Hier lest Ihr den zweiten Teil über unsere Sommerferien 2021 in Norwegen und Schweden und zum ersten Teil gehts hier entlang. Bis jetzt haben wir insgesamt recht wenige Camper aus Deutschland angetroffen und das war auf der Hinreise auch auf den größeren Straßen in Schweden der Fall. Die Sommerferien beginnen in Niedersachsen aber auch recht spät und wir fahren davon in der Regel die letzten drei Wochen. Zwar verpasse ich dann immer wieder den Caravan Salon, aber man kann ja nicht alles haben. Unsere Freunde Dagmar und Markus berichteten von recht vielen anderen Wohnmobilen, während ihrer Zeit (3 Wochen zuvor) in Schweden und leider auch von immer mehr Verbotsschildern, was bei dem rücksichtslosen Verhalten einiger weniger (hoffe ich zumindest) leider kaum zu vermeiden ist.

Wir halten nur dort, wo es nicht verboten ist und wo wir auch Mensch und Tier nicht stören. Müll hinterlassen wir keinen und an einem Platz auch mal liegengebliebene Dinge einzusammeln, ist für uns selbstverständlich. Gerne zahlen wir auch für einen Platz, nur „volle“ Campingplätze sind nicht so unser Ding. Ver- und Entsorgung benötigen wir am Platz ja auch nicht. Dank den jeweils 300 Liter großen Tanks für Frisch- und Abwasser, sowie 440WP Solar und 200Ah Lithium, sind wir sehr autark unterwegs. Die Trenntoilette war im neuen Camper übrigens einer der besten Entscheidungen der letzten Jahre, aber darauf gehe ich später noch etwas genauer ein.


Eine Wanderung im Skigebiet

Von dem schönen Plätzchen am Onevatn fuhren wir weiter in den Norden und sind „Den edlste Stigen“ (Den ältesten Weg) in der Bykle Kommune gelaufen. Hier kann man auf einigen Kilometern mal grob erahnen, wie man sich um 1840 mit Pferden und Karren über Stock und Stein am reißenden Fluss entlang bewegt haben muss. Danach suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen am Hartevatnet im Skigebiet und genossen die Stille direkt am Wasser.

Auch wenn am nächsten Tag der Himmel etwas bewölkt war, sind wir nach Setesdal gefahren und dem 10 Kilometer langen Rundweg „Bortemannsbekken“ durchs Fjell gewandert. Wie immer kann das Wetter in Skandinavien innerhalb von wenigen Minuten umschlagen und so schnell der Regen gekommen war, ist er auch schon wieder vorbei. Dank guter Regenkleidung ist das aber alles eigentlich kein Problem. Wieder am Parkplatz angekommen freuten wir uns über die neue Außendusche, weil Hündin Luna brauchte unter anderem eine ordentliche Unterbodenwäsche.

Als Luna wieder ihre Ursprungsfarbe weiß erreicht hatte, sind wir die E9 wieder Richtung Süden gefahren und haben kurz vor Evje in Grendi am Byglandsfjorden einen kleinen Platz bezogen.

Familien Rafting in Evje

Wie eigentlich immer in unseren Sommerferien feiern wir einen Geburtstag und so auch heute. Mia wurde 13 Jahre alt (wie die Zeit vergeht) und nach der Bescherung fuhren wir ein paar Minuten zu Troll Active in Evje. Hier hatten wir online (spart man 5€ pro Person) für 11:30 das Familien Rafting gebucht. Nach einer kurzen Autofahrt mit dem Bus den Fluss Otra hinauf zu unserem Schlauchboot, ging es dann auch schon los. Unser Guide Sascha hat das wirklich ganz toll gemacht und die Zeit bis zu den Stromschnellen super für die notwendigen Übungen (inkl. ins Wasser fallen und ins Boot krabbeln) genutzt.

Die Fahrt hat uns trotz Sauwetter (aber auf dem Fluss auch egal) allen super Spaß gemacht und wir waren erneut vom Anbieter Troll Active begeistert, welchen wir vor zwei Jahren bereits kennengelernt haben.

Wieder an die Südküste Norwegens

Nach einer heißen Dusche, haben wir am anliegenden Stellplatz noch unseren Wassertank aufgefüllt und sind wieder in Richtung Küste nach Hanangersanden gefahren und konnten am herrlichen Sandstrand noch die abendliche Sonne genießen. Leider darf man hier auf dem Parkplatz in den Dünen nicht übernachten und so führte uns die Reise nach Snekkestø an eine kleine Mulde. 

