Private Stellplätze online buchen – Ein Erfahrungsbericht

Wer einen offiziellen Stellplatz für die Nacht sucht, der nutzt in der Regel die gängigen Stellplatzführer, welche in der heutigen Zeit natürlich auch als App angeboten werden. Das war es dann aber auch schon mit der schönen neuen Digitalisierung, denn man kann weder den aktuellen Belegungsstatus eines Platzes abfragen, noch lassen sich die Plätze im Vorfeld reservieren oder gar buchen. Ärgerlich ist es nämlich schon, wenn ein Platz zwar wunderschön, aber bereits belegt, oder aus welchen Gründen auch immer geschlossen ist. Hier hätte man sich über verlässliche Angaben und leicht zu bedienende Reservierungsmöglichkeiten gefreut. Auch gefallen nicht jedem die „größeren“ Stellplätze, wo Reisemobile brav in Reih und Glied stehen und das ganze weder persönlich, noch naturbezogen ist.

In der jetzigen Jahreszeit, in der manche Camper bereits abgemeldet in ihrem Winterquartier stehen, findet man eher noch ein freies Plätzchen, aber in den beliebten Sommermonaten sind einfach zu viele Camper auf Tour. Hier passen dann Angebot und Nachfrage von Stellplätzen leider nicht mehr und es wird teilweise erbittert um einen freien Platz gerungen. Das hat dann teilweise etwas von der Reise nach Jerusalem. Alternativen wären hierfür private Stellflächen und solche Plätze zu vermitteln, dass haben sich einige neue Anbieter auf die Fahnen geschrieben, worüber ich auch bereits berichtet habe. Einer von diesen ist der Anbieter VanSite und wir haben das Angebot mal in den Herbstferien ausprobiert.

Dank einer passenden App ist das etwa mit der Umkreissuche alles kein Problem und man kann noch ein paar Filter anwenden. Preislich geht es auf ganz Deutschland bezogen ab 5,75 € los und endete (Stand 27.10.2021) bei 74,75 €. Die Plätze sind in der Regel aus privater Hand und daher nicht mit einem „normalen“ Stellplatz zu vergleichen. Was die eigentliche Location angeht, so kann dies aber auch von Vorteil sein. Man steht häufig (den Fotos und Beschreibungen nach) in der Natur und das auch meistens alleine, weil man den Platz bzw. das Grundstück teilweise für sich alleine hat. Dafür bekommt man aber nicht die sonst übliche Ver- und Entsorgung geboten. Wasser und Strom sind noch das kleinere Problem, selbst Toiletten und Duschen werden teilweise angeboten. Eine Entsorgung für Chemie-Toiletten, Müll oder Wi-Fi findet man aber nur sehr selten.

Vorwort. Der Anbieter VanSite ist wie auch die klassischen Stellplatzführer für die Qualität des eigentlichen Stellplatzes nicht verantwortlich, auch wenn er für die Buchung bzw. Vermittlung eine Provision in Höhe von 15 % erhält.

Fehlende Verbindlichkeit

Wir suchten uns von Garmisch-Partenkirchen aus, in näherer Umgebung einen passenden Platz und einen weiteren dann weiter nördlich für den Weg nach Hause. Bei beiden Plätzen war auch nur „Buchung auf Anfrage“ und nicht „Sofort buchbar“ angegeben und hier kommt ein Teil, der mir (aus sich das Gastes) nicht so gut gefällt. Bei den meisten Plätzen ist nämlich nur eine „Buchung auf Anfrage„ möglich. Der Betreiber hat dann maximal 72 Stunden Zeit auf die Anfrage zu reagieren. Es kann also sein, dass man nach 48 oder mehr Stunden eine Absage erhält, weil der private Betreiber evtl. an dem Tag gar nicht Vorort, oder der Platz anderweitig vergeben ist. Von den 524 gelisteten Stellflächen (Stand 27.10.2021), waren nur 104 als sofort buchbar angegeben.

Zwar kam in unserem Falle von beiden Anbietern die positive Antwort und somit die Buchungsmöglichkeit in weniger als 30 Minuten, aber es hätte auch anders sein können. Hier würde ich mir mehr Verbindlichkeit, wie etwa bei freien Hotelzimmern wünschen. Die Hoteliers tragen freie Kontingente bei den Plattformanbietern ein und der Kunde kann online die Verfügbarkeit sehen und entsprechend direkt buchen. Auch können Buchungen auf Anfrage erst mit Annahme der Buchung durch den Gastgeber storniert werden. Eine ausstehende Buchungsanfrage kann aktuell nicht storniert werden. Was aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn ergibt. Wenn ich nämlich nach 48 Stunden noch keine Antwort erhalte haben und mir dann verständlicherweise eine Alternative suchen muss, ist meine Anfrage immer noch offen und kann von mir nicht storniert werden. Hier hat dann zwar noch keine verbindliche Buchung stattgefunden, aber es macht auch meiner Sicht so keinen Sinn.

Wir konnten aber in beiden Fällen recht schnell buchen und auch direkt in der App per Kreditkarte bezahlen, wobei auch SEPA-Lastschrift möglich gewesen wäre. Man erhält übrigens erst nach erfolgreicher Buchung die genaue Adresse des Platzes. Vorher sieht man auf der Karte nur ein Gebiet, wo sich der Platz im Umkreis von 1. Kilometer etwa befindet. Somit kann man im Vorfeld nicht prüfen, ob der Platz nah an einer Straße oder ähnlichem liegt. Das kenne ich so nur von Immobilienanzeigen, bei denen ein Makler eingeschaltet ist.

