett statt.

Von dort ging es an der Statue von Evert Taube weiter zum Riddarholmskyrkan, der letzte Ruhestätte für die Mitglieder der königlichen Familie von Schweden. Die Fundamente der Kirche stammen aus dem 13. Jahrhundert und wenn ein Ordensmitglied stirbt, läutet die Kirche für eine ganze Stunde die Glocken.

Vorbei am Palast Riddarhuset aus dem 17. Jahrhundert, ging es dann am Sitz des Parlaments vorbei zum Stockholmer Schloss, der offiziellen Residenz der schwedischen Königsfamilie. Das im Barockstil erbaute Schloss, hat mehr als 600 Räume und beinhaltet mehrere Museen. 

Weiter ging es dann in die Altstadt mit ihren kleinen Gassen und schönen Häuschen zum Järnpojke. Hierbei handelt es sich um eine gerade einmal 15 cm große Statue, welche sich in einem kleinen Hof befindet. Seit die Statue 1967 entdeckt wurde, kommen Leute hierher und streicheln dem Jungen über den Kopf und legen ein kleines Geschenk ab, denn das soll Glück bringen. So wurde von uns eine 10-Cent-Münze abgelegt, der Kopf gestreichelt und ein Wunsch geäußert. Mal sehen, ob es klappt.

Die Gassen in der Altstadt sind alle nicht gerade breit, aber nichts gegen die Mårten Trotzigs Gränd und hierbei handelt es sich um die mit maximal 90 cm engste Straße Schwedens. 

Nur ein paar Gassen weiter liegt der Platz Stortorget. Es ist der älteste Platz in Stockholm und bildet das historische Zentrum, auf dem das mittelalterliche städtische Konglomerat allmählich entstanden ist. Wir sind dann mit der Fähre auf die Insel Djurgården zum Vasa-Museum gefahren, um uns das 1628 gesunkene und fast vollständig erhaltene Kriegsschiff Vasa anzusehen. Der sich am Anlieger befindende und älteste Freizeitpark Schwedens, Tivoli Gröna Lund hatte leider geschlossen und so sind wir weiter zum Museum gelaufen.

Leider blieb uns der Eintritt aber verwehrt, denn Hunde sind nicht erlaubt. Wir prüften kurz die vorherrschende Parkplatz-Situation und beschlossen, morgen nach dem Frühstück am Vasa-Museum zu parken und Luna ein Weilchen mit einem Kauknochen im warmen Camper zu lassen. Uns blieb somit zunächst bedauerlicherweise nichts anderes übrig, als bei einsetzender Dunkelheit und gleichzeitig beginnendem Schneefall, wieder in Richtung Camper aufzubrechen. Wir bummelten noch ein wenig durch Stockholm, was bei Dunkelheit und Schneefall gleich anders aussieht. Auf dem Weg gingen wir noch etwas zu Abend essen, bevor wir im Camper den Abend ausklingen ließen.

Am nächsten Tag sind wir dann zum Vasa-Museum gefahren und haben dort unseren Camper auf 1,5 Parkplätzen abgestellt, was uns evtl. noch teuer zu stehen kommen kann. Im Museum sieht man das auf seiner Jungfernfahrt 1628 gesunkene Kriegsschiff Vasa. Das Schiff war für Schweden damals ein Prestigeprojekt. Sie hatte 64 Kanonen, eine totale Länge von 61 Metern, war mit Beplankung 11,3 Meter breit und vom Kiel bis zum Flaggenknopf des Großmastes 52,2 Meter hoch. Insgesamt schon sehr beeindruckend so etwas in Originalgröße sehen zu können.

Nach 333 Jahre am Meeresboden wurde das imposante Kriegsschiff geborgen und ist das am besten erhaltene Schiff des 17. Jahrhunderts. Dieser einzigartige Kulturschatz umfasst 98 Prozent der Originalteile, darunter Hunderte kunstvoll geschnitzter Holzskulpturen. Neben dem Schiff gibt es in dem Museum auch verschiedene Ausstellungen zur kurzen, aber dennoch umfangreichen Geschichte der Vasa. Mehrmals täglich werden Museumsführungen und auch auf Deutsch angeboten. Aber auch Audioguides vermitteln einem sehr gutes Hintergrundwissen.

Wieder am Camper sahen wir den gelben Zettel. Ein Knöllchen, weil mehr als einen Parkplatz belegt hatten, für den wir natürlich (per EasyPark App) bezahlt hatten. Umgerechnet etwa 110,00 Euro soll uns das Vergehen kosten. Das Sonja einen Teil des Platzes erst einmal von rumstehenden Elektrorollern befreit hat, wir keine zwei Tickets/Fahrzeuge in der App buchen können, haben wir in einer Mail an den Betreiber erklärt und warten nun auf hoffentlich positive Antwort.

Ansonsten war es neben den 34,00 € für zwei Erwachsene (Personen bis 18 sind frei) nämlich ein recht teurer Museumsbesuch. Wir hatten im Familienrat beschlossen, von Stockholm in einem Rutsch bis kurz vor Malmö zu fahren. Der Tag war ohnehin fast gelaufen und lieber an einem Stück fahren, als in etwas unsinnigen Etappen. So ist das leider, wenn man weit in den Norden oder Süden fährt, nur ein begrenztes Zeitfenster hat und sich der Urlaub (leider) dem Ende neigt. Also haben wir nach einigen Pausen am Abend einen Platz am Meer in Löddesnäs bezogen, um unsere letzte Nacht auf skandinavischem Boden zu verbringen. Am nächsten Tag ging es dann an Malmö vorbei über die Öresundbrücke und weiter durch Dänemark nach Hause.

Fazit

Skandinavien ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, soviel steht fest. Der Winter hat uns im Norden Europas ausgezeichnet gefallen und wir werden auch zu dieser Jahreszeit wiederkommen und dann über den Polarkreis fahren, um die Nordlichter sehen zu können. Die meisten Straßen waren gut geräumt, sodass man hier auch ohne Schneeketten gut vorankommt, aber man sollte auf jeden Fall welche dabeihaben. Freistehen ist grundsätzlich auch möglich, aber ein Großteil der Campingplätze hat auch im Winter geöffnet. Natürlich kann man keine so großen Wanderungen unternehmen und die Wege zu Sehenswürdigkeiten, wie etwa der Trollzunge sind verständlicherweise gesperrt, aber kleine Touren, etwa durch die verschneiten Wälder sind machbar und auch sehr schön.

Grundsätzlich muss man aber bedenken, dass die Sonne nur bis ca. 14:30 Tageslicht spendet und danach herrscht wieder totale Dunkelheit. Soll heißen, dass sich auch ein recht großer Teil des Urlaubs drinnen abspielen wird. Entspannt vor dem Camper sitzen und den Sonnenuntergang genießen ist nun mal nicht möglich. Die, nennen wir es mal „Nutzungszeit“ eines einzelnen Urlaubstages, ist im Winter aus unserer Sicht deutlich geringer, als im Sommer. Das sollte man einfach bedenken, wenn man eine solche Reise plant. Dafür ist die Landschaft natürlich im Winter auf eine andere Art atemberaubend schön. Insgesamt ist Skandinavien im Winter auf jeden Fall zu empfehlen.

Daten der Reise


Kosten der Reise


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