Das mit der Toilette im Camper ist so eine Sache. Sicher keine schöne, aber eine über die Camper irgendwie dann doch viel zu bereden haben. Ob nun im Wohnmobil, oder im Wohnwagen, eine Toilette (meistens eine Kassettentoilette) ist fast immer vorhanden und bietet dem Camper grundsätzlich Unabhängigkeit, Flexibilität und Komfort. Wenn das Teil nur nicht immer so schnell voll wäre und dann spätestens bei der Entsorgung so ekelhaft stinken würde.

Gegen den Gestank kann man natürlich (teilweise) etwas machen, zum Beispiel Zusätze* verwenden und die müssen dafür auch nicht aus einem umweltbelastenden Chemiezeugs sein. Es geht grundsätzlich auch ohne Chemie, indem man sich eine sogenannte Toilettenentlüftung* einbaut, wie es sie etwa vom Hersteller SOG gibt. Wer hierzu genaueres wissen möchte, dem empfehle ich unseren passenden Testbericht. Ob man jetzt aber mit oder Chemie, biologischen Zusätzen, oder gar ohne alles herumhantiert, ändert leider nichts daran, dass die Kassettentoilette nach kurzer Zeit voll ist. Dann heißt es Entsorgungsstation aufsuchen, die dann ca. 20 Kilo schwere Kassette aus dem Camper zur Station schleppen, Nase zu, Kassette entleeren, durchspülen und das gleiche Spiel beginnt wieder von vorne. Abhilfe sollen hier sogenannte Trenn oder Trockentoiletten bieten, aber was genau steckt dahinter?

Es gibt natürlich auch einige Camper, ob nun mit Reisemobil oder Wohnwagen, welche ihre eigenen zur Verfügung stehenden Sanitäranlagen nicht nutzen und ausschließlich Stell- und/oder Campingplätze anfahren und die dortigen Einrichtungen aufsuchen. Am Ende soll das natürlich jeder so machen wie er es am liebsten mag. Uns ist die Unabhängigkeit mit dem Camper sehr wichtig und dazu gehört natürlich auch, dass wir Dusche und Toilette im Camper nutzen, welche auf den meisten von uns angefahrenen Plätzen, eh nicht zur Verfügung stehen würden.

Vorab sei noch kurz erwähnt, dass es neben der mit Abstand am meisten verbreiteten Kassettentoilette, auch noch Alternativen wie Zerhackertoiletten mit Festtank, Verbrennungstoiletten oder auch Vakuumtoiletten gäbe, welche sich aber meistens nur für den Einbau in Fahrzeugen weit über der 3,5 Tonnen Grenze eignen und daher hier jetzt nicht genauer beleuchtet werden. Zurück also zum Thema Trocken bzw. Trenntoilette.


Was genau ist eine Trocken oder Trenntoilette?

Grundsätzlich sitzt man auf den Toiletten genau so, wie auch auf jeder anderen Toilette. Trockentoiletten kommen aber wie der Name schon sagt, trocken und ohne kostbares und im Camper nun einmal begrenzt verfügbares Frischwasser aus. Bei einer Trenntoilette ist das identisch, mit der Besonderheit, dass Urin und Feststoffe mithilfe eines besonders geformten Inlays in separaten Behältern landen. Daher sprechen wir jetzt hier jetzt von der Trenntoilette.

Die Trennung ist maßgebend für die Wirksamkeit, denn die Trennung von klein und groß sorgt effektiv dafür, dass sich keine Gerüche bilden können. Urin beginnt zum Beispiel erst dann besonders unangenehm zu riechen, wenn er mit Wasser in Kontakt kommt. Nach dem Toilettengang dichtet übrigens bei einigen Modellen ein Stopfen oder Schieber den Urinbehälter zusätzlich ab.

Das „große Geschäft“ riecht selbstverständlich, aber sobald es im Feststoffbehälter dann etwa mit Streu bedeckt ist und dadurch die Oberflächenfeuchtigkeit des Feststoffs gebunden wird, riecht es nach kurzer Zeit nicht mehr. Zusätzlich hilft das Streu und ein optionaler Lüfter dann sehr effektiv bei der weiteren Trocknung. 

