Reisebericht Skandinavien im Winter Teil 1

Unsere Reise beginnt wie eigentlich immer direkt nach der Arbeit bzw. nach der Schule. So sind wir auch diesmal am frühen Nachmittag aufgebrochen, mit dem Reiseziel Norwegen. Die letzten Wochen haben wir neben dem Treffen von ein paar notwendigen Vorbereitungen, vor allem aber die Einreisebestimmungen nach Norwegen beobachtet und waren froh, dass sich an diesen nichts mehr groß geändert hatte. Von Oldenburg sind wir dann nach Puttgarden auf Fehmarn gefahren.

Die Tickets für die Fähre mit einem flexiblem Rückreisedatum, haben wir auf der Fahrt bequem vom Handy aus gebucht. So konnten wir ohne Wartezeit direkt in die Fähre fahren und nach etwa 45 Minuten waren wir bereits in Rødby (Dänemark) angekommen. Für Wohnmobil und 4 Personen macht das insgesamt 250,00 Euro. Von Rødby ging es direkt weiter über die Öresundbrücke nach Schweden. In der Nähe von Malmö haben wir auf einem Stellplatz unsere erste und ruhige Nacht in Skandinavien verbracht.

Am nächsten Morgen starteten wir unsere Weiterfahrt über die E20 bzw. die E6 in Richtung Norwegen. Bei Grenzübertritt muss sich jeder auf COVID-19 testen lassen. Ebenfalls ist im Vorfeld eine Online-Registrierung für Personen über 16 Jahre erforderlich. Bis wir an der Reihe waren, dass uns kurz ein Stäbchen in die Nase gehalten wurde, hat es aber knapp 2 Stunden gedauert. Dann wartet man im Auto noch kurz auf sein Ergebnis und wenn alles OK ist, wird man vom freundlichen Herrn durchgewunken und darf seine Reise fortsetzen. Unser Impfstatus wurde übrigens nicht überprüft, aber sei es drum, wir sind in Norwegen angekommen.

Der nächste Rastplatz wurde kurz für ein Abendessen (Tortellini mit Pesto geht eigentlich immer) angesteuert und weiter ging es auf einen Platz in Oslo. Den Platz oberhalb der Sprungschanze haben wir bei -14° gegen 21:00 erreicht und bis auf ein paar Autofahrer, die hier eine Runde driften wollten (wir waren auf mal jung), war es angenehm ruhig. Am nächsten Morgen sind wir dann nach Fagernes in der Kommune Aurdal gefahren.

Kurz nach Mittag kamen wir am Campingplatz „Fagernes Camping“ an, aber die Rezeption war nicht besetzt. Ein Anruf bei der angegebenen Nummer, zeigte dann aber wieder, wie unkompliziert die Norweger sind. In einem Kasten befinden sich Umschläge und darin die Keycard, mit der wir die sanitären Einrichtungen nutzen können. Die Stromsäulen sind offen und wir sollen uns einfach einen freien Platz aussuchen. Wenn wir wieder fahren wollen, dann mögen wir noch mal anrufen und wir treffen uns an der Rezeption für die Bezahlung.

Der Platz war bis auf einen Camper aus Schweden aber Menschenleer. Wir suchten uns ein Plätzchen am Wasser, schlossen den Strom an, damit die Alde Heizung etwas kostbares Gas sparen konnte und gingen noch eine Runde spazieren.

Danach haben wir noch ein paar Kleinigkeiten im nahegelegenen Supermarkt besorgt und am Abend gab es nach der Bescherung ganz traditionell ein leckeres Fondue. Am nächsten Tag haben wir eine kleine Wanderung auf den Kviteberg (562m) unternommen.

Eigentlich nicht weit und keine große Herausforderung, wenn der Weg nicht vollständig vereist gewesen und man teilweise nur mit Mühe und vor allem recht langsam vorangekommen wäre. Nach etwa 2 Stunden sind wir wieder im warmen Camper angekommen und planten unsere nächste Tour.  