Der Weg dorthin ist etwas anspruchsvoll, zumindest für große und schwerere Fahrzeuge. Ob man sich und dem Wohnmobil die Fahrt ohne Allrad und noch viel wichtiger dem mehr an Bodenfreiheit und einer Getriebeuntersetzung antun möchte, muss jeder für sich entscheiden. Mit unserem alten Camper hätten wir den Weg nicht gewagt und dem haben wir ja bekanntlich schon viel zugemutet. Das Geburtstagskind hatte sich frische Garnelen vom Grill gewünscht und auch wenn es geschüttet hatte und wegen des Windes die Markise auch nicht aushelfen könnte, so wurde dieser Wunsch natürlich (in Regenkleidung) von mir erfüllt. Wie gut, dass unser Cadac Gasgrill einen Deckel hat und somit bei fast jedem Wetter zum Einsatz kommen kann.

Am nächsten Tag haben wir eine Wanderung an der Küste unternommen. Hier geht es über Stock und Stein und daher ist festes Schuhwerk und Regenkleidung wie so oft in Norwegen eine sehr gute Idee. Auf dem Rückweg (ca. 10 Minuten vor Ankunft) kam erst „nur“ ein Tropfen, welcher uns aber nur das Signal gab, Regensachen anziehen, und zwar schnell. Keine 2 Minuten später schüttete es wie aus Kübeln. So ist das halt und wie heißt es so schön, es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Wieder im Camper angekommen machten wir uns einen schönen Nachmittag mit gammeln, lesen und spielen. 

Von der Mulde am Meer in die Berge zum Kjeragbolten

Wir wollten am nächsten Tag auf das Felsplateau Kjerag in der norwegischen Kommune Sandnes am Lysefjord wandern. Der höchste Punkt des Plateaus liegt bei ca. 1020 Metern und dort liegt auch der Kjeragbolten, ein ca. 5 m³ großer Monolith, welcher in einer Felsspalte knapp 1000 Meter über dem Lysefjord eingeklemmt ist. Die Fahrt führt über die schmale Fv500 und ist abgesehen vom Weg übers Wasser, auch die einzige Möglichkeit den Parkplatz Øygardstøl und somit den Startpunkt zum Kjeragbolten zu erreichen.

Auf dem offiziellen Parkplatz zahlt man 300 NOK (etwa 30€), darf dort aber leider auch nicht übernachten. Somit fuhren wir ein paar Meter die Serpentinen hinab um dort eigentlich auf einem kleinen Parkplatz nächtigen zu wollen.

#ScheissVanlife

Der kleine Platz liegt direkt an einem Wasserfall und bietet Platz für so um die 10 Fahrzeuge. Eigentlich wunderbar und mit ein bisschen Mühe beim Retuschieren kann man hier auch sicherlich ein supergeiles Instagramfoto aller #Vanlife erstellen. Das retuschieren wäre aber nicht notwendig, wenn es nur nicht so asoziale Menschen geben würde. Als wir ausstiegen, sahen wir schon die total überfüllen Mülleimer und die Berge an Müll, die sich bereits daneben türmten. Noch viel schlimmer wurde es aber, als wir die paar Meter bis zum Wasserfall gehen wollen. Der kleine Wald wird nämlich von einigen sorry… Arschlöchern, als Toilette verwendet und es war somit leider unausweichlich, in die dort überall liegenden Hinterlassenschaften von absolut rücksichtslosen und widerlichen Menschen zu treten.

Ganz ehrlich das geht so nicht! Wer kein Klo im Camper hat, der möge sich gefälligst etwas einfallen lassen, um seinen Scheiß (leider im wahrsten Sinne des Wortes) wieder restlos mitzunehmen, oder er möge auf einen der Campingplätze fahren. Das gilt natürlich auch für diejenigen Idioten, welche sogar ein Klo im Camper haben, aber dieses aus uns wirklich unverständlichen Gründen nicht nutzen wollen. 

Auch seinen Müll nimmt man gefälligst wieder mit. Bei einem solchen Verhalten ist es ansonsten ja verständlicherweise nur eine Frage der Zeit, bis noch mehr Camping verboten Schilder aufgestellt werden. Hier hielten wir es auf jeden Fall nicht aus und sind die Serpentinen wieder ganz nach oben gefahren und haben uns einen ruhigen und vor allem sauberen Platz am Rande eines einsamen Weges gesucht.

Die großen Vorteile einer Trenntoilette

Wo wir eh gerade beim Thema Klo sind, kann ich jedem nur die Anschaffung einer Trenntoilette empfehlen, welche auch Trockenklo oder Komposttoilette genannt werden. Das Prinzip hierbei ist ganz einfach, indem das feste vom flüssigen getrennt wird.

Die Entsorgung ist hierdurch ein Kinderspiel, weil den (kaum) riechenden Müllsack kann man ganz einfach über den Restmüll entsorgen. Den Urinkanister zu entleeren, was bei uns etwa alle 1,5 Tage gemacht werden muss, ist ebenfalls sehr einfach und an vielen Orten problemlos möglich. Am Ende spart man als schönen Nebeneffekt auch noch eine große Menge an kostbarem Frischwasser. Es müssen keine speziellen Entsorgungsstationen mehr von uns angefahren werden und das spart eine große Menge kostbarer Urlaubszeit.