Unsere ersten Buchung

Was unseren ersten Stellplatz in Kochel am See anging, so war der eher für kleinere Fahrzeuge geeignet und wir hatten es schon nicht leicht in die schmale Einfahrt zu kommen. Von einer fehlenden Beschilderung an der Straße mal abgesehen und so standen wir erst mal auf dem Hof und wussten nicht so Recht, ob das hier wirklich der Platz sein sollte. Kurzer Anruf beim Betreiber klärte aber auf, ja hier sind wir richtig. Wir standen dann am Ende mit unserem Camper vor einer Garage neben einer kleinen Grünfläche. Der Betreiber war aber ohne Frage freundlich und hilfsbereit. In der App war für den Platz aber auch für Wohnmobile über 7 Meter angegeben, was in der Realität mit dem ein oder anderen Camper nicht ganz so entspannt werden würde. Für 28,75 € pro Nacht, muss ich sagen, nein, das passt für uns vom Preis-Leistungs-Verhältnis hier nicht. Also mal schauen, was die nächste Buchung an Überraschungen mit sich bringt. 

Unsere zweite Buchung

Die zweite Buchung war ein Platz vor dem Wasserschloss in Unsleben aus dem 15. Jahrhundert. Hier wurden wir einen Tag vorher von der Sekretärin der Gräfin Viktoria zu Waldburg Wolfegg angerufen, wann wir denn in etwa anreisen würden und um aktuelle Corona Test bzw. Impfnachweise gebeten. Die Gräfin wäre bei unserer geplanten Ankunftszeit (16-18 Uhr) jedoch nicht Vorort, würde uns aber im Vorfeld eine Skizze zusenden, wo wir uns dann mit dem Camper hinstellen können. Eine Mail mit Skizze haben wir nicht bekommen und so stellen wir uns gegen 17:00 Uhr auf den Hof mit Blick vor dem eigentlichen Wasserschloss.

Im Schloss werden verschiedene Ferienwohnungen wie Burghäuschen, Falkennest, Gärtnerhaus oder die alte Brauerei angeboten. Somit war hier ein ganz guter Betrieb und der Hof am Ende mit einigen Autos gefüllt. So idyllisch wie auf dem Foto war es dann also auch nicht ganz. Es wurde auch nicht an unsere Tür geklopft um Corona Nachweise zu kontrollieren, oder uns einen anderen Platz zuzuweisen. Ob wir hier am Ende also richtig standen, können wir somit gar nicht beantworten. Die Nacht selbst war hier aber angenehm ruhig und wir holten uns zum Frühstück ein paar Brötchen beim nahegelegenen Bäcker und machten uns danach auf die Heimreise.

Unser Fazit

Was die meisten Wohnmobilstellplätze angeht, so vermisse ich schon eine gewisse Kundenfreundlichkeit in Richtung Digitalisierung. So würde ich mich wie schon eingangs erwähnt etwa darüber freuen, die aktuelle Belegung des Platzes online zu sehen und auch einen Platz buchen zu können. Das kann auch gerne dann verbindlich sein, also wenn ich nicht komme bzw. bis zu einem gewissen Punkt nicht absage, dann muss ich trotzdem voll oder anteilig bezahlen. So wie man das auch vom Hotel her kennt.

Wir benötigen keine besondere Infrastruktur auf dem Platz. Mülleimer, Gulli und evtl. ein Frischwasseranschluss reichen uns in der Regel vollkommen aus. Auch verbringen wir insgesamt wenig Zeit auf dem Platz, also außer um zu Essen und um (gerne ruhig) zu schlafen. Was die beiden privaten Plätze angeht, so fanden wir die fast 30 Euro pro Platz und Nacht, insgesamt einfach nicht angemessen. Es war auch nicht immer so einfach, den Platz zu finden, oder unkompliziert zu wissen, wo man sich hinstellt. Das ist auf den „klassischen“ Stellplätzen in der Regel deutlich einfacher umgesetzt. Hier fehlt es den Anbietern evtl. an eigener Erfahrung, was Camper benötigen und an Plätzen zu schätzen wissen.

Ich finde das Prinzip private Flächen zu vermieten grundsätzlich sehr interessant. Vor allem in Sommermonaten, wenn viele Camper unterwegs und die vorhandene Infrastruktur bereits am Limit ist, können solche Plätze eine sehr gute Alternative bzw. Ergänzung darstellen. Leider findet man auch nicht jeden Platz bei jedem Anbieter, was unterschiedliche Gründe haben mag, es aber für den Gast nicht gerade erleichtert. So habe ich einen unsere beiden Plätze bei weniger als der Hälfte der Portale gefunden, den anderen wiederum nur bei VanSite. Es war einen Versuch wert und wir werden weitere Portale ausprobieren, auch wenn wir aktuelle noch „offizielle“ Stellplätze bevorzugen.

5 Kommentare
  1. Winny
    Winny sagte:

    Besten Dank und viel Erfolg weiterhin bei der Suche nach einem ruhigen schönen Plätzchen.
    Bleibt gesund!

  2. Bernd Stoeckl
    Bernd Stoeckl sagte:

    20 oder 30 Euro fuer ein Stueck Wiese – das ist doch etwas heftig.

    Da wird versucht von der grossen Freiheit und dem Vanlife zu profitieren.
    Legitim – muss man aber nicht mit machen.

    Beste Gruesse Bernd

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