Am nächsten Morgen haben wir auf dem Campingplatz noch u.a. Frischwasser aufgefüllt, die gewünschten 700 NOK bezahlt und los ging die Fahrt. Unser erstes Ziel die ca. 7 km entfernte LPG Station. Wir haben bis hier hin zwar nicht viel Gas verbraucht, aber LPG gibt es in Skandinavien einfach nicht so oft und haben, ist besser als brauchen. Als die Tanks wieder voll waren, sind wir auf der E16 in Richtung Bergen gefahren. Nächstes Ziel war die Aussichtsplattform Stegastein oberhalb vom Aurlandsfjord.

Kurz vor dem Örtchen Aurland, fährt man über die E16 durch den Lærdalstunnel, welcher mit 24,51 km der längste Straßentunnel der Welt ist. In Aurland muss man dann nur noch die 5 Kilometer langen und mit Eis und Schnee bedeckten Serpentinen erklimmen, was mit Allrad und ordentlich PS unter der Haube sehr gut geklappt hat. Zitat des hinter uns fahrenden PKW´s oben an der Aussichtsplattform angekommen „You are an excellent driver“. Das geht natürlich runter wie Butter, auch wenn das größte Lob sicher an unseren Sprinter mit V6 und 190 PS ging.

Vom Stegastein sind wir dann die Serpentinen wieder runter und noch ein paar Kilometer bis ins kleine Örtchen Flåm gefahren. Dort haben wir an der Kirche aus dem Jahr 1681 geparkt, um dort die Nacht zu verbringen. Vom Platz aus haben wir uns noch schnell die Tickets für die Flåmbahn am nächsten Tag gebucht, welche zu eine der schönsten Zugstrecken auf der Welt zählen soll.

Innerhalb einer Stunde bringt einen die Bahn von Meeresspiegelniveau in Flåm am Aurlandsfjord hinauf zur Bergstation Myrdal auf 867 Metern. Dabei fährt man durch insgesamt 20 Tunnel, und einer nimmt dabei sogar eine 180-Grad-Kurve im Inneren des Berges. Wer möchte, kann in Myrdal auch in einen Anschlusszug nach Bergen und Oslo umstiegen. Wir haben uns aber für die Hin- und Rückfahrt entschieden.

Am Vormittag sind wir ein paar Minuten bis zum Bahnhof gefahren, haben den Camper abgestellt und für die nächsten 3 Stunden gegen die Flåmbahn getauscht. Um 11:45 ging die Reise los und am besten bezieht man für die Hinfahrt einen Platz auf der rechten Seite, denn hier genießt man die beste Aussicht. Die Bahn tuckert ganz gemütlich zu Ihrer Endstation Myrdal und die vorbeiziehende Landschaft ist wirklich beeindruckend.

Nach etwa zwei Dritteln der 45 Minuten langen Fahrt, legt die Bahn einen 5 minütigen Zwischenstopp am Wasserfall Kjosefossen mit einer Fallhöhe von 93 Metern ein. Hier darf man für Fotos gerne aussteigen, was auch wir natürlich genutzt haben, auch wenn der Wasserfall in unserem Fall vollständig eingefroren war, sah er dennoch super aus.

In Myrdal hat man 52 Minuten Aufenthalt und könnte eine der insgesamt 11 Stationen laufen und in Vatnahhalsen zusteigen. Man sollte sich dann aber beeilen, denn die Flåmbahn ist sehr pünktlich und wartet nicht auf einen. Wir sind aber nur ein paar hundert Meter die Strecke entlang gelaufen, haben Fotos geschossen und sind dann wieder zurück nach Myrdal.

Auch auf der Rückfahrt kann man sich an der wunderschönen Landschaft nicht sattsehen. Wir werden sicherlich einmal im Sommer wiederkommen, denn die Flåmbahn ist definitiv wieder eine Reise wert und die umgerechnet 150,00 Euro waren gut angelegtes Geld.

Von Flåm aus ging unsere Reise weiter nach Bergen, der regenreichsten Stadt Europas. Die Wettervorhersage war aber gut (trocken) und Bergen haben wir bis dato weder im Winter noch bei Nacht besucht. In Bergen und anderen Orten der Küste, ist aufgrund es Golfstroms übrigens deutlich „wärmer“, als im Landesinnere. In unserem Falle waren das anstatt -10° in Flåm dann -0,5° in Bergen.

