Viele Wege führen nach Rom und ebenfalls recht viele zu einem Regalsystem in der Heckgarage vom Wohnmobil. Der sicherlich einfachste ist der Weg führt sicherlich zu einem passenden Händler für Regalsysteme. Diese liegen oftmals in direkter Nähe zu einem Stellplatz und am Anreisetag wird ausgemessen, in der Nacht gefertigt und am nächsten Tag wird das Regal montiert. Nachteil die Kosten von Ø 40,00€ pro Fach und das ohne die eigentlichen Boxen. Das geht ordentlich in Geld und somit würde ich hier vorschlagen, ein Regal besser selber zu bauen.

Neben der Preisersparnis ist auch die Flexibilität ein entscheidender Vorteil, da man bei der Eigenanfertigung genau auf die eigenen Bedürfnisse eingehen kann und keinerlei Kompromisse eingehen muss. Ein solches Regal wird ohne Bohren und Schrauben in der Garage befestigt. Man kann es somit ganz einfach auch später an einer anderen Stelle befestigen, oder auch Rückstandslos wieder.

Natürlich lässt sich während und nach der Bauphase das Regal einfach den evtl. neuen Gegebenheiten anpassen. Als Material eignet sich hierfür am besten ein 20 x 20 Aluprofil mit einer 6er Nut. Ein großer Vorteil von Alu ist zum Beispiel das geringe Gewicht. Lediglich 440 Gramm muss man pro laufenden Meter für das Regal berechnen.

Was man für ein solches Regal alles an Material benötigt, wie man es plant und am Ende natürlich montiert, dass möchte ich euch anhand meiner gesammelten Erfahrungen zeigen.

Größe und Anordnung der Kisten

Als erstes sollte man sich Gedanken darüber machen, was man alles in Boxen verstauen möchte und wie groß dieses sein müssen. Empfehlen würde ich hierfür immer Eurokisten zu verwenden, denn diese sind von der Größe her genormt und der umlaufende Rand dient als Abrutschsicherung im Regal.

Eurokisten (KTL = Kleinladungsträger) sind in drei Standard Grundmaßen verfügbar, nämlich in 600 x 400400 x 300 und 300 x 200 Millimetern.  Lediglich in der Höhe gibt es hier mehrere Versionen, aber die Grundfläche ist bei allen identisch, was bei dem Regal sehr von Vorteil ist. Setzt man hier also auf ein Standardmaß, kann man die Kisten auch in Zukunft einfach mal Herstellerunabhängig austauschen.

Wenn nicht eh bereits vorhanden, würde ich würde empfehlen mindestens 2 Grundrisse zu kaufen um herauszufinden, welche Größe passt für euch am besten und die Kisten bekommt ihr in jedem Baumarkt. Ich persönlich bevorzuge zwar das mittlere Maß, aber ich werde verschieden Größen mischen. Mit den beiden Test-Kisten, kann man dann auch gleich die verschiedenen Anordnungen in der Garage testen.

Man kann auch zwischen Vollwand und durchbrochenen Kisten wählen und Kisten mit Vollwand sind etwas schwerer. Bei der Anordnung muss man sich zwischen der langen oder der kurzen Seite der Kiste entscheiden. In der Regel wird man aber die Breitseite vorne wählen, weil das ansonsten in der Garage zu tief wird. Aber dieses kann man wunderbar im Vorfeld mit den Test-Kisten ausprobieren.

Anzahl und Größe der einzelnen Fächer

Nachdem ihr also die gewünschten Größen der Kisten und die Anordnung in der Heckgarage definiert habt, kann die Anzahl der möglichen Fächer für eure Kisten ermittelt werden.

Als erstes muss natürlich die Heckgarage bzw. der dort für das Regal verfügbare Platz ausgemessen werden. Bei mir sind es z.B. 158 cm in der Breite und 120 cm in der Höhe, wobei durch einen Absatz an der Wand verringert sich die eigentliche Höhe auf 102 cm. Aus diesem Platzangebot gilt es also das beste herauszuholen. Hier seht Ihr einfach mal 4 Vorschläge, was mit verschiedenen Größen so möglich wäre.