Was das bedecken mit Streu angeht, so eignet sich hierfür Kleintierstreu* hervorragend, weil es ist zum einen sehr leicht, gepresst gut zu lagern, günstig und nahezu überall zu bekommen ist. Es sollte nur nicht zu fein sein, weil es ansonsten recht pappig werden kann. Zusätzlich bietet es wie ich finde, einen angenehmen natürlichem Duft. Verwendet man eine Toilette mit einem sogenanten Rührwerk, also etwa per Kurbel, dann bieten sich hierfür wiederum Kokosfasern bestens an. Ob man nach dem Toilettengang nun eine eine Handvoll „überstreuen“ muss, oder kurz das Rührwerk bedient wird, hängt zwar vom jeweiligen Modell, aber nicht vom eigentlichen Konzept der Trennung ab. Die Versionen mit einem Rührwerk, werden übrigens auch gerne als Komposttoilette bezeichnet.


Verschiedenen Versionen einer Trenntoilette

Eigentlich bedarf es ja nicht viel. Man benötigt neben dem passenden Trenneinsatz, nur noch einen Behälter für den Urin und einen für das „feste“. Das ganze könnte man dann selber in einer Kiste oder ähnlichem verbauen. Das ist aber sicherlich nicht jedermanns Sache und daher gibt es bereits passende Fertiglösungen etwa beim Markus von Meine Trenntoilette zu kaufen. Hier mal eine kleine Darstellung von verschiedenen Modellen mit und ohne Rührwerk.


Weniger bzw. einfachere Entsorgung und somit mehr Urlaubszeit

Neben also der geringen bzw. nur kurzweiligen Geruchsbildung, ist aber der wohl größte Vorteil von Trenntoiletten die größeren und einfacheren Entleerungsintervalle. Als Familie kommen wir mit einer Kassettentoilette im Durchschnitt nur einen Tag aus. Dann ist die Kiste randvoll und muss entleert werden, oder wie in unserem Falle gegen eine der beiden Backupkassetten* aus der Heckgarage getauscht werden. Aber spätestens am dritten Tag müssen wir wieder eine hierfür speziell geeignete Entsorgungsstation auf unserer Route einplanen, was kostbare Zeit in Anspruch nimmt und die Entsorgung eh nicht zu meinen Lieblingsaufgaben im Urlaub gehört.

Bei Trenntoiletten fassen die Behälter für den Urin in der Regel so um die 10 Liter, womit man bereits einige Tage auskommen kann. Die tägliche Menge an Urin ist natürlich abhängig von der Flüssigkeitszufuhr, aber sie bewegt sich so im Durchschnitt bei 1L bis 1,5L je 24 Stunden. Wenn wir hier mal von den Maximalwerten ausgehen, so käme eine Familie mit zwei Kindern auf grob 5 Liter Urin am Tag. Zwar wäre ein 10 Liter Kanister dann bereits nach 2 Tagen voll, aber dieser lässt sich deutlich einfacher (nahezu überall) entleeren. Auch ließen sich mehrere Kanister oder natürlich auch welche mit einem größeren Fassungsvermögen verwenden. Kleinere also etwa die mit 10 Liter, sind aber Ende bei der Entsorgung deutlich praktischer, als große und schwere Kanister.

Da man bei der Trenntoilette ja gänzlich auf Spülwasser verzichtet, empfiehlt sich eine kleine Sprühflasche zu verwenden, welche mit einer Lösung aus Essig- oder Zitronensäure zum „Nachspülen“ des Urins verwendet wird. Dieses verhindert effektiv die Entstehung von Gerüchen im Urintank und am Inlay.

Was den Behälter für das große Geschäft angeht, so muss dieser je nach Anzahl der Reisenden, erst nach zwei oder drei Wochen geleert werden. Das liegt unter anderem daran, dass feste Fäkalien bei der Trocknung um etwa 80 Prozent schrumpfen. Um diesen natürlichen Vorgang bestmöglich zu fördern, ist neben der Zugabe etwa des Kleintierstreus, eine zusätzliche Belüftung empfehlenswert. Etwa durch einen nach außen abführenden Ventilator, welcher mit 12V betrieben wird und in der Regel sehr leise ist. Eine seltenere Entsorgung ist übrigens nicht nur komfortabel, sie ist sogar förderlich, weil sich die Hinterlassenschaften erst nach rund zwei Wochen kompostieren.

