Nach über fünf Monaten (uns unendlich vorkommender) Standzeit, ging es für uns über Christi Himmelfahrt nun endlich mal wieder auf Tour und in diesem Falle in den nahegelegenen Oberharz. Am Mittwoch Nachmittag setzen wir uns in Bewegung und erreichten ohne nennenswerte Unterbrechungen den Harz, genauer gesagt den Okerstausee in der Nähe des Städtchens Altenau.

Der oberhalb des Stausees in Schulenberg gelegene Wohnmobilstellplatz, war wie zu erwarten bereits voll belegt. Auch wenn hier aus aktuellen Coronagründen, nur 50% Belegung möglich waren, wäre er sicher auch in „normalen“ Zeiten zu 100% belegt gewesen. Wir steuerten daher einen nahegelegenen Waldparkplatz an, auf dem auch schon einige Fahrzeuge der unterschiedlichsten Kategorien standen. Nach einem kleinen Spaziergang an den Stausee, verbrachten wir hier unsere erste ruhige Nacht und freuten uns auf das für Donnerstag angekündigte Traumwetter.

Hier mal eine kritische Anmerkung an die Fraktion Vanlife. Also an Besitzer alle Fahrzeuge kleiner als ein Kastenwagen bzw. ohne ein eigenes WC. Hiervon standen im Harz recht viele herum und natürlich auch hier auf dem Platz und jeder soll ja auch mit dem Gefährt Reisen, dass ihm am besten gefällt und das muss natürlich kein Wohnmobil sein. Wenn man aber dadurch gezwungenermaßen sein Geschäft im Wald erledigen muss, dann kann man doch mindestens mit einem Spaten oder ähnlichem ein Loch für die Hinterlassenschaften buddeln. Es gibt natürlich noch viele andere Möglichkeiten diese mit Rücksicht auf andere Menschen zu entsorgen.

Vom Platz aus starteten direkt einige Wanderwege und bereits hinter dem nächsten Baum oder Strauch, sah man sehr viel Toilettenpapier und noch viel ekelhafteres herumliegen. Das muss nun wirklich nicht sein und sorgt am Ende doch nur dafür, dass es nicht mehr toleriert wird, auf solchen Plätzen zu übernachten, was grundsätzlich etwa in Niedersachsen laut Paragraph 27 des Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung nicht erlaubt ist. Also bitte liebe Camper, räumt euren Scheiss weg. Danke!

Infos zu Wildcamping in Deutschland

Durch den Föderalismus in Deutschland, ist auch der Umgang mit dem sogenannten Wildcamping Ländersache. In den meisten Bundesländern ist Wildcamping aber grundsätzlich verboten, außer es liegt eine ausdrückliche Erlaubnis des Waldbesitzers vor. Wieweit das Übernachten nun toleriert wird, hängt zwar auch von den lokalen Behörden, aber vor allem vom Verhalten der einzelnen Camper ab.

Es gibt die Ausnahme zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit, mit der es einem rechtlich gesehen erlaubt ist, eine Nacht im Fahrzeug zu verbringen. Hierbei geht man von einem Zeitraum von etwa zehn Stunden aus, wobei man auf ein Campingähnliches Verhalten verzichtet muss, also Tisch, Stühle und Markise bleiben drinnen.

Wenn man sich also aus meiner Sicht rücksichtsvoll verhält, weder Menschen noch Tiere stört und seinen Platz sauber und unbeschädigt wieder verlässt, kann (nicht darf) man sicher auch in Ausnahmesituationen mal auf einem Parkplatz am Waldrand übernachten. Das sollte aber immer nur dann in Anspruch genommen werden, wenn keine andere Möglichkeit zu einer offiziellen Übernachtung (etwa auf einem geöffneten Stellplatz) besteht.