Ihr könnt also eurer Kreativität freien Lauf lassen und euch relativ einfach ein Regal nach genau Eurem persönlichen Bedarf entwerfen. In meiner Planung komme ich mit 2 Reihen und insgesamt 7 Kisten in unterschiedlichen Größen aus. Es ist ja im Nachhinein kein Problem, noch eine Reihe dranzusetzen, oder gar alles umzubauen. Genau das ist ja das schöne an einer Eigenkonstruktion im Gegensatz zu fertigen Regalen und am Ende ist es auch noch günstiger.

Bestellung des Materials

Hier habt ihr ebenfalls freie Wahl. Ob nun im Baumarkt oder beim Online Händler eures Vertrauens, Aluprofile mit passender Nut bekommt man an jeder Ecke. Ich habe mich für den Shop motedis entschieden. Die hatten nicht nur sehr gute Preise, sondern ich konnte mir dort die Profile gegen einen geringen Preisaufschlag auch gleich Millimetergenau schneiden lassen. Alles an notwendigem Zubehör war auch gleich noch verfügbar und somit hab ich das gesamte Regal dort bestellt.

Bestellte Materialien im Detail

Anzahl Bezeichnung Einzelpreis Gesamtpreis
3 Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:1150 mm
4,14 €
12,42 €
3 Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:970 mm
3,49 €
10,48 €
8 Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:261 mm
0,94 €
7,52 €
8 Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:400 mm
1,44 € 11,52 €
6
Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:366 mm
1,32 € 7,91 €
6
Aluprofil 20×20 B-Typ Nut 6
Länge:600 mm
2,16 € 12,97 €
30
Winkel 20 B-Typ Nut 6 – 093W203N06S05
Ausführung:mit Befestigungssatz und Abdeckkappe
0,86 € 25,70 €
3 Gelenkfüße. Reihe 10 PA
Fuß 40 – Gewindestange 6×60 + Dämpfungsring+ Mutter
1,44 €
4,32 €
3 Gelenkfüße. Reihe 10 PA
Fuß 20 – Gewindestange 6×40 + Dämpfungsring+ Mutter
1,32 €
3,96 €
30 Nutenstein schwer Stahl B-Typ Nut 6 [M5] (optional für Ringschrauben, Haken usw.) 0,22 € 6,72 €
30 Innenwinkel Stahl 20 B-Typ Nut 6 0,89 € 26,78 €
130,31 €
Optional
Kisten
Selbstsichernde Muttern (M6 Gewinde)
Ringschrauben (M5 Gewinde)
Haken (M5 Gewinde)

Ein Großteil der Eurokisten hatte ich ja bereits und nur 2 weitere habe ich mir im Baumarkt besorgt. Ebenfalls aus dem Baumarkt kommen ganz normale Ringschrauben mit M5 Gewinde. Dafür sind nämlich die 30 zusätzlichen Nutensteine gedacht, denn so kann man mit Gummispannern oder Seilen, auch etwas außerhalb des Regals (am Regal) befestigen. Nach einer Woche kam das Paket mit den ganzen Einzelteilen an. Als erstes habe ich das ganze sortiert und mir dann meine Zeichnung genommen, damit ich einfacher erkennen konnte, was wo hin gehört.

Die Montage

Als erstes habe ich die einzelnen Rahmen mit Innenwinkeln zusammengebaut, auf denen die Kisten später liegen sollen. Das geht am besten auf einer Kiste und wenn alle Rahmen zusammengebaut sind, können die Außenstangen mit den Winkeln montiert werden. Am Anfang hatte ich noch geplant an der Ober- und Unterseite der Außenstangen Gelenkfüsse anzubringen. Schlussendlich habe ich diese nur oben angebracht und auf die Unterseite Filzgleiter* geklebt, damit durch das Aluminium bei der Montage in der Garage keine Kratzer entstehen.