Wir parkten den Camper am Hafen nahe der Anlegestelle für die Hurtigruten. Bezahlt wird hier bequem per App „EasyPark“. Konto erstellen, Kreditkarte hinterlegen und schon kann es losgehen.

Die maximale Parkdauer ist auf den meisten Parkplätzen auf maximal 2 Stunden begrenzt. Hier am Hafen sind es aber ausreichende 5 Stunden. Bis ins beliebte Hanseviertel Bryggen, sind es zu Fuß nur etwa 15 Minuten. Auf dem Weg haben wir Pepperkakebyen besucht. Es handelt sich um ein großes Miniaturdorf, welches komplett aus Lebkuchen gefertigt ist. Mehr als 2000 Bauwerke gibt es hier zu bestaunen. Kirchen, Burgen und Schlösser und vieles mehr, sorgen für eine märchenhafte Atmosphäre. Schulen, Kindergärten, Firmen und zahlreiche Privatpersonen beteiligen sind seit 30 Jahren immer an dem Bau dieses Miniaturdorfes.

Eigentlich wollten wir die Fløibane auf den 320 Meter hohen Fløyen nehmen, aber diese wurde gerade renoviert. Also sind wird zu Fuss so weit wie möglich auf den Fløyen gelaufen und haben ein paar Fotos von Bergen bei Nacht geschossen.

Wieder am Camper angekommen, wollten wir eigentlich auf einen der beiden Stellplätze fahren und dort übernachten. Leider sind aber beide nicht mehr (oder im Winter) in Betrieb. Auch sonst gibt es in Bergen kaum eine offizielle Möglichkeit, mit dem Camper zu übernachten. Das finden wir insgesamt sehr schade und für eine so große und schöne Stadt ein Armutszeugnis, aber das gilt leider für viele Städte in Europa.

Wir irrten mit dem Camper dann noch einige Zeit durch die vielen Tunnel der Stadt, aber leider ohne Erfolg und haben dann Bergen verlassen und sind noch etwa eine Stunde bis zu einem Platz bei Bjørkeim im Årland gefahren.

Dort haben wir eine ruhige Nacht verbracht. Bis jetzt hat uns die Technik unseres Campers nicht im Stich gelassen und es klappt alles wunderbar. Die Straßen sind mit Winterreifen gut befahrbar und wir wollen insgesamt hoffen, das alles so entspannt bleibt. Nun fahren wir weiter in den Nordosten und hoffen auf noch mehr Schnee. Weiter geht es im nächsten Teil….

4 Kommentare
  1. Micha
    Micha sagte:

    Das liest sich alles schon sehr schön! Und wenn du die Strecke zum Stegastein im Winter bergauf gemeistert hast, war das Lob sicherlich gerechtfertigt. Sind die Passstraßen dort dann gestreut? Im hohen Norden wird ja Schnee wohl nur geräumt.

    Ich freue mich schon auf den nächsten Bericht!

    Liebe Grüße
    Micha vom Momoblog

  2. Bernd
    Bernd sagte:

    Weiterhin gute Fahrt!
    Ganz schoene Etappen die ihr da so abreitet pro Tag – das waere mir echt zu viel.
    Wieviel Zeit habt ihr insgesamt?

    Beste Gruesse Bernd

  3. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hi Micha, die großen Straßen wie etwa die E6 oder E16 sind mit Salz gestreut. Andere Straßen werden teilweise nur geräumt. Heute sind wir aber auch ca 50 Kilometer über eine reine Eisschicht gefahren. Da war nichts geräumt oder gestreut. Hat aber alles geklappt. Viele Grüße Marc

  4. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Bernd, solange alle damit einverstanden sind, fahren wir auch mal längere Strecken. Machen aber auch immer wieder mal eine Pause. Ab 16:00 ist es eh stockdunkel ;-) wir haben insgesamt 19 Tage Zeit. Viele Grüße Marc

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