Einen Anspruch darauf hat man natürlich nicht und wenn einen die Polizei, oder eine andere Institution zum verlassen des Platzes auffordert und dieses kann auch mitten in der Nacht sein, ist diesem ohne Diskussion Folge zu leisten. Bei uns wurde der Platz auch von der Polizei kontrolliert, aber weil sich alle (bis auf die Hinterlassenschaften hinter dem Busch) daran gehalten haben und weit und breit ja auch kein offizieller Platz frei war, wurden die Übernachtungen toleriert.

Direkt vom Platz aus, kann man wie gesagt super wandern und somit ging es nach dem Frühstück los. Wir wanderten am Stausee entlang in Richtung der Festenburg und über Schulenberg, wo wir uns ein paar leckere Eisbecher gönnten, wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt am Stausee. Insgesamt waren es 20 Kilometer und schon ganz gut für den ersten Tag und das ganze in neuen Barfußschuhen*, was wir noch bereuen sollten. Am Abend schmissen wir bei immer noch herrlichem Wetter den Grill an und ließen den Tag schön ausklingen.

Am Freitag verriet uns Google, dass es am Nachmittag (14:00-15:00) regnen würde und Google hat ja bekanntlich immer Recht und daher nutzen wir die trockene Zeit und starteten früh am Tag unsere Wanderung. Gestern hat das Wandern in den Barfußschuhen eigentlich echt gut geklappt und somit trugen wir diese auch heute erneut.

Es ging diesmal zum Brockenblick oberhalb von Altenau, von wo aus selbst meine Drohne den Brocken aber nicht wirklich erblicken konnte. Nach etwa der Hälfte der Strecke taten uns dann aber doch die Füße weh und es bildeten sich bei einigen auch Blasen am Fuß. Also Barfußschuhe sind im „Alltag“ wirklich etwas feines, aber zum Wandern über Stock und Stein dann doch eher ungeeignet.

Nach knapp über 20 Kilometer waren wieder am Camper angekommen und wie fast auf die Minute genau (14:30) fing es an zu regnen. Wir fuhren dann mal kurz zum Stellplatz in Schulenberg, welcher aber immer noch belegt war und nutzen (gegen Gebühr) die Ver- und Entsorgungsstation und machten uns dann auf den Weg nach Wernigerode.

Hier waren wir 2018 bereits in den Osterferien und haben auch damals die Tee Oase aufgesucht. Hierbei handelt es sich um einen sehr schnuckeligen Teeladen von Tanja Hauser, welche einen sehr freundlich und kompetent über ihre zahlreichen Teesorten informiert. Nur das sonst im Teeladen übliche kaufen mit mehreren Sinnen, also dem riechen, ist unter den aktuellen Corona Auflagen leider nicht zu machen. Somit vertrauten wir auf die lecker klingenden Inhaltsangaben und vor allem auf die gute Beratung durch Frau Hauser.

Mit diversen neuen Teesorten im Gepäck, ging es dann über einen Abstecher in einen Drogeriemarkt zurück zum Camper und dann auf zum nächsten Supermarkt, um noch dass ein oder andere zu besorgen. Am Abend sollte es nämlich Wraps geben und da soll mal einer sagen, Wohnmobilisten lassen kein Geld in den Orten in die sie vereisen, obwohl sie ja quasi ihr(en) Haus(stand) mitnehmen.

Wir steuerten wieder den Waldparkplatz am Stausee an und auch heute war wieder genug Platz für uns frei. Hackfleisch wurde gebraten und es gab am Ende sehr leckere Wraps. Ein leckeres und schnell gemachtes Gericht für die ganze Familie und es lässt sich wunderbar im Camper zubereiten.

Am Samstag fuhren wir noch vor dem Frühstück zu einem der Parkplätze am Romkerhaller Wasserfall. Der ist zwar „nur“ vier Kilometer entfernt, aber die Strecke an der Straße hin und zurück zu laufen, muss ja nicht sein und mit Blasen am Fuß erst recht nicht. Wir bekamen noch einen der letzten freien Plätze und nach dem Frühstück ging es dann in Wanderschuhen und passenden Socken los zur Feigenbaumklippe.