Ich hätte aber bei den Rahmenprofilen 2-3 Millimeter mehr einkalkulieren können, weil nicht jede Kiste ist auf den Millimeter gleich groß und beim festziehen der Innenwinkel, gehen auch wichtige Millimeter verloren. Also rechnet 2-3 Millimeter als Puffer dazu. Jetzt habe ich bei den Rahmen auf der hinteren Seite einen kleinen Spalt. Nicht dramatisch und hält trotzdem zu 100%, aber man kann es noch etwas besser umsetzen.

Man kann bei der Montage die Position der Rahmen auch noch bequem anpassen. Der Zusammenbau mit den vielen kleinen Winkeln und Nutsteinen, ist am Anfang noch recht zeitintensiv. Das liegt aber vor allem an den vielen Einzelteilen und einer natürlich fehlenden Schritt für Schritt Anleitung. Mit der Zeit geht das aber schneller, denn für den ersten Teil mit den 4 Etagen habe ich deutlich länger gebraucht, als mit dem zweiten Teil des Regals.

Durch die 16cm hohe Erhebung an der Heckgaragenwand, steht das Regal beim Aufbau nicht gerade auf dem Boden. Das erschwerte die Montage außerhalb der Garage ein kleines bisschen. Nachdem der erste Teil fertig montiert war, wurde das Konstrukt in der Garage getestet und als alles passte, habe das Regal um den zweiten Teil erweitert.

Nachdem das Regal dann komplett montiert war, habe ich es in der Heckgarage an seinen gewünschten Ort gestellt. An die Stellen, wo die Gelenkfüsse gegen die Decke drücken, habe ich zum Schutz des Furnierung eine dünne Alu Flachstange angebracht. Die Gelenkfüsse werden dann gegen die Decke gedrückt und die Muttern festgezogen. Damit sich hier durch die Verwindungen während der Fahrt auch nichts lockern kann, habe ich die beiliegenden Muttern, gegen selbstsichernde Muttern ersetzt. Die Muttern kosten nur ein paar Cent und besitzen eine inneren Nut mit einem Ring aus Kunststoff. Dieser Ring bewirkt eine Sicherung gegen das Lösen der Mutter. Das ganze hält bombenfest und mit der Wasserwaage wurden dann alle Streben noch einmal geprüft und minimale Korrekturen vorgenommen und am Ende alles festgezogen.

In der vorderen Nut der Profile habe ich Nutsteine mit einem M5 Gewinde eingelassen. So kann ich recht einfach Ringschrauben und Haken an verschiedenen Stellen montieren und daran dann etwa Spanngummis befestigen. Hierbei muss man darauf achten, ob bei den Gelenkfüssen noch genug Platz ist, um auch im Nachhinein Nutsteine einlassen zu können. Ansonsten müsst Ihr das nämlich im Vorfeld machen.

Bei mir ist nach lösen der Mutter genug Platz vorhanden und ich kann sie somit jederzeit wieder entnehmen und an einer anderen Stelle einlassen. Es gibt auch Aluprofile wo die Nut nicht an allen 4 Seiten vorhanden ist, also etwa nicht an der Außenseite. Das sieht zwar auf den ersten Blick evtl. schöner aus, ist aber teurer und auch deutlich unflexibler für weitere Befestigungsmöglichkeiten mit Nutsteinen und Ringschrauben. Auch gibt es für die Seiten optional Kappen und Abdeck & Einfaßprofile aus Gummi für in die Nut, aber das brauche ich alles nicht.