Am Ende bleibt hier eine nahezu geruchsfreie Substanz übrig, welcher je nach Zersetzungsgrad eher Blumenerde ähnelt und ganz einfach über eine Reststofftonne entsorgt werden kann. Bei Varianten ohne ein Rührwerk, befindet sich im Feststoffbehälter oftmals gleich eine passende Tüte, welche die Entsorgung zusätzlich vereinfacht. Natürlich kann wie gewohnt Toilettenpapier mit in die Öffnung geworfen werden, denn es nimmt wie das Streu auch Flüssigkeiten auf. Bei Magenverstimmungen, also einem sagen wir mal flüssigen Stuhlgang, ist das auch kein Problem, weil hier verwendet man einfach mehr Streu und wechselst den Beutel evtl. häufiger aus.


Wie lange komme ich mit den Behältern aus?

Wie bei einer „normalen“ Kassettentoilette hängt es u.a. von der Anzahl der Benutzung und wiederum auch von der Anzahl der Reisenden ab. Um es einfach zu rechnen nehme ich erst mal nur einen Erwachsene und eine Familie, aber mit den Angaben kann man dementsprechend rechnen.

  • 10 Liter Urinbehälter reicht für ca. 6 Tage
    • Eine Familie wird ca. 2 Tage damit hinkommen
  • Ein 15 Liter Feststoffbehälter hält für ca. 40-60 Sitzungen
    • Eine Familie wird damit ca. 7-10 Tage hinkommen

Entsorgung der gesammelten Substanzen

Urin lässt sich ganz einfach entsorgen und man muss dafür keine spezielle Entsorgungsstation aufsuchen. Wenn ihr euer kleines Geschäft an einem Busch oder ähnlichen Stellen in der freien Natur verrichtet, ist das ja nichts anderes, außer das die zu entsorgende Menge größer wäre. Es bieten sich aber auch einfache Rastplätze mit WC zur Entsorgung an und einen Ersatzkanister in der Heckgarage zu transportieren wäre auch überhaupt kein Problem.

Bei den großen Hinterlassenschaften bleibt am Ende ja kaum noch etwas vom „Original“ übrig und auch wenn die Vorstellung erst etwas ekelig erscheint, ist das immer noch deutlich besser als manche Babywindeln, die ja auch über einen Abfalleimer entsorgt werden. Bei Modellen ohne Rührwerk kann man also ganz einfach die Tüte (am besten eine biologisch abbaubare) entnehmen und in den Müll werfen. Stinken tut die am Ende nicht und auch diese Variante bietet einem eine bestmögliche Flexibilität. Die Entsorgung ist also in beiden Fällen sehr einfach!


Fazit

Trenntoiletten bei Campern liegen zu Recht voll im Trend. Die teilweise täglich notwendige Entsorgung der weit verbreiteten Kassettentoilette ist wirklich nichts erfreuliches. Ob hier nun Chemie, Duftöl oder sonst etwas beigemischt wurde, es riecht spätestens bei der Entsorgung sehr unangenehm. Viel schlimmer als der eigentliche Vorgang der Entsorgung ist aber der Umstand, dass man immer eine spezielle Entsorgungsstation aufsuchen muss und das kostet wertvolle Urlaubszeit.

Selbst wenn wir keine Chemie beigeben und bis jetzt auf die SOG Entlüftung gesetzt haben, kann ich dennoch nicht an einem normalen Rastplatz mit der Kassette losziehen. Auch wenn der Inhalt quasi „unbedenklich“ und im Ergebnis mehreren Besuchen der Toilette (ohne Kassette) ähneln würde, so ist es aus meiner Sicht auch die Wahrnehmung durch andere Menschen. Sonst heißt es ganz schnell „Der Camper hat sein Chemieklo illegal entsorgt“ und das dort gar keine Chemie drin ist, weiß ja auch keiner und wir Camper haben ja teilweise leider eh schon nicht den besten Ruf. Also sollte man das so niemals machen.

Wer also aus der kostbaren Reisezeit das Beste rausholen und sich auf die schönen Dinge konzentrieren möchte, der sollte über die Anschaffung einer Trenntoilette nachdenken. Das nachrüsten ist übrigens auch kein Hexenwerk. Hierfür gibt es im Netz diverse Beispiele wie man sein vorhandenes Klo aus und das neue einbaut. Wie oft man am Ende entleeren muss, hängt natürlich von der Anzahl der Mitreisenden und dadurch entstehenden Menge der Hinterlassenschaften ab. Mehr Flexibilität bei der Entsorgung , bekommt man mit einer Trenntoilette auf jeden Fall. Die Nutzung ist selbst mit Kindern kein Problem und somit steht für uns eine Trenntoilette ganz oben auf der Wunschliste.

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