Von dort aus dann weiter zur Mausefalle und zur Hexenküche. Über die Treppensteine und Kästeklippen ging es dann wieder zurück zum Camper. Am Ende waren es zwar „nur“ 10 Kilometer, aber mit deutlich mehr Höhenmetern und das mit den immer noch spürbaren Blasen am Fuß, irgendwie einfach genug für heute. Wir steuerten erneut den netten Waldparkplatz an und es gesellten sich noch einige Camper zu uns auf den Platz und manch einer steht trotz ausreichend Platz und Corona immer noch auf Kuschelcamping. Ich kann manchmal nicht verstehen, warum obwohl genug Platz vorhanden ist, so eng geparkt werden muss. Dennoch ließen wir hier dann den Tag gemütlich mit einer Gemüsepfanne und einem Familienabend vor dem Fernseher ausklingen.

Am Sonntag schliefen wir erstmal schön lange aus und genossen ein ausgiebiges Frühstück, während der Großteil der anderen Camper sich vermutlich schon wieder auf Ihre Heimreise machten. Wir blieben noch einige Zeit auf dem Platz und verbrachten die Zeit mit lesen, spielen, Homeschooling und dem verfassen von ein paar Zeilen wie diesen.

Auch dieses Wochenende war es wieder wunderbar mit dem Camper rauszufahren und die Natur zu genießen. Aufgefallen ist mal wieder ganz deutlich, dass es in Deutschland viel zu wenig Stellplätze oder zumindest Ver- und Endsorgungsstationen gibt. Hier im Harz wäre sicherlich noch genug Platz und auch ausreichend Nachfrage vorhanden. Wir besuchten in den 4 Tagen „nur“ einmal die Ver- und Endsorgungsstation des überfüllten Stellplatzes, haben haben dennoch jeden Tag geduscht, gekocht, gemacht, getan und eigentlich war „nur“ das Klo der begrenzte Faktor.

Gas Wasser und Strom sind bei uns wirklich ausreichend vorhanden und würden noch einige Zeit länger halten. Nach 24 bis 36 Stunden heißt es aber bei vier Personen dann meistens „Das Klo ist rot“. Eine Ersatzkassette* für die Campingtoilette haben wir ja bereits und von hier aus dann bereits im Netz eine weitere bestellt. Mit 3 Kassetten bewaffnet, sollte es dann auch 4-5 Tage autark klappen. Das bringt mich immer mehr auf den Gedanken für den Einbau einer Trenntoilette, wobei ich mir noch bei der Nutzung mit Kindern unsicher bin und hier bis jetzt keine Erfahrungsberichte gefunden habe. Das ist aber evtl. einfach etwas für das nächste (4×4) Fahrzeug, was sicherlich irgendwann kommen wird, denn es soll ja nicht langweilig werden.

Jetzt freuen wir uns aber erstmal auf den Ende Juli kommenden Urlaub in Schweden, der nach den aktuellen Gegebenheiten gut klappen sollte. Der Camper hat auch dieses Wochenende einwandfrei funktioniert, so dass zumindest von unserer Seite aus dem nichts im Wege stehen wird.

4 Kommentare
  1. Avatar
    Anton Wassermann sagte:

    Ein sehr informativer Reisebericht. Die kritischen Anmerkungen zu gewissen Unsitte mancher Wild Ampere kann ich nur bekräftigen. Wer im Harz außer toller Natur auch etwas Kultur erleben will, sollte sich unbedingt das Städtchen Quedlinburg ansehen. Es lohnt sich noch mehr als das bekannte Wernigerode.

  2. Avatar
    Anton Wassermann sagte:

    Ein sehr informativer Reisebericht. Die kritischen Anmerkungen zu gewissen Unsitten mancher Wild-Camper kann ich nur bekräftigen. Wer im Harz außer toller Natur auch etwas Kultur erleben will, sollte sich unbedingt das Städtchen Quedlinburg ansehen. Es lohnt sich noch mehr als das bekannte Wernigerode.

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