Als alles fertig montiert war, kamen noch die Abdeckungen auf die Winkel und schon war das Regal fertig. Insgesamt habe ich für den ganzen Aufbau etwa 8 Stunden benötigt. Hier muss ich aber klar sagen, das ich das nächste Regal deutlich schneller aufbauen könnte. Erfahrung zahlt sich eben aus, das hatte ich ja bereits bei dem zweiten Teil des Regals gemerkt. Viel handwerkliches Geschick ist hierfür eigentlich nicht nötig und weil ich mir die Profile ja auch bereits zurechtschneiden ließ, hielt sich der Aufwand wirklich in Grenzen. Als Werkzeug ist lediglich ein Inbusschlüssel oder noch besser passender Innensechskant Steckschlüssel für den Schraubendreher* notwendig.

Mein Fazit

In der Vergangenheit war ich bei Regalen für die Heckgarage aufgrund der hohen Preise und vor allem wegen ihrer eingeschränkten Flexibilität, doch etwas negativ gegenüber eingestellt. Auf die Idee mir ein Regal selber zu bauen, bin ich bis dato einfach nicht gekommen. Inklusive der ganzen Kleinteile habe ich nur ca. 150,00€ bezahlt.

Die eigene Fertigung ist relativ einfach und für die Planung genügt ein Zollstock und etwas zum Schreiben bzw. Zeichnen. Nahezu alle benötigten Teile habe ich mir bequem bestellt und durch den bereits erfolgten Zuschnitt der Profile, hielt sich der Aufwand auch absolut in Grenzen. Am Ende macht es aber auch wirklich Spaß und es ist ein tolles Gefühlt, etwas selber gefertigt zu haben. Ich kann nur jedem empfehlen, ein Regal für die Heckgarage selber zu bauen. Günstiger, Flexibler und jederzeit Umbau bzw. erweiterbar.

Ich hoffe mit dem Artikel den ein oder anderen von Euch zum selbst fertigen eines Alu Regals für die Heckgarage animieren zu können und steht für Fragen gerne zur Verfügung und wünsche euch jetzt schon viel Spaß!

9 Kommentare
  1. Avatar
    Micha sagte:

    Hallo Marc,

    vielen Dank das war ein super Tipp! Bin gerade dabei das in unserer Heckgarage umzusetzen, Teile kommen die Tage.
    Habe mich nur gegen die Boxen und für Einlegeböden entschieden.
    VG
    Micha

  2. Avatar
    Guido sagte:

    Moin Micha,

    sehr schöner Beitrag. Zeichnung für den Sunlight A70 steht, Bestellung ist raus. Schicke Dir die Zeichnung per Mail. Leider haben die Wohnmobil-Hersteller keine Maße ihrer Heckgaragen im Netz.

    Vielen Dank und viele Grüße

    Guido

  3. Avatar
    Carsten sagte:

    Vielen Dank für den Beitrag und deine Stückliste. Habe diese als Basis genommen und für einen Sunlight A70 ein Regal für die gesamte Fahrzeugbreite mit Platz für 6 Euroboxen 60*40 gebaut. Kosten 180 EUR bei besagtem Händler

  4. Avatar
    Friedhelm sagte:

    Danke für den guten Beitrag.
    Ich habe mir heute ein Regal mit Deinen guten Tipps zusammengestellt.
    Gruß Friedhelm

  5. Avatar
    Marco sagte:

    Hallo Marc, danke für den Blogeintrag, ich bekomme leider Deine Teilebestellung nicht mit den Regalsetup in Einklang. Könntest Du mir netterweise Das Regal frontal abfotografieren? Damit kann ich es hoffentlich besser einordnen, welches Maß Du jeweils für welches Element vorgesehen hattest. Danke! Vg, Marco

  6. Marc Broch
    Marc Broch sagte:

    Hallo Marco, klar kann ich dir ein paar Fotos per E-Mail schicken, aber am besten siehst du das bei den Zeichnungen der draufsicht. Rahmen pro Kiste und dann die langen bis zur Decke reichenden streben, um die Rahmen daran zu befestigen. Das Maß orientiert sich immer an der Größe und Position der Kiste. Beste Grüße Marc

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