Kaum ein Thema wird unter Camper so oft (wenn auch teilweise hinter vorgehaltener Hand) diskutiert wie das Thema Klo. Wir nutzen sehr gerne einfache Plätze für die Übernachtung, oder stehen, wenn es erlaubt ist, am liebsten frei. Eigentlich benötigen wir auch keine Infrastruktur auf dem Platz, denn im Camper haben wir ja alles dabei und neben genügend Strom auch eine Dusche und natürlich ein eigenes Klo. Dieses wird Umgangssprachlich auch gerne als Chemieklo bezeichnet, auch wenn das bei uns zu Anfang so nur ein paar Wochen zugetroffen hat und wird bereits vor Jahren auf biologisch abbaubare Zusätze gewechselt sind.

Ein eigenes Klo dabeizuhaben ist uns schon recht wichtig und ich bezeichne uns daher mal liebevoll als Heimscheisser. Leider bedeutete das, was wir mit der eigenen Kassettentoilette als Komfort bezeichnen, in den letzten Jahren eine Menge Aufwand und auch Einschränkungen. Zusätze hin oder her, alles, was die mitfahrenden Personen ausscheiden, landet in der Kassettentoilette und dazu kommt Toilettenpapier und (man glaub es kaum) eine große Menge an Spülwasser. Genau diese Mischung sorgt für einen teilweise bestialischen Gestank, dem man auch mit der Chemiekeule kaum entgegenwirken kann. Hinzukommt dann auch noch das „Problem“, dass eine solche Kassette, trotz ihrer knapp 20 Liter Fassungsvermögen schneller voll ist, als es einem lieb ist.

Mit vier Personen kamen wir mit einer Kassette etwa 1 Tag aus und haben daher in letzten Jahren, bereits zwei zusätzliche Kassetten mit uns herumgeschleppt. Jedoch spätestens, wenn die 3 Kassette zum Einsatz kam, mussten wir uns nach einer Entsorgungsmöglichkeit umsehen, oder eine bei der Weiterfahrt zwingend mit einplanen, was teilweise Umwege und somit kostbare Urlaubszeit bedeutet hat. Damit sollte im neuen Camper Schluss sein und wir haben uns direkt eine Trenntoilette (Trelino L) einbauen lassen.

Funktionsweise und Benutzung der Trenntoilette

Ob man die nun Trenntoilette, oder Trockentoilette nennt, ist hierbei wirklich egal, denn beides trifft hier zu. Die gesamte Toilette benötigt kein wertvolles Wasser zum Nachspülen, welches man ja hinterher auch wieder entsorgen muss und daher passt der Begriff Trockentoilette ganz gut. Unglaublich aber wahr! Sie stinkt nicht, benötigt kein Wasser, keine Chemie und kann nahezu überall entsorgt werden und macht einen somit sehr unabhängig. Klingt komisch? Ja, das dachten wir auch, aber es funktioniert und irgendwie ärgern wir uns über uns selbst, warum wir eine Trenntoilette nicht schon viel früher genutzt haben.

Alles klappt super einfach und ist auch mit Kindern wirklich kein Problem. Die Toilette hat oben einen Trenneinsatz und der Feststoff fällt (hinten) schwerkraftbedingt direkt und in der Regel auch ohne Berührung des Trenneinsatzes in den Feststoffeimer. In dem 10 Liter Eimer befindet sich bei uns ein 20 Liter Müllbeutel, was die Entsorgung später erleichtert. Der sich darin befindliche Inhalt wird einfach mit etwas Kleintierstreu bedeckt, damit es schneller trocknet und optisch zumindest etwas „ansehnlicher“ ist und Gerüche am Anfang bestmöglich gebunden werden. Der Trockeneffekt steht hierbei aber im Vordergrund. Zusätzlich wurde von unserem Hersteller Dopfer auch noch ein SOG II System eingebaut, welches Luft aus der Toilette nach außen ableitet. Brauchen tut man aber einen solchen Lüfter nicht zwingend.

Urin wird durch den trichterartigen Aufbau des Einsatzes (vorne) in den Urinkanister geleitet, welcher bei uns 10 Liter fasst. Ein Ableiten über einen Schlauch in einem unter dem Fahrzeug befindlichen Tank wäre hier auch machbar. Dieser müsste aber im Winter evtl. beheizt werden. In keinem der Fälle wird auch nur die geringste Menge an Wasser zum Nachspülen benötigt. Nach der Nutzung einfach ein paar Spritzer verdünntem Essig (Mischverhältnis 1:1) oder unserm Favorit verdünnter Zitronensäure* (max. 3 EL auf 1 L kaltes Wasser) aus einer Sprühflasche verwenden und mit etwas Toilettenpapier nachwischen.