Die Wanderung zum Kjeragbolten

Bei solchen Touren lohnt sich das (sehr) frühe aufstehen und um 6:00 klingelte der Wecker. Um kurz nach acht starteten wir die Wanderung bei Nebel (es waren die Wolken) und etwa 8 Grad vom offiziellen Parkplatz aus, in Richtung des Felsplateaus Kjerag. Es sind insgesamt knapp 11 Kilometer und 800 Höhenmeter, die man bewältigen muss. Festes Schuhwerk und ein gutes Maas an Kondition sind hier sicherlich von Vorteil. Nach etwa halber Strecke waren wir „über den Wolken“ angekommen und genossen die Sonnenstrahlen. 

Einige Passagen muss man sich an Stahlseilen hochziehen und das Ganze ist vor allem bei Regen und somit nassen Steinen nicht ganz ungefährlich. Mit ein paar Pausen haben wir ca. 3 Stunden für den Aufstieg bis zum Kjeragbolten gebraucht. Der Kjeragbolten gilt als einer der gefährlichsten Foto-Hotspots der Welt und nicht wenige stellen sich für ein Foto auf den Felsbrocken, an dem es unverzeihliche 1084 Meter in die Tiefe geht.

Das Kjerag Felsplateau oberhalb vom wunderschönen Lysefjord, ist zudem aber auch sehr beliebt bei Base-Jumpern und dabei springt man direkt in die Schlucht bzw. in den Lysefjord, um schließlich den Fallschirm zu lösen. Bei gutem Wetter hat man von hier oben auf jeden Fall einen sehr schönen Blick über den Lysefjord. Der Abstieg ist auch nicht zu unterschätzen und nach insgesamt 5 Stunden waren wir ziemlich geschafft, aber total begeistert von dieser tollen Wanderung wieder am Camper angekommen.

Traue niemals ausnahmslos dem Navi

Wir gaben die Koordinaten unseres nächsten Ziels ein und das Navi zeigte uns an, dass die Reise ein Stück mit der Fähre über den Lysefjord bis nach Flørli gehen solle, um dort weiter über die 13 zu fahren. Laut Navi lag Flørli (in Fahrtrichtung der Fähre) auf der rechten Seite des Fjords. Also fuhren wir runter bis zum Fähranleger und stellten uns nichts ahnend in die Schlange. Die kleine Fähre am Anlieger war bereits voll und die größere Ausflugsautofähre kam erst in 2 Stunden. Wir nutzen also die Zeit für ein verfrühtes Abendessen.

Als die Fähre ankam und uns der netten Mitarbeiter nach unserem Ziel fragte, zeigte ich ihm im Camper sitzend unser Navi und auf Flørli. Er hat sich zu dem Zeitpunkt nichts, aber auch wirklich nichts anmerken lassen. Die wartenden Fahrzeuge wurden nach ihrem gewünschten Zielort auf die Fähre gerufen und wir waren die einzigen, die Rückwärts und als letztes auf die Fähre fahren mussten. Man zahlt für das Fahrzeug übrigens nur einen Preis, egal wann man auf der Strecke aussteigt. Wir dachten dann noch, ach wir könnten bei dem herrlichen Wetter auch weiter über den Lysefjord fahren und den von uns 2019 bestiegenen Preikestolen mal von unten sehen. Tja manchmal kommt es anders als man denkt……

Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten ist, Flørli ist eine autofreie Siedlung am Lysefjord und nach Flørli kommt man nur mit der Fähre oder gewandert über die Berge. Flørli ist bekannt wegen seiner mit 4444 Treppenstufen längsten hölzerne Treppe der Welt. Als wir bereits losgefahren waren, zeigte uns aber ein Blick auf die Karte dann leider recht schnell, wir landen auf der falschen Seite des Fjords. Hier gibt es keine Straße und wir kommen mit dem Camper hier so nicht mehr weg.

Wir fragten also mal freundlich nach, ob wir an einer anderen Station aussteigen könnten, was vorerst verneint wurde, weil wir ja vollkommen falsch stehen würden. Man könnte uns aber morgen wieder in Flørli abholen. Nett gemeint, aber nicht ganz nach unserem Plan und wir hätten die 127,00€ erneut bezahlen müssen. Also blieb uns nichts anders übrig, als komplett bis zum Ende der Fährroute nach Lauvvik zu fahren. So soll es dann eben sein und wir machten es uns erneut auf dem Oberdeck gemütlich und genossen die verlängerte Fährfahrt auf dem wunderschönen Lysefjord, mit Blick auf den Preikestolen.

In Lauvvik angekommen, sind wir zum Rogaland Arboretum gefahren. Hierbei handelt es sich um eine reich bewachsene Parkanlage mit mehr als 1400 verschiedenen Bäumen und Sträuchern aus zahlreichen Ländern. Hier kann man für 4€ auf dem sehr ruhigen und mit einzelnen Buchten ausgestatteten Parkplatz übernachten.

Weiter gehts mit unserer Reise durch Skandinavien im dritten Teil…

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