Für Männer ist die Benutzung super einfach und auch wenn es für Frauen am Anfang noch etwas ungewohnt ist, hat man (äh Frau) es sehr schnell raus. Selbst wenn etwas Urin in den Feststoffeimer läuft, ist das kein Problem. Nach einem großen Geschäft gibt man sowieso immer eine „Handvoll“ Kleintierstreu mit rein und dann ist es eben je nach Menge des Urins ein kleines bisschen mehr.

Nochmal großes Ehrenwort, es stinkt nicht! Deine Hinterlassenschaften riechen nämlich nur, wenn sie zusammenkommen. Der Grund dafür ist das im Urin enthaltene Ammoniak und da man das Urin direkt in einen Eimer ableitet und von den festen Ausscheidungen fernhält, riecht hier auch nichts.

Unser Härtetest am ersten Wochenende

Wir waren übers Wochenende zu viert in Ostfriesland unterwegs und Freitag wurde die Trenntoilette gewissermaßen eingeweiht. Eine Besonderheit war mein seit ein paar Tagen bestehender Durchfall und auch dieser landete ganz normal im Feststoffeimer. Hier gab es dann einfach eine Handvoll zusätzlichem Streu. Nicht mehr und nicht weniger, denn schließlich wollte ich es ja unter „Extrembedingungen“ testen. Am Samstag haben wir eine längeren Fahrradtour unternommen und es hatte knapp 30 Grad. Der Camper stand in der prallen Sonne, heizte sich dementsprechend schön auf. Was soll ich sagen, auch hier stank nichts, einfach nichts. Das wäre (war) bei einer Kassettentoilette ganz anders.

Die Entsorgung

Den Urinkanister habe ich täglich entleert, was aber nur etwas mit dem Fassungsvermögen zu tun hat. Die tägliche Menge an Urin ist natürlich abhängig von der Flüssigkeitszufuhr, aber sie bewegt sich so im Durchschnitt bei 1,5 bis 2 Liter pro Person je 24 Stunden. Da es bei dem Kanister keine Fernanzeige gibt und ich auch nicht jedes Mal den Trenneinsatz herausnehmen und nachschauen möchte, haben wir uns einfach direkt angewöhnt, nach dem Frühstück den Urin zu entsorgen.

Dazu bedarf es auch keiner dedizierten Entsorgungsstation für Wohnmobile. Eine Toilette am Rastplatz, die Kanalisation, oder viele andere Orte eignen sich dafür ebenfalls. Außer Urin ist schließlich nichts weiter enthalten und wenn man, wie bei allen Dingen, Rücksicht auf andere Menschen und die Umwelt nimmt, ist das alles kein Problem. Einfachheitshalber habe ich einen Ersatzkanister* in der Heckgarage, welchen ich dann einfach tauschen kann.

Wenn sich der Sack im Feststoffeimer zu etwa zwei Dritteln gefüllt hat, was bei einer Familie so 5-6 Tage dauern wird, kann man diesen ganz einfach zu knoten und über den Restmüll entsorgen. Mit Babywindeln wird ja ebenso verfahren und die riechen im Gegensatz zu dem Müllbeutel sehr unangenehm.

Unser Fazit

Die Benutzung ist super einfach und im Gegensatz zu unserer Kassettentoilette, riecht (stinkt) die Trenntoilette auch bei hohen Temperaturen im Camper nicht. Die Entsorgung ist ebenfalls super einfach und wir müssen keine Entsorgungsstation mehr anfahren und sparen so neben Wasser auch noch Lebens- und vor allem kostbare Urlaubszeit. Warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?

4 Kommentare
  1. Lisa
    Lisa sagte:

    Hallo Marc,
    ich habe eben die Trelino L bestellt und mich interessiert, wie du diese befestigst/fixierst, damit sie nicht zu einer „Flug-Trenn-Toilette“ wird…
    Vielen Dank für deine Infos und das teilen deiner Erfahrungen!
    Herzliche Grüsse aus dem Emmental/Schweiz, Lisa

  2. Johannes
    Johannes sagte:

    Hallo Marc,
    darf ich fragen ob ihr das benutzte Toilettenpapier mit in den Feststoffbehälter gebt oder sammelt ihr das separat?
    Danke und beste Grüße,
    Johannes

  3. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Johannes, das Toilettenpapier werfen wir mit in den Feststoffbehälter. Mag dann ein kleines bisschen kürzer halten (immer noch lange genug), aber finden wir um einiges angenehmer. Viele Grüße